Gammesfeld Ein erhaltenswertes "Biotop" - Raiffeisenbank Gammesfeld 125 Jahre alt

12,5 Prozent Dividende - und den Abend frei. Da sind die Gammesfelder Bankmitglieder schnell mit dabei. Vorne am Pult Vorstand Peter Breiter und (links neben ihm) die neue Blaufeldener Bürgermeisterin Petra Weber. Fotos: Manfred Mühlenstedt
12,5 Prozent Dividende - und den Abend frei. Da sind die Gammesfelder Bankmitglieder schnell mit dabei. Vorne am Pult Vorstand Peter Breiter und (links neben ihm) die neue Blaufeldener Bürgermeisterin Petra Weber. Fotos: Manfred Mühlenstedt © Foto:  
Gammesfeld / MANFRED MÜHLENSTEDT 21.09.2015
Auch wenn Direktor Schorr vom Raiffeisen-Verband von einem "Biotop" sprach und damit die Raiffeisenbank Gammesfeld meinte, unter "Artenschutz" müssen die Gammesfelder nicht gestellt werden.

Dafür sind die Gammesfelder trotz ihrer 125 Jahre viel zu agil und kämpferisch. Das wurde am Freitagabend bei der Generalversammlung in der Landwehrhalle deutlich. Vorstand Peter Breiter konnte rund 230 anwesenden Mitgliedern eine stolze Dividende von insgesamt 12,5 Prozent ankündigen, angelehnt ans Jubiläum (125 wären doch etwas vermessen gewesen), und sie an diesem Abend natürlich freihalten, wie es sich gehört für eine stabile Darlehenskasse. Auch der zwischendurch gereichte Sauerbraten entsprach den Erwartungen, was Reichhaltigkeit und Geschmack anging, genauso wie die vorzustellende "schlanke" Bilanz.

1890 wurde die "Spar- und Darlehenskasse Gammesfeld" gegründet. Damals war Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der Vater des genossenschaftlichen Gedankens, gerade zwei Jahre tot. Bis heute ist die Bank seinen Idealen verpflichtet. Die Bank dient den Menschen und nicht dem Kapital. Dieses eherne Prinzip wird deutlich nach außen kenntlich gemacht: Auf der schlichten Einladung zur Generalversammlung prangte das "Giebelkreuz", die gekreuzten Pferdeköpfe, die für Raiffeisens Idee stehen - und kein mehrfarbiges modernes Signet.

Genauso bodenständig ging es weiter. Bankvorstand Peter Breiter, der "eine Hauptberufliche" der Mini-Bank, eröffnete, begrüßte und gab den Jahresabschluss bekannt. Die Bilanz der Bank, kurz gefasst, rund 30 Millionen Euro in der Summe, 36 000 Euro Bilanzgewinn, keine Geldmarktpapiere, keine Schuldverschreibungen, keine Anleihen. Die Gammesfelder Bank konzentriert sich einfach auf das, wofür sie 1890 gegründet wurde: ihren Mitgliedern zu vernünftigen Zinsen für ihre Spareinlagen zu verhelfen und - wenn benötigt - genauso vernünftige Kredite zu geben.

Die 240 anwesenden Mitglieder (von rund 320 - Gammesfeld hat circa 500 Einwohner) honorierten das. Die Abstimmungen folgten ohne Gegenstimmen. Zwischen den doch relativ trockenen banktechnischen Notwendigkeiten sorgten die "Vieruni" als A-capella-Sänger für entspannende, musikalische Auflockerung. Weiter zu Wort kamen Blaufeldens Bürgermeisterin Petra Weber, die sich gewohnt charmant präsentierte, und Verbandsdirektor Schorr, der - wie erwähnt - das Gammesfelder Biotop zu schätzen wusste. Insgesamt fünf (!) Pfarrer wohnten der Versammlung bei.

Eigentlich ist es nicht fair, die Gammesfelder Raiffeisenbank mit der Deutschen Bank in Beziehung zu setzen. Die Gammesfelder sind einfach seriöser. Aber eines haben sie gemeinsam, das wurde beim historischen Rückblick deutlich: Beide sind in den Medien immer wieder präsent. Die einen wegen ihrer Skandale, die anderen wegen ihres Kampfs um Eigenständigkeit. Die einen kommen nicht aus den schlimmen Schlagzeilen, die anderen haben längst gewonnen. Der Name Fritz Vogt ist dabei zu nennen. Diese bundesweite Aufmerksamkeit hat auch ihre Schattenseiten. Nicht nur dass die Bank schon das Ziel versuchter Überfälle wurde, Peter Breiter musste auch schon Kunden mit vollen Geldkoffern abwehren. Sie suchten in Zeiten der Bankenkrise einen sicheren Hafen für ihr Geld. Fanden sie aber nicht - waren eben keine Gammesfelder.

Vorstand Peter Breiter verbreitet Grundsätzliches: "Nur Bares ist Wahres"

Bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Gammesfeld am Freitag hatte Bankvorstand Peter Breiter zwei interessante Zahlen im Gepäck, besser gesagt auf seinem Zettel:

Die Gammesfelder Bank bewältigt eine Bilanzsumme von rund 30 Millionen Euro mit dem Personalaufwand von eins. Also eine Person schafft diesen Haufen "Schotter wie Heu" (bekanntlich Titel eines Films über die Bank). Üblich ist im Bereich der Volks- und Raiffeisenbanken ein Verhältnis von eins zu sieben bis acht Millionen Euro. Das bedeutet, die Bank müsste im Prinzip rund drei Mitarbeiter zusätzlich einstellen und bezahlen. Braucht sie aber nicht.

Selbstverständlich gibt die Gammesfelder Bank auch EC-Karten aus. Damit kann jeder überall auf der Welt bezahlen, von Schrozberg bis New York. Machen die Gammesfelder aber nicht. Im vergangenen Jahr wurden rund 330 000 Euro über die Karten abgehoben - und rund 2,1 Millionen am Tresen. Das heißt nicht, die Gammesfelder wären dem Rest der Welt nicht zugewandt, aber sie vertrauen lieber dem Schein im Geldbeutel als der Plastikkarte. Nach dem alten Grundsatz "Nur Bares ist Wahres".

MM

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