Jagdhörner ertönen vor der Halle. Infomaterial des Landesjagdverbandes liegt aus. Warum etwas verändern, das sich bewährt hat, steht auf Schildern. Gäste strömen in Massen hinein und füllen die Halle. Darunter sind viele Mitglieder der Jägervereinigungen Schwäbisch Hall, Crailsheim und Hohenlohekreis, die kurzfristig eingeladen haben.

Auf dem Podium sitzen Grünen-Kreisrat Hans-Joachim Feuchter, Landespolitiker, Vertreter von Waldbesitzern, vom Bauernverband, von Jagdgenossenschaften und vom Landesjagdverband sowie Moderator Marcus Haas, Chefredakteur des Haller Tagblatts. Besonders kurz war die Vorlaufzeit für Haas und Feuchter. Der Grüne hatte nur zweieinhalb Tage Zeit, um sich in die Materie einzuarbeiten und wird mit viel Kritik konfrontiert. "Sie hätten an dieser Stelle einen ausgewiesenen Fachmann verdient", kritisiert er in Richtung Veranstalter - MdL Reinhold Pix und Ministerialdirektor Wolfgang Reimer seien innerhalb einer Woche nicht verfügbar gewesen.

Moderator Haas macht deutlich, dass das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz vor dem eigentlichen Gesetzgebungsverfahren zu einem Beteiligungsverfahren eingeladen hat: "Dabei gab es zwei Arbeitsgruppen. Deren Ergebnisse hat ein Koordinierungskreis zusammengetragen. Daraus entsteht ein Referentenentwurf, aus dem Mitte 2014 ein Gesetz werden soll." SPD-Landtagsabgeordneter Nikolaos Sakellariou findet es richtig, "die Jäger zu beteiligen, bevor der Referentenentwurf auf dem Tisch liegt." Kraft Erbprinz zu Hohenlohe ist als Sprecher des Waldbesitzerverbands Baden-Württemberg als einziger in der Runde auf dem Podium direkt ins Beteiligungsverfahren eingebunden. Zu verschiedenen Positionen seien Konsensmeinungen gefunden worden. "Ausgeblendet und nicht besprochen wurden aber Themen wie Wildfütterung, Baujagd und Mindestjagdpacht," sagt er.

Haas bringt diese und weitere Themen wie Hundeeinsatz, Bürokratieabbau, Wildschadensersatz und die Wildartenliste in die Diskussion. Die Liste der dem Jagdrecht unterstehenden Tierarten solle mit dem neuen Landesjagdgesetz gekürzt werden. "Hintergrund sind die gefährdeten Tierarten. Es geht darum, den Schutz zu managen und bei stark vertretenen Arten den Bestand zu steuern", erklärt Feuchter. Hier sieht Jochen Sokolowski vom Landesjagdverband "einen Eingriff ins Eigentumsrecht, ja sogar Enteignung". Man müsse die Liste den veränderten Gegebenheiten anpassen, wirft Rüeck ein: "Der Biber ist eine Landplage, hier muss der Mensch eingreifen." Bullinger findet beim Krähenproblem einen Grund zum Handeln. Auch Helmut Merz vom Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer sieht in der Kürzung der Wildtierliste das Eigentumsrecht beschnitten: "Wer eine Jagd gepachtet hat, dem sollte das Wild darin zur freien Verfügung stehen." Ein weiteres Streitthema ist das Hundetraining an der lebenden Ente und in unterirdischen Schliefenanlagen, in denen der Hund zur Fuchsjagd abgerichtet wird. Beides wird von Jägern weiterhin gefordert, vom Tierschutz aber scharf kritisiert. Ähnlich die Wildfütterung im Winter, die Überpopulationen auf natürliche Weise eindämmen soll, wenn es nach den Grünen geht. Die Kirrung, das Anlocken, um besser schießen zu können, soll aber bleiben. "Ich denke, man sollte kein totales Fütterungsverbot verhängen", so Feuchter.

Helmut W. Rüeck sagt, dass sich Rehe als Wiederkäuer nicht auf die Winterzeit einstellen könnten und verhungerten, wenn sie nicht durchgehend mit Futter versorgt werden. Das bestätigt Prinz zu Hohenlohe mit wildbiologischen Erkenntnissen: "Kirrung ohne Winterfütterung geht nicht. Wiederkäuer dürfen nach dem 1. Januar kein Futter bekommen, wenn nicht regelmäßig weiter gefüttert wird."

Heftige Kritik hagelt es auch an den Plänen der Landesregierung, Wildtierbeauftragte auf Kreisebene einzusetzen und dafür auf die Kreisjagdämter zu verzichten sowie die bisher neunjährigen Pachtverträge zu verkürzen. "Das ist Pfusch. Wie soll man die zusätzlichen Stellen finanzieren", schimpft Klaus Mugele vom Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems. Er fährt dem Moderator in die Parade, als der beim Stichwort Wildschadensersatz Mais-Monokulturen für die Biogasanlagen problematisiert. Tatsache sei, dass der Maisanbau über die Jahre nicht zugenommen habe.

"Was ist schlecht am bisherigen Landesjagdgesetz?", fragt Klaus Frankenhauser, als die Diskussionsrunde fürs Publikum geöffnet wird. Feuchter führt Lücken beim Natur- und Tierschutz an: "Das Umdenken hat zur Grundgesetzänderung geführt, darüber macht man sich auch in der Landwirtschaft Gedanken." Bullinger sieht keinen Bedarf für eine Veränderung, Rüeck ebenfalls nicht, weil er an der letzten Novellierung 2005 selbst mitgewirkt hat. Von Eyb will überprüfen, ob das Gesetz noch zeitgemäß ist. Mugele hält es für "kropfunnötig". Merz und Sokolowski wollen "das Rad nicht neu erfinden."