Fichtenau Durchs Grußwort weht Gegenwind

Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer bringt einen Rabatt bei den Musikschulgebühren ins Gespräch. Fichtenaus Bürgermeisterin Anja Wagemann hätte bestimmt nichts dagegen.
Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer bringt einen Rabatt bei den Musikschulgebühren ins Gespräch. Fichtenaus Bürgermeisterin Anja Wagemann hätte bestimmt nichts dagegen. © Foto: Jens Sitarek
Fichtenau / Jens Sitarek 20.06.2018
Bürgermeisterin Anja Wagemann nutzt die offizielle Inbetriebnahme des Windparks Fichtenau, um generell Kritik zu üben. Dass die Akzeptanz fehlt, hat auch mit fehlenden Pachteinnahmen zu tun.

Eigentlich gibt es nichts Passenderes bei der offiziellen Inbetriebnahme eines Windparks als Windräder, die sich drehen. Nicht so in Fichtenau am vergangenen Freitag. „Der Wind steht noch etwas aus“, so sagt es Michael Soukup, Teamleiter Projektentwicklung Wind beim Betreiber ENBW. Für ihn ist „das Wetter eher fotovoltaikgeeignet“. Dass zwei von drei Rotoren des Windparks Fichtenau westlich von Neustädtlein für insgesamt drei Tage stillstehen, hat allerdings auch damit zu tun, dass der Rotmilan nach der Mahd geschützt werden soll.

Womit die Gäste wohl am wenigsten rechnen, ist Gegenwind – und der kommt von Fichtenaus Bürgermeisterin Anja Wagemann. In ihrem Grußwort beschreibt sie den Windpark als „ein umstrittenes und nicht ganz einfaches Projekt“. Vor sieben Jahren habe sich der Gemeinderat erstmals mit dem Thema beschäftigt. 2012 beschloss der Gemeindeverwaltungsverband, zu dem neben Fichtenau auch Kreßberg gehört, die Teilfortschreibung  „Windenergie“ des Flächennutzungsplanes. „Ziel war es, der Windenergie substantiell Raum einzuräumen“, sagt Wagemann. Aber: „Ein klareres Ziel oder klare Vorgaben von unserer Landesregierung wären hilfreicher gewesen. Stattdessen wurden wir ziemlich alleine gelassen.“

Unruhe und Unsicherheit

Ehrenamtliche Gemeinderäte hätten sich mit der Verwaltung und dem Kreisplanungsamt abgemüht und „viele Sitzungen und Stunden“ damit verbracht, so Wagemann weiter, „ein rechtssicheres Paket zu schnüren, um später erfahren zu müssen, dass eine Rechtssicherheit in diesem Bereich so gut wie gar nicht möglich ist“. Dies habe für viel Unruhe und Ärger in der Bürgerschaft und für noch mehr Unsicherheit der Gemeinderäte gesorgt.

Drei Anlagen im Windpark Fichtenau, dazu zehn im Windpark Ellwanger Berge auf Jagstzeller und Ellenberger Gemarkung – „mittlerweile ist unsere Bürgerschaft der Meinung, dass man mit 13 Windenergieanlagen in direktem Umfeld und mit direktem Blickkontakt der Windenergie substanziell genügend Raum eingeräumt hat“, betont Wagemann.

Mit den bestehenden Anlagen im Windpark Fichtenau würden 7000 Haushalte mit Strom versorgt. Fichtenau habe 4568 Einwohner und 1729 Haushalte, Kreßberg etwas weniger. „Damit bin ich der Meinung, dass wir in unserem Verbandsgebiet genügend getan haben, um die Energiewende zu unterstützen“, findet Wagemann. „Dies dürfen uns städtische Gegenden und Ballungsgebiete erst einmal nachmachen.“

Viertes Windrad muss nicht sein

Wenn es nach der Bürgermeisterin geht, bräuchte die vierte Anlage, für die die ENBW im Windpark Fichtenau noch einen Standort sucht, nicht kommen. Bei ihr klingt das so: „Man sollte die Gegebenheiten wie das Radarstrahlungsfeld der Luftverteidigungsanlage, das bisher ein viertes Windrad unmöglich macht, auch so hinnehmen.“

Was für viele unverständlich sei, so Wagemann: „Wir haben jahrelang versucht, unser Gewerbegebiet zu erweitern und dabei bereits sprichwörtlich gegen Windmühlen gekämpft“. Und dann? Dann werde ein dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling gesichtet, „und schon ist es nicht mehr möglich, zu erweitern. Für Windenergieanlagen dürfen größere Flächen Wald abgeholzt werden. Wir warten jedoch immer noch auf eine Genehmigung für die Waldumwandlung für unseren Radweg von Wildenstein nach Matzenbach.“

Dass der Windpark Fichtenau „eine kleine Besonderheit“ aufweist, ist auch Michael Soukup aufgefallen. „Der Wald gehört einer bayerischen Stadt: Dinkelsbühl.“ Die Flächen, auf denen die drei Windräder stehen, gehören der Hospitalstiftung Dinkelsbühl, die wiederum von der Stadt verwaltet wird. Der Stiftung steht aus der Verpachtung ein jährlicher Erlös von 100.000 Euro zu. Für Dr. Christoph Hammer, Oberbürgermeister von Dinkelsbühl, ist das natürlich „eine interessante Einnahmequelle, dieses Geld fließt immer in den Säckel der Bürger“.

„Die Akzeptanz der Fichtenauer wäre sicherlich größer gewesen, wenn wenigstens ein kleiner Profit möglich gewesen wäre“, sagt Wagemann. Mag sein, dass die Gemeinde trotzdem nicht ganz leer ausgeht. „Vielleicht können wir bei den Musikschulgebühren für Fichtenau einen Rabatt einräumen“, sagt Hammer.

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