Braunsbach Ehre für den Versöhner

Im früheren Braunsbacher Rabbinat (dort waren Amtssitz und Wohnung des Bezirksrabbiners sowie die israelitische Konfessionsschule) ist heute das Braunsbacher Rabbinatsmuseum. Der Förderverein möchte den Platz vor dem Haus in Simon-Berlinger-Platz umbenennen. Foto: Ufuk Arslan
Im früheren Braunsbacher Rabbinat (dort waren Amtssitz und Wohnung des Bezirksrabbiners sowie die israelitische Konfessionsschule) ist heute das Braunsbacher Rabbinatsmuseum. Der Förderverein möchte den Platz vor dem Haus in Simon-Berlinger-Platz umbenennen. Foto: Ufuk Arslan
Braunsbach / ELISABETH SCHWEIKERT 08.03.2014
Der Platz vor dem Rabbinatsmuseum soll - so der Vorschlag des Fördervereins Kultur im Rabbinat - den Namen Simon-Berlinger-Platz erhalten. Das Thema wird am Mittwoch im Gemeinderat besprochen.

Den Antrag auf Namensgebung haben die beiden Vorsitzenden des Fördervereins, Elisabeth Quirbach und Werner Zügel, gestellt. In ihrem schriftlichen Antrag weisen sie auf die Verdienste von Berlinger hin, der am 11. Juni 2014 einhundert Jahre alt werden würde.

Unterstützt wird der Förderverein in seinem Vorhaben von Bürgermeister Frank Harsch: "Simon Berlinger ist der letzte Vertreter der jüdischen Gemeinschaft in Braunsbach", sagt er auf HT-Nachfrage, "ich denke, dass er als Symbol gilt für die jüdische Geschichte, und dass er auch einen Bogen in die Zukunft schlägt."

Der Religionslehrer Simon Berlinger ging zwei Jahre lang im Braunsbacher Rabbinatgebäude ein und aus: Zwischen 1936 und 1938 unterrichtete der Leiter der jüdischen Bezirksschule dort die Kinder. Dabei war er, wie Geschichtsforscherin Elisabeth Quirbach feststellt, "stets um eine friedvolle Kooperation mit der bürgerlichen Gemeinde bemüht". So half er auch an der evangelischen Volksschule aus. Und bei Auseinandersetzungen zwischen jüdischen und christlichen Schülern habe Berlinger eng mit dem Bürgermeister kooperiert.

Berlinger, so Quirbach, durchschaute früh das nationalsozialistische System mit seinen Konsequenzen für die Juden. Deshalb hielt er sich nicht an den staatlichen Lehrplan, sondern studierte mit den Kindern Theater- und Musikstücke ein - die Kinder sollten Schönes erleben, so lange es noch ginge, berichtet Quirbach von Gesprächen mit Berlinger und dessem letzten noch lebenden Schüler Nathan Frey.

Quirbach und Harsch betonen beide die Bedeutung Simon Berlingers als Versöhner. Beide hatten Berlinger 2009 besucht - ein Jahr vor dessen Tod. Rege habe Berlinger damals Anteil am Geschehen in Braunsbach genommen, so wie er in den Jahren zuvor Quirbach für den Aufbau des Rabbinatsmuseums Hinweise gab, wie das Leben in den 30er Jahren in Braunsbach war.

Bis ins hohe Alter empfing Berlinger immer wieder deutsche Jugendliche, die in Israel für die Aktion Sühnezeichen tätig waren. In Diskussionen und bei Vorträgen warb er um ein besseres Verständnis für Israel und die Aussöhnung zwischen Juden und Christen. Quirbach: "In Israel warb er für Deutschland, und in Deutschland warb er für Israel." Auch Hans Peter Müller, der frühere Haller Kreisarchivar, erinnert sich an den Versöhner Berlinger. Beim Empfang 1985 durch die Stadt Hall hatte Berlinger erklärt: "Wir sind bereit, den warmen Händedruck zu erwidern."

Info Der Gemeinderat Braunsbach befasst sich am Mittwoch, 12. März, bei der nächsten Sitzung mit dem Thema. Sie beginnt um 19 Uhr im Ratssaal in der Burgenlandhalle Braunsbach.

Zur Person: Simon Berlinger
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