Langenburg Ein Abschied, der kein Abschied ist

Pfarrer Ulrich Hermann geht in den Ruhestand, bleibt aber in Langenburg.
Pfarrer Ulrich Hermann geht in den Ruhestand, bleibt aber in Langenburg. © Foto: Ute Schäfer
Langenburg / Ute Schäfer 14.01.2019
Der Langenburger Pfarrer Ulrich Hermann ist vor gut sieben Jahren von drei Kirchengemeinden begrüßt und nun von einer einzigen fröhlich-fusionierten Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet worden.

Josua 3 ist ein Text, der neu in die Predigtordnung aufgenommen wurde. Deshalb hat Pfarrer Ulrich Hermann noch nie darüber gesprochen. Nach gut 40 Berufsjahren und bestimmt mehr als 2000 Predigten ist das eine Besonderheit. Josua 3 ist ein Schwellentext, der beschreibt, wie das Volk Israel nach der langen Wüstenwanderung das gelobte Land erreicht. „Ein sehr passender Text“, sagte Ulrich Hermann. „Schwellen begleiten einen im Leben.“ Auch er selbst stand da gerade vor einer Schwelle – vor jener in den Ruhestand. Die Predigt über Josua 3 war die letzte, die er als Pfarrer von Langenburg hielt.

Dass Hermann als zugewandter und redegewandter Seelsorger in seinen gut sieben Jahren in Langenburg so viel bewegen würde, hätte er nicht erwartet, sagte Dekan Siegfried Jahn in seinem Grußwort. Die Spuren, die Hermann hinterlasse, lobte auch Bürgermeister Wolfgang Class. Denn unter Hermanns Ägide wurden der Kindergarten erweitert, entstand unter anderem die Brauchbar, bekam die Kirchengemeinde den grünen Umweltgockel und nicht zuletzt einen sanierten Glockenturm, in dem jetzt sechs statt vier Glocken klingen.

Gemeindereferent Nils Neudenberger von der katholischen Kirche bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und freute sich, dass Hermann sich so brav an den Wunsch gehalten habe, den er ihm bei der Einsetzung mitgegeben habe: in Hohenlohe schnell Wurzeln zu schlagen. Denn: „Das Beste an deinem Abschied ist, dass du bleibst“, sagte Dekan Jahn.

Und tatsächlich: Petra und Ulrich Hermann gehen nicht weg aus Langenburg, der Bauplatz ist gekauft – was die Zahl der Ruhestandspfarrer im Städtchen weiter erhöht. „Andere halten mich ja für verrückt“, sagte Hermann, als er in der Remise des Schlosses von Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg interviewt wurde. „Ich freue mich aufs Bauen. Das wollte ich immer schon.“

Petra Hermann wird also als Hebamme in Hohenlohe weiterarbeiten und Ulrich Hermann während der einjährigen Vakatur Dienste übernehmen. Er wird auch seine Konfirmanden noch konfirmieren. Diese bedankten sich dafür – und auch für die Geduld, die Hermann mit ihnen hatte und noch hat.

Eine der Großtaten des scheidenden Pfarrers war die Fusion der drei bis dahin selbstständigen Kirchengemeinden Unterregenbach, Bächlingen und Langenburg. „Der Kirchengemeinderat hat mir den Mut dazu gegeben“, sagte Hermann. Das Projekt ist gelungen, wenn man die volle Langenburger Kirche beim Abschiedsgottesdienst und den beschwingt-fröhlichen Stehempfang in der Remise hinterher als Gradmesser nehmen mag. Den Empfang hatte der Kirchengemeinderat organisiert. Gemeinsam sangen die Mitglieder Hermann ein Abschiedslied in guter hohenlohischer Gstanzl-Manier: „Die Fusion war a richtig starke Sach. Wir trauern der Trennung ned nach.“

Spüren, worum es geht

Doch zurück zu Josua 3 und dem Abschiedsgottesdienst. „Gottesdienste waren mir immer besonders wichtig“, so Hermann. Hier könne man immer wieder spüren, worum es wirklich geht. Um die Präsenz Gottes nämlich, der immer dann da sei, wenn es eine Schwelle zu überschreiten gelte – was der Predigttext zeige. Und was auch eine der Reisen gezeigt habe, die Hermann organisiert hat. Sie führte Mitglieder der Gemeinde nach Israel. Nach einer anstrengenden Wüstenwanderung und einem spirituell-ergreifenden Besuch am Jordan konnten die Reisenden im Wasser des Sees Genezareth baden.

„Und sie schwammen hinaus in den leicht gekräuselten See“, sagte Hermann, ließ das Bild noch nachwirken, packte seine Sachen und stieg von der Kanzel.

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Vom Münster in die Stadtkirche

Ulrich Hermann wurde 1953 in Plochingen geboren, er war Pfarrer in Herrenberg, Böblingen, in Blaubeuren und geschäftsführender Pfarrer am Ulmer Münster, bevor er 2011 nach Langenburg kam. Er besuchte Fortbildungen in biodynamischer Psychologie, klinischer Seelsorge, Notfallseelsorge und machte eine Ausbildung zum geistlichen Begleiter.

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