Fichtenau Ein geplanter Stall beunruhigt ein Dorf

Der Widerstand der Einwohner gegen den geplanten Legehennenstall in Großenhub ist kaum zu übersehen.
Der Widerstand der Einwohner gegen den geplanten Legehennenstall in Großenhub ist kaum zu übersehen. © Foto: Jens Sitarek
Fichtenau / Luca Schmidt 25.08.2018
Ein Bauprojekt treibt die Menschen in Großenhub um, eine Stellungnahme mit 300 Unterschriften wurde beim Landratsamt eingereicht. Der Bauherr möchte die Einwände zerstreuen.

In Großenhub soll ein 1700 Quadratmeter großer Legehennenstall mit rund 14.990 Tieren 250 Meter außerhalb des Ortes gebaut werden, die Bürger sind gegen das Projekt. Bei einem Informationsabend tauschten sich der Bauherr Maximilian Ludwig, die Gemeinde Fichtenau und die Bürger aus. Inhaltlich näherten sich die Parteien nicht an. Vom Projekt Betroffene schickten Stellungnahmen an das Landratsamt Schwäbisch Hall.

Und so sieht das Vorhaben aus: „Der Stall ist eingestreut, es gibt erhöhte Sitzstangen. Die Hühner können sich frei bewegen und haben einen überdachten Auslauf, der von einem Gitter abgeschlossen wird“, sagt Ludwig.

Bis zu 14.990 Legehennen leben einmal im Stall – umgerechnet sind das rund 50 Großvieheinheiten, also 50 Kühe ohne Nachzucht, wie Ludwig betont. Die Ställe in der Bodenhaltung seien normal deutlich größer als das geplante Projekt. Das reiche nur für eine kleine Familie. „Die 2000 Arbeitsstunden sind gerade mal ein Arbeitsplatz für mich“, sagt Ludwig. „Ich bin kein Überflieger, nur gibt es die Legehennenhaltung bei uns kaum, zumindest nicht im Vollerwerb.“

Er wollte etwas Neues aufbauen und dabei den ansässigen Landwirten in Großenhub und Umgebung „nichts wegpachten“ – denn das wäre unumgänglich, würde er mit einem Milchvieh- oder Bullenmastbetrieb starten, so Ludwig. „Das will ich nicht.“

Der landwirtschaftliche Betrieb sei seit mehr als 100 Jahren in Familienbesitz. Allerdings gebe es seit Anfang der 1990er-Jahre keine Tierhaltung mehr. Er sei den Bewohnern Großenhubs bereits entgegengekommen: Er möchte keinen Bio-Betrieb, weil die Hühner im Freien wären und mehr Lärm verursachen würden. Außerdem habe er eine Besichtigung des Stalls angeboten und den Bau auf seinem Grundstück so weit es geht vom Ort entfernt geplant – was zusätzliche Kosten in Höhe von 20 000 Euro verursacht habe.

Alle Bewohner gegen den Stall

„Ich habe von dem Vorhaben am 26. Juli in unserer Dorfgemeinschaftsgruppe bei Whatsapp erfahren“, sagt Gregor Lachs, einer der Organisatoren des Informationsabends und Bewohner Großenhubs. Drei Tage zuvor hatte der Gemeinderat dem Bauvorhaben bereits zugestimmt. „Am 29. Juli haben sich viele aus dem Ort beim Spielplatzfest getroffen und darüber diskutiert.“ Dabei seien alle gegen den Stall gewesen.

Enttäuscht seien die meisten Bürger aber nicht von Maximilian Ludwig, der den Stall bauen möchte. „Dass er das so plant und einreicht, ist okay, das würde jeder andere auch so machen. Er möchte als Landwirt eben bauen“, sagt Lachs. Enttäuscht sind die Bürger vor allem von der Gemeinde Fichtenau. „Normal wird über alles informiert. Selbst wenn nur eine Garage gebaut werden soll, steht drin, wo das ist.“ Beim Stall habe aber lediglich Gemarkung Wildenstein dabei gestanden.

Bedenken eingereicht

Die Bürger Großenhubs haben beim Landratsamt Schwäbisch Hall eine gemeinsame Stellungnahme mit dem Titel „Einspruch zum Neubau eines Legehennenstalls“ eingereicht – mit 300 Unterschriften. Das Schreiben liegt unserer Zeitung vor. Es geht um Gesundheitsgefahren und Umweltschäden durch luftgetragene Schadstoffe, Gesundheitsgefahren durch Antibiotika und anti­biotikaresistente Keime, Parasiten und Schädlinge. Außerdem Umweltschäden durch Exkrementenanfall- und Verwertung sowie Entstehung unzumutbarer Gerüche und Lärm. Zusätzlich gebe es ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, einen Wertverlust der Immobilien und Tierschutz-Bedenken. Hinzu kommt die Befürchtung, dass in absehbarer Zeit erweitert werden könnte.

Das alles sieht der Bauherr anders. „An der Schweizer Grenze wird auch so ein Stall gebaut“, sagt Ludwig. Allerdings gebe es dort keine Proteste, im Gegenteil: Die Leute seien froh, dass die Eier nicht ewig unterwegs sind, bevor sie beim Verbraucher landen.

Die Stellungnahme der Bürger will Ludwig entkräften: „An keiner der Anschuldigungen ist etwas dran“, sagt er. So sei der Einsatz von Antibiotika für ihn kaum möglich: Er müsse alle Hühner auf einmal behandeln lassen und anschließend 14 Tage lang warten, bevor er die Eier verkaufen könne. Das wäre ein Minus von knapp 16 800 Euro. „Wenn ich das zwei oder drei Mal im Jahr mache, bin ich pleite“, sagt Ludwig. Zur Zunahme des Verkehrs wegen seines Stalls rechnet Ludwig vor: „Alle Fahrten zusammen kommt man ungefähr auf 160 im Jahr – selbst der Milchwagen kommt mit 183 Fahrten öfter durch das Dorf.“

Den Bedenken wegen des Tierschutzes widerspricht Ludwig ebenfalls: „Die Hühner haben in dem von mir geplanten Bauvorhaben rund 30 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben ist.“ Vorgeschrieben sind maximal neun Hühner auf einem Quadratmeter. Auch das Schreddern männlicher Küken gebe es bei ihm nicht: „Es gibt im Stall nicht einmal einen Hahn.“

Sämtliche Staubtheorien würden jeglicher Grundlage entbehren und auch die Angst, der Mist würde in unmittelbarer Nähe ausgebracht, sei unangebracht: „Der kommt direkt in einen Container und wird dann weggefahren“, betont Ludwig.  Trotzdem verstehe er die Angst vor Geruch – aber nicht vor Lärm. „Das ist ein geschlossener Stall, die Hühner sind nachts drinnen und nicht im Auslauf.“

„Das muss man sich trauen“

Als Organisator war Gregor Lachs zufrieden mit dem Infoabend. „Wir Bürger haben unseren Standpunkt klargemacht und die Gemeinde hat gemerkt, dass das Thema hier viele bewegt. Es war auch mutig von Herrn Ludwig, vor 130 Leuten, die gegen ihn waren, zu sprechen. Das muss man sich erst einmal trauen“, sagt Lachs.

Die Gemeinde Fichtenau unterschätzte zunächst die Brisanz des Bauvorhabens, wie Bürgermeisterin Anja Wagemann bekannte. Jetzt möchte sie eine Petition anstoßen: „Wir werden den Bau monieren, weil er nicht in das Gesamtbild unserer Gemeinde passt. Mit der Autobahn und den Windrädern bröckelt das Prädikat ‚staatlich anerkannter Erholungsort’ bereits.“

Auch die Bürgermeisterin war mit der Veranstaltung zufrieden – „auch wenn es schade war, dass der Bauherr keinen Millimeter von seinem geplanten Vorhaben abgewichen ist“, sagt sie. „Ein Entgegenkommen wäre gut gewesen.“

Versuchte Sachbeschädigung

Allerdings schießen vielleicht einige bei der Wahl ihrer Mittel gegen den Stall über das Ziel hinaus: Auf einem Feld der Ludwigs wurden Metallgegenstände versteckt. Diese hätten nicht nur ein Erntegerät beschädigen und damit hohen Sachschaden verursachen, sondern auch den Fahrer und andere verletzen können. Die Polizei ermittelt nun wegen versuchter vorsätzlicher Sachbeschädigung gegen Unbekannt.

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