„Equilibrium“ oder „Feuerschwanz“ - so heißen nur zwei der Bands, deren Musik am Freitagvormittag im Dinkelsbühler Hallenbad ertönen. Ungewöhnlich? Nicht, wenn das Metal-Festival Summer Breeze gerade im Dinkelsbühler Stadtteil Sinbronn stattfindet. Schon seit den ersten Jahren der Großveranstaltung bietet das Hallenbad den Festivalbesuchern jeweils freitags eine „Metal-Fitness“-Session an - Wassergymnastik mit Metal-Musik. Und Jahr für Jahr platzt das Bad zu dieser Zeit fast aus allen Nähten - viele wollen mitmachen. „Ab 150 bis 160 Besuchern darf keiner mehr rein“, verrät Bäderbetriebsleiter Heiko Hercher. Diese Zahl ist stets schnell erreicht, gehören doch Freitag und Samstag im Bad ohnehin zu den Hauptbetriebszeiten während des Summer Breeze.

Doch auch wenn der Ticketautomat bei erreichtem Besucherlimit die Arbeit verweigert und sich eine lange Menschenschlange vor dem Hallenbad bildet - die Metal-Fans bleiben stets friedlich und warten geduldig auf ihre Chance. „Wir hatten eigentlich nie negative Erfahrungen mit den Festivalbesuchern“, so Hercher. Nichtsdestotrotz passen die Aufsichtskräfte natürlich stets auf - zum Beispiel auch darauf, dass die Besucher im Becken nicht zu betrunken sind. Schließlich gibt es zur „Metal-Fitness“ ausnahmsweise nicht nur Alkoholfreies, sondern auch Dosenbier.

Summer Breeze 2019: Metal-Fitness im Hallenbad

Festival Summer Breeze 2019: Metal-Fitness im Hallenbad

Metal verbindet - auch im Schwimmbecken

Im Schwimmbecken zeigt sich aber: Das Klischee der „bedrohlichen“ Metal-Gemeinde ist eben nur das - ein Klischee. Als es gegen 11 Uhr losgeht und Christopher Williams - 23 Jahre alt und seit rund anderthalb Jahren im Hallenbad dabei - die harte Mucke einschaltet, ist nur eines angesagt: Spaß. Der Fachangestellte für Bäderbetriebe und Metal-Fan gibt den Teilnehmern vom Beckenrand aus verschiedene Bewegungen vor. Abgesehen von typischen gymnastischen Übungen sind auch mehrere Aktionen dabei, die Metal-Fans gut kennen: Headbangen, Luft-Gitarre und springen sind nur manche davon.

Dass Metal verbindet, zeigt sich auch im Dinkelsbühler Hallenbad. Wenn die Teilnehmer mit ihrem „Strudel“ einen Mosh-Pit im Schwimmbecken anzetteln, freundlich miteinander rangeln oder einen der ihren auf ihren Händen „crowdsurfen“ lassen, ist es egal, ob sich die Menschen fremd sind oder nicht. Sie gehen wie gute Freunde miteinander auf Tuchfühlung und huldigen gemeinsam dem Metal-Lifestyle. Auch Christopher Williams, der die Metal-Playlist für die Sitzung erstellt hat, kann sich der Versuchung nicht lange verwehren - nach einer Weile geht er ebenfalls ins Wasser, feiert mit den anderen und serviert der Menge zum Abschluss noch zwei Sprünge vom Drei-Meter-Brett. Beim Summer Breeze selbst ist der 23-Jährige dieses Mal aber nicht dabei - umso enthusiastischer frönt er in dieser Stunde seiner Metal-Leidenschaft.

Summer Breeze 2019: Metal-Fans feiern bei Regen und bei Sonne

Festival Summer Breeze 2019: Metal-Fans feiern bei Regen und bei Sonne

Metal-Fans sind eine wirtschaftlich interessante Zielgruppe

Wer dieses Jahr allerdings auf dem Festivalgelände zugegen ist, ist Bäderbetriebsleiter Heiko Hercher. „Ich mag eher älteren Metal, in Richtung Rammstein“, so Hercher. Das Summer Breeze bietet allerdings eine große Auswahl an Bands und Metal-Sorten - am Freitag will er unter anderem die Bands „Queensrÿche“ und „Beast in Black“ sehen.

Ob er sich in Zeiten von Metal-Kreuzfahrten oder anderen auf Metal-Fans zugeschnittenen Angeboten vorstellen könnte, die „Metal-Fitness“ im Bad auch außerhalb des Summer Breeze anzubieten? „Das ist eine Idee, über die man nachdenken könnte“, schmunzelt Hercher.

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