Der Verlierer der Gemeinderatswahl in Satteldorf steht schon fest: Es ist die Frauenquote. Während sich im alten Gemeinderat mit seinen 18 Sitzen immerhin vier Frauen engagieren, lassen sich für den neuen Gemeinderat überhaupt nur noch zwei Frauen aufstellen – und das bei insgesamt 27 Kandidaten. Annemarie Cranz und Susanne Kirsch haben sich nicht wieder aufstellen lassen. Brunhilde Klingler (seit 1994 im Gemeinderat) und Stephanie Rein-Häberlen (seit 2009 im Gremium) probieren es wieder.

Eine große Änderung steht auch schon fest: Matthias Strasser hört auf. Das Gemeinderats-­Urgestein sitzt seit Mai 1990 im Gremium – also seit fast 30 Jahren. Doch jetzt ist Schluss. „Man sollte wissen, wann es genug ist“, sagt Strasser, der der Gemeinde künftig auch nicht mehr als stellvertretender Bürgermeister zur Verfügung stehen wird. Dieses Amt bekleidet er seit 2004, also auch schon seit 15 Jahren.

Mit seiner besonnenen und freundlichen Art hat er den Satteldorfer Gemeinderat geprägt. „Ich bin dankbar für die zurückliegenden Jahre“, sagt er. „Aber jetzt sollten Jüngere ran.“ Dabei ist die Gemeinde gut aufgestellt, sie blüht und gedeiht. Dass sie ohne einen Euro Schulden dasteht, gibt der Verwaltung und dem Gemeinderat viele Entwicklungsmöglichkeiten.

Steinbruch soll nicht Thema werden

Doch der neue Rat steht auch vor Herausforderungen, meint Strasser: „Es gibt in der Gemeinde halt die zwei Blöcke.“ Sie bestünden aus denjenigen, die sich mit dem Bürgerentscheid gegen den geplanten Steinbruch in Bölgental ausgesprochen hatten, und denjenigen, die erst einmal abwarten wollten. Eine Aufteilung in Blöcke sei freilich sinnlos – auch mit Blick auf das Ergebnis des Bürgerentscheids. Danach muss die Gemeinde und mit ihr der zukünftige Gemeinderat alles tun, um den Steinbruch zu verhindern. Weil es nichts mehr zu diskutieren gibt, erklären alle drei Listen, den Steinbruch aus dem Wahlkampf heraushalten zu wollen.

Es sind dies zuerst einmal die Listen, die bereits bei der letzten Kommunalwahl angetreten sind: die FWG (Freie Wählergemeinschaft) mit elf Kandidaten und die AWV (Allgemeine Wählervereinigung), die zehn Kandidaten ins Rennen schickt.

Dass es überhaupt diese zwei Gruppierungen gibt, hat eher traditionelle Gründe, sagt Martin Ziegler, der die Kandidatennamen dieser beiden Listen geschickt hat. „Wir verteilen die Kandidaten meist recht willkürlich auf die Listen.“ Wichtig war vielmehr, Vertreter aus allen Ortsteilen zu finden. Ziegler: „Das war gar nicht so einfach.“

Wallhausen

In diesem Jahr hat sich in Satteldorf noch eine dritte Gruppierung zusammengefunden, deshalb haben die Satteldorfer diesmal viel Auswahl – nicht nur, weil es sogar deutlich mehr Kandidaten wie Plätze im Gemeinderat gibt, was an sich schon nicht selbstverständlich ist.

Warum sich die neue Liste – sie nennt sich „Aktive Bürger“ – gebildet hat, sagt Martin von Berg: „Wir wollen ein breites Bild der Gemeinde abbilden.“ Deshalb wollten die sechs Kandidaten, davon keiner aktuell im Gemeinderat, auch nicht unter das weite Dach der beiden anderen Listen schlüpfen.

Matthias Strasser befürwortet zusätzliche Listen und erinnert auch an die Frauenliste, die es vor einigen Jahren gab: „Möglichkeiten der Auswahl sind immer im Sinne der Demokratie.“

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