Schwäbisch Hall Du sott'sch wissa, wuh d'noug'heersch

Marcus Haas, Chefredakteur in Schwäbisch Hall beim Haller Tagblatt.
Marcus Haas, Chefredakteur in Schwäbisch Hall beim Haller Tagblatt. © Foto: Ufuk Arslan
MARCUS HAAS 01.10.2014
D'Hoomat isch doo, wuh dimmer widder geern zrick kummsch. Also muasch aa mool raus - ebbes anders säh - awwer du sottsch wissa, wuh dnougheersch. Gar nicht so einfach, so zu schreiben, wie man im Dialekt spricht, in dem Fall: ein Versuch auf Hohenlohisch.

Eine Bedeutung von Heimat ist die Sprache, mit der man aufgewachsen, sozialisiert worden ist. Es geht mir heute noch so, wenn ich versuche sauberes Hochdeutsch zu reden, dann hört es sich für mich selbst etwas gekünstelt an, so aufgesetzt. Andererseits kann man nicht überall so frei herausreden, wie einem der Schnabel gewachsen ist.

Meine Professorin an der Uni mochte es, wenn ich bei einem Referat im vollen Hörsaal meinen Dialekt nicht ganz verbergen konnte. Andere haben sich fremd geschämt oder nur mit dem Kopf geschüttelt - mein Gott, mal wieder so ein Schwabe, wobei ich ja gar kein Schwabe, sondern eher so etwas wie Hohenloher-Franke bin. Mir ist es immer wichtig, verstanden zu werden, trotz des Dialekts.

Dialekt funktioniert bestens daheim, in der Familie oder mit alten Freunden aus der geografischen Heimat, die mit demselben Dialekt aufgewachsen sind. Wenn ich mich mit meinem Bruder unterhalte, dann reden wir unter uns schnell wieder im alten Dialekt, obwohl er Jahrzehnte in München lebt und zunehmend die bayerische Sprache pflegt. Dann gibt es noch meine Partnerin, die Hochdeutsch spricht, aber Dialekte gerne nachahmt. Mittlerweile gelingt ihr das mit dem Hohenlohischen schon gut, was meinen Dialekt betrifft. Denn jeder spricht irgendwie anders, auch wenns derselbe Dialekt ist - irgendwie spannender als das Hochdeutsche.