Exakt 100 Jahre nach dem Thesenanschlag von Martin Luther ragte anno 1617 mitten in Schrozberg ein neues Gotteshaus in den Himmel. Und wiederum 400 Jahre später hätten die Schrozberger Protestanten genau an diesem Tag, dem 31. Oktober 2017, liebend gerne ihre Kirche nach einer umfassenden Innenrenovierung zum Kostenpunkt von rund 710.000 Euro wieder in Besitz genommen. Unwägbarkeiten brachten den Zeitplan allerdings durcheinander – und so wird der Abschluss der Arbeiten halt erst am kommenden Sonntag mit einem Festgottesdienst (siehe Info) gefeiert.

Ab Mai 2016 verwandelten die Handwerker den Innenraum der Kirche in eine einzige Baustelle. Auf der Agenda von Diplom-Ingenieur Michael Fleck (er zeichnete für die Bauleitung verantwortlich) stand nicht nur eine komplette Erneuerung der maroden Elektrik und 1500 stützende Injektionen für den Putz.

Gemalter Schatz

Jede Menge Arbeit gab es auch für die Restauratoren, die das Gotteshaus und seine Kunstwerke nicht nur vom Staub der Jahrhunderte und von vielen Ablagerungen befreiten.

Die Experten frischten nämlich auch das sogenannte Roll- und Beschlagwerk an den Wänden auf – eine Maltechnik aus der Renaissance, die mit Voluten und „eisernen“ Beschlägen den Eindruck von räumlicher Tiefe erweckt und bei einer Renovierung im Jahr 1877 schnöde übertüncht und durch aufgemalte neogotische Friese ersetzt wurde. Schon bei einer Renovierung in den Jahren 1959 bis 1962 wurde dieses Roll- und Beschlagwerk in der Schrozberger Kirche wieder sichtbar gemacht. Eine speziell geplante Beleuchtung rückt jetzt auch das über 400 Jahre alte Altarretabel mit einer Darstellung des Abendmahls sowie zwei aus dem Jahr 1933 stammende Glasfenster des Stuttgarter Künstlers Rudolf Yelin zum Gedächtnis an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ins rechte Licht.

Aufmüpfiger Seelsorger

Zum Abschluss der Arbeiten hat die Kirchengemeinde eine liebevoll gestaltete, reichhaltig illustrierte  Broschüre herausgegeben, die nicht nur die Geschichte des einst im Auftrag von Graf Georg Friedrich zu Hohenlohe-Weikersheim erbauten Gotteshauses nachzeichnet: Helmut Moser und Pfarrer Georg Leiberich widmen sich in ihren Texten auch interessanten historischen Details. So gründete zum Beispiel der Pfarrer Christian Karl Preuner im Jahr 1881 einen Darlehenskassenverein in Schrozberg – der Vorläufer der Raiffeisenbank Schrozberg-Rot am See. Und auch an den aufmüpfigen Seelsorger Johann Ludwig Knapp wird erinnert, der im Jahr 1806 nach der ungeliebten „Einverleibung“ von Hohenlohe in das Königreich Württemberg die befohlene Fürbitte für den Monarchen Friedrich im Gottesdienst so formulierte: „Nachdem wir nun – was wir ob unserer großen Sünden willen nicht besser verdient haben – württembergisch geworden sind, wollen wir uns zur Fürbitte für den König erheben.“

Chor „Via Classica“ gibt ein Konzert


Der Festgottesdienst in Schrozberg beginnt am Sonntag, 15. April, um 10 Uhr. Bereits am Samstag, 14. April, gibt der Chor „Via Classica“ um 20 Uhr ein geistliches Konzert in der Kirche, das unter dem Motto „Cantate Domino“ steht. Die 18 Sängerinnen und Sänger des im Jahr 2000 gegründeten Vokal­ensembles werden von Hanna Markowski dirigiert und mit Klavier, Violine und Trompete begleitet. Der Eintritt ist frei, Spenden kommen der Renovierung zugute. haz