Kammermusik Drei Tuben gegen das Klischee

Das Trio „21meter60“ mit (von links) Fabian Neckerman, Steffen Schmid und Constantin Hartwig. Alle spielen Tuba, kämpfen gegen Klischees – und bringen doch typische Bläser-Gags.
Das Trio „21meter60“ mit (von links) Fabian Neckerman, Steffen Schmid und Constantin Hartwig. Alle spielen Tuba, kämpfen gegen Klischees – und bringen doch typische Bläser-Gags. © Foto: Ralf Snurawa
Kirchberg / Ralf Snurawa 16.05.2018
Das Trio „21meter60“ überzeugt und unterhält beim Kirchberger Schlosskonzert mit eigens für seine ungewöhnliche Besetzung arrangierter Musik.

Sie verstünden ihr Konzert als ein Entgegentreten gegen das Klischee von der Tuba als Instrument, das nur langweilige Bassgänge oder gar nur Taktbetonungen zu spielen habe, hob der das Konzert humorvoll moderierende Tubist Constantin Hartwig in seiner Begrüßung hervor.

Etliche Zuhörer folgten ihm und seinen beiden Mitmusikern im Trio „21meter60“ am Sonntagabend im Rittersaal des Kirchberger Schlosses auf dem Weg gegen das Klischee. Und der hätte nicht exponierter beginnen können als mit Astor Piazzollas „Libertango“, gewissermaßen auch als Befreiungsaktion für die Tuba. Aufgekratzter Tonfall und soghaftes Pulsieren bestimmten die Wiedergabe dieses Werks, das wie fast alle Beiträge des Abends von Mitgliedern des Trios arrangiert worden war.

Wunderbar gesanglich

Weiter ging es mit drei von 21 Sätzen aus Claudio Monteverdis „Canzonette a tre voci“, das man auf der Tuba wunderbar gesang­lich spielen kann – wenngleich das Ergebnis in hoher Lage ein wenig näselnd und gepresst klingt. Bisweilen wurden die Melodien auch durch schön ausgeführte Staccato-Gänge belebt.

In „Bach versus Bach“ stellten die drei Musiker eigene Arrangements von Stücken Johann Sebastian Bachs den „Bachy Things“ von Brian Lynn gegenüber. Nach entschiedenem Puls zum Orgeltriosatz folgten innige Gesang­lichkeit im Choral und Ausdrucksstärke in „Jesus bleibet meine Freude“ sowie espritvolles Federn im dritten Satz der „Bachy Things“.

Ragtime-Rhythmik brachte dann Claude Debussys „Le petit nègre“, Popsounds Steven Verhelsts 2011 angesichts von Fukushima entstandener „Song for Japan“, sanft tröstend gespielt vom Trio. Johann Pachelbels klar intonierter Kanon, angereichert mit einem Zitat von Beethovens „Freude, schöner Götterfunken“-Melodie führte dann zu einem der Solostücke des Abends.

Steffen Schmid lotete groovend zu Daniel Schnyders „Riffs“ die Möglichkeiten des aufgerauten Tons auf der Tuba aus und bot Klangeffekte bis hin zu schnellen Glissandi. Zuvor war schon Fabian Neckermann mit Erland von Kochs „Monolog Nr. 9“ zwischen erzählerischem und erregtem Tonfall zu hören. Constantin Hartwig nahm sich dann Paul McCartneys „Blackbird“ an: jazzig, mit Drive und mit Effekten wie dem Hineinsingen ins Instrument.

Das bestimmte zeitweise auch Nico Samitz‘ eigens für das Trio „21meter60“ geschriebene Komposition „YouTuba“, die auch Anklänge an das Didgeridoo mitbrachte. Daniel Schnyders „Romeo- und Julia-Variationen“, eine Bearbeitung des „Tanzes der Ritter“ aus Sergej Prokofjevs Ballett, boten den drei Musikern Möglichkeiten zum wuchtigen Betonen wie auch zum zart gesanglichen Gestalten.

Noch inniger war später Frederic Weatherlys „Danny Boy“ zu hören, kontrastiert von einem ­George-Gershwin-Medley: „I Got Rhythm“ mit schönen Lautstärke-Wendungen, ein tröstlich klingendes „Summertime“ und einige Töne aus der „Rhapsody in Blue“.

Worauf man im Konzert hätte verzichten können, waren die für Blechbläser so typischen Gags: Mozarts „Kleine Nachtmusik“ auf Nasenflöten als, so Hartwig, „Verschnaufpause vom Tubaspiel“ gehörte ebenso dazu wie die Sonnenbrille zu „Summertime“ oder das Aufstampfen zum „Böhmischen Traum“ in der zweiten Zugabe nach viel Beifall.

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