Landkreis Ein Blick zurück und einer nach vorn: Schließung, Neueröffnung und viele gute Ideen

CHRISTINE HOFMANN 22.05.2015
Tante Emmas Enkel (Teil 17 und Schluss): Studien gehen davon aus, dass das Ladensterben weitergehen wird – vor allem bei kleinen Geschäften auf dem Land, die nach alten Konzepten arbeiten. Wer mit der Zeit geht, hat Chancen zu überleben.

Mit der Schließung eines Tante-Emma-Ladens fing alles an: Ende Januar drehte die 68-jährige Rita Wolf den Schlüssel ihres Lädles in Onolzheim zum letzten Mal herum. Wieder ein Dorfladen weniger, der jahrzehntelang die ländliche Bevölkerung mit Lebensmitteln, Kurzwaren und allerhand Neuigkeiten versorgt hatte. Für die Redaktion des HOHENLOHER TAGBLATTS war das Ende von Ritas Lädle der Startschuss für eine Serie, die die Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel unter die Lupe nahm. Wo kann man heute noch welche Produkte kaufen? In welchen Orten gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten, in welchen schlechte? Brauchen kleine Gemeinden einen eigenen Supermarkt? Und vor allem: Wie füllen Leute ihren Kühlschrank, wenn es in ihrem Ort keinen Laden mehr gibt?

Es gibt jede Menge gute Ideen und pfiffige Konzepte - das hat unsere Serie gezeigt. Der rollende Supermarkt von Petra Schmidt aus Hornberg ist ein Beispiel dafür, wie das ländliche Ladensterben eine neue Geschäftsidee auf den Weg brachte. Die mobile Einzelhändlerin fährt mit ihrem Lastwagen kreuz und quer durch Hohenlohe und versorgt kleine Ortschaften mit allem, was ein Lebensmittelmarkt zu bieten hat. "Ich komme auch wegen eines Kunden. Wenn jemand Bedarf hat, fahre ich hin, gerne auch direkt ans Haus", sagt die frühere Architektin.

Dass die Ware zum Kunden gebracht wird, ist ein Trend, der immer stärker nachgefragt wird. Lieferdienste bringen auf Bestellung Lebensmittel bis an die Haustür. Ein Rentner aus Rechenberg bietet diesen Service an, manche Bäckerei schickt ein Brot-Mobil auf Tour und die Ökokiste Hohenlohe beliefert von Untermünkheim aus 1500 Kunden in der Region mit Obst, Gemüse, Fleisch, Brot und Milchprodukten.

Mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft haben sich Bauern neue Wege gesucht, ihre Produkte an den Kunden zu bringen. Im klassischen Hofladen von Familie Münch in Unterschmerach gibt es lauter Selbstproduziertes. Ebenso in Rüecks Regio-Häusle in Sandhof, jedoch mit dem Unterschied, dass der Kunde seinen Einkauf hier selbst zusammenrechnet und das Geld in die Kasse legt. Der große Vorteil des Mini-Lädchens ohne Verkaufspersonal ist seine Öffnungszeit an sieben Tagen die Woche. Da können nicht mal die großen Discounter mithalten.

Apropos Discounter: Jede Gemeinde will einen haben - das hat die Umfrage bei den Bürgermeistern der Landgemeinden ergeben. So wäre die Nahversorgung mit Lebensmitteln gesichert. Dass es nicht leicht ist, eine Supermarktkette aufs Land zu locken, davon konnte Bürgermeister Matthias Strobel aus Stimpfach einiges berichten. Seit acht Jahren verhandelt er mit Anbietern und über Grundstücke. Nun scheint es zu klappen. In der Gemeinde Kreßberg hat ein Bürger die Sache selbst in die Hand genommen. Thomas Ruck betreibt einen Einkaufsmarkt in Eigenregie - mit überwiegend regionalen Produkten.

In Crailsheim gibt es jede Menge Supermärkte - doch sie alle haben sich in den Stadtteilen angesiedelt. In der Langen Straße in der Innenstadt gibt es keinen. Doch dafür finden sich hier zwei Metzger, ein Bäcker, ein Reformhaus, ein Bio-Laden und eine Obst- und Gemüsehandlung - und damit kann man alle Lebensmittel, die man zur Grundversorgung braucht, zu Fuß einkaufen. Jeden Dienstag, Freitag und Samstag bauen außerdem die Markthändler ihre Stände in der Innenstadt auf. "Der Wochenmarkt, das ist wie eine große Familie, wie ein Tante-Emma-Laden: Da gibt es alles, was man braucht und dazu Gelegenheit, sich zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen", sagt Marktmeister Reinhold Windsheimer.

Zum Schluss wagen wir einen Ausblick: Wie wird sich der Einzelhandel im ländlichen Raum entwickeln? CIMA-Geschäftsführer Roland Wölfel berichtet im Interview von Chancen, wenn sich die Händler neuen Ideen öffnen. Und eine gute Nachricht wollen wir nicht vorenthalten: In Michelbach/Lücke eröffnen Carola und Marcus Voigt demnächst einen neuen Tante Emma-Laden.