Lesung Ein Fahrrad als ganzer Stolz der Familie

Walter Langohr auf einem Porsche-Schlepper
Walter Langohr auf einem Porsche-Schlepper © Foto: privat
Erwin Zoll 11.10.2017

Aus seinem neuen Buch „Mit dem Fahrrad zum Bauerndoktor“ liest Walter Langohr morgen um 14 Uhr beim Seniorennachmittag im evangelischen Gemeindehaus in Waldtann. Nicht nur Senioren, sondern Zuhörer jeden Alters heißt die Kirchengemeinde Marktlustenau-­Waldtann dabei willkommen.

„Mit dem Fahrrad zum Bauerndoktor“ ist bereits das vierte Buch, in dem Walter Langohr (Jahrgang 1941) Episoden aus seiner Kindheit und Jugend festgehalten hat. Der pensionierte Agraringenieur, der auf einem Bauernhof bei Dinkelsbühl aufgewachsen ist und heute im unterfränkischen Marktheidenfeld lebt, hat 2005 begonnen, seine Erinnerungen zu veröffentlichen. „Hurra, wir haben einen Porsche!“, lautet der Titel seines Erstlingswerks, in dem sich vieles um einen Traktor Marke Porsche dreht. Es folgten „Schlitzohren, Langohren, Trakto(h)ren“ und „So schön, schön war die Zeit“. Eine Auswahl seiner Geschichten hat Langohr 2014 als Hörbuch veröffentlicht.

Über den Bauerndoktor

Der Bauerndoktor, den Lang­ohr im Titel des neuen Buchs erwähnt, war ein Heilpraktiker in Reimlingen bei Nördlingen, den der Autor als Bub mit seinem Vater aufgesucht hat. Einen Arzt konnte sich die Familie nicht leisten, denn die wenigsten Landwirte waren krankenversichert, ein Auto gab es auf dem Hof nicht – so blieb die Fahrt mit einem Fahrrad der Marke NSU die einzige Möglichkeit, zu einer Behandlung zu kommen. Das Rad war damals der ganze Stolz der Familie.

Die Geschichte von der Fahrt nach Reimlingen ist typisch für Langohr, und sie ist typisch für das frühere Landleben auf einem fränkischen Dorf, das gar nicht so anders war als das in Hohenlohe. Langohr greift dabei auch aus in die große Geschichte, wenn er vom Schicksal der Vertriebenen berichtet, die nach 1945 auch in Franken ankamen.

In seinem neuen, vierten Buch geht Langohr weit über seine Jugend auf dem Dorf hinaus. Er erzählt unter anderem von einem Urlaub in Jugoslawien, den er 1966 als junger Agraringenieur unternommen hat, und von einer Beerdigung mit einem betrunkenen Pfarrer in seiner neuen Heimat Marktheidenfeld.