Michelbach Doppelte Niederlage

Am Horizont sind die drei Stützen der Windräder zu sehen: Blick von einer Wiese in der Nähe der Riedener Kläranlage in Richtung Westheimer Kirche.
Am Horizont sind die drei Stützen der Windräder zu sehen: Blick von einer Wiese in der Nähe der Riedener Kläranlage in Richtung Westheimer Kirche. © Foto: Guido Seyerle
Michelbach / SIGRID BAUER 05.08.2015
Herbe Rückschläge muss Michelbach im Kampf um eine Reduzierung der Windkraftflächen hinnehmen, einmal vom Verwaltungsgericht Stuttgart und kürzlich von der Verwaltungsgemeinschaft.

Mit den Stimmen von Hall, Rosengarten und Michelfeld hat die Verwaltungsgemeinschaft, der auch Michelbach angehört, die erneute Auslegung des Flächennutzungsplans beschlossen. Michelbach hatte die darin enthaltenen Konzentrationsflächen für Windkraft verkleinern wollen, um mehr Abstand zum Ort zu erreichen. "Die Stellungnahmen des Regierungspräsidiums und des Regionalverbands hätten es hergegeben, Flächen herauszunehmen", stellte Bürgermeister Werner Dörr in der letzten Gemeinderatssitzung fest. Nicht genügender Artenschutz und Einschränkung der Erholungsfunktion und der Forstwirtschaft lauteten die Argumente. Gemeinderat Schickner betonte, dass aus seiner Sicht juristisch geklärt werden müsste, ob die Verwaltungsgemeinschaft überhaupt befugt war, gegen alle Einwände Michelbachs zu beschließen. Dörr stellte klar, dass die Gemeinde derzeit keine Möglichkeit habe, gegen den Beschluss vorzugehen. Das sei erst möglich, wenn der Flächennutzungsplan rechtsgültig ist. "Das dauere aber noch vier bis sechs Monate", so Dörr.

Vom Verwaltungsgericht in Stuttgart hat die Gemeinde eine Abfuhr erteilt bekommen. Der Einspruch gegen die immissionsschutzrechtliche Genehmigung zum Bau der Windräder ist zurückgewiesen worden. Es liegt aber noch keine Begründung dafür vor. Die Gemeinde will sie erst abwarten und sich mit ihrem Anwalt über eventuelle weitere juristische Schritte besprechen. Am Freitag, 7. August, wird dann der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entscheiden.

In der Bürgerfragestunde hatte sich die frühere Grünen-Kreisrätin und Michelbacherin Beate Braun, die bei der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft im Publikum war, über den Umgang des Haller Oberbürgermeisters Hermann-Josef Pelgrim und der Bürgermeister aus Michelfeld, Wolfgang Binnig, und Rosengarten, Jürgen König, gegenüber Dörr und Michelbachs weiteren Vertreter Wolfgang Schickner erbost. "Dass sich Pelgrim erdreistet, er habe jetzt genug von den Sonderwünschen Michelbachs . . ." So einen Stil habe sie in zehn Jahren Kreistag nicht erlebt, sagte sie.

Stadtwerke: "Nicht mehr Schotter für Zufahrt verbraucht"

Zufahrt Der Redaktion wurde zugetragen, dass angeblich beim Bau der Zubringerstraßen erheblich mehr Schotter gebraucht wurde als vorgesehen und deshalb der Kostenrahmen überschritten wurde. "Es wurde nicht mehr Material verbraucht als vorgesehen", stellt Steffen Hofmann von den Haller Stadtwerken auf Anfrage klar.

Standort Aber an den Standorten der Windräder wurde mehr Schotter verbraucht. "Zum Teil musste dort sehr viel Erde ausgehoben werden, bis wir auf festen Boden kamen. Das war aber nicht planbar", sagt Hofmann.

Erschließung Alle sieben Standorte werden über die Kohlenstraße erschlossen. Fünf Anlagen liegen direkt an der Kohlenstraße, für zwei wurden Stichstraßen von je etwa 500 Meter Länge gebaut. Damit Gegenverkehr vermieden wird, verlassen die Baufahrzeuge die Kohlenstraße auf der Höhe von Herlebach und münden in die Einkornstraße ein. "Durch Michelbach fährt kein einziger Lkw", betont Hofmann. "Von den sieben Hektar Fläche, die wir für den Bau der Anlagen befestigt haben, werden zwei Hektar wieder aufgeforstet. Außerdem wollen wir in Absprache mit dem Rotorenhersteller Vestas weitere Schotterflächen teilweise entsiegeln, sobald die Anlagen stehen".

SIBA

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel