Brauchtum Dieter Bartel gibt das Startsignal

Beimbach / Hartmut Volk 28.08.2017
Freunde des Landlebens, wie es früher einmal war, sind am Wochenende beim Bartholomämarkt voll auf ihre Kosten gekommen.

Der lang gehegte Traum von Ortsvorsteher Karl Schüler ging am Samstag endlich in Erfüllung: Mit 506 Oldtimer-Schleppern auf der Festwiese war die angestrebte Rekordzahl erreicht, und insgesamt 552 historische Nutzfahrzeuge füllten in Reih und Glied das weitläufige Festgelände.

Die Rathaus-Mitarbeiterinnen Beate Meinikheim, Marga Steiger, Rita Hüftlein und Jessica Ross hatten bis 14 Uhr alle Hände voll zu tun, die Urkunden für die Schnauferlfahrer auszufüllen, die Karl Schüler mit seinem Team anschließend auf der Festzeltbühne den Fahrern überreichte. Dazu gab’s wie jedes Jahr für jeden Fahrer einen Essens- und Getränke-Bon und eine Flasche Rotwein obendrein.

„Sensationell – das kriegst du nur in Beimbach geboten“, schwärmten Gerd und Rolf Kastler aus Blaufelden, die es sich mit Freunden an der Biertischgarnitur zwischen ihren Oldtimer-Bulldogs gemütlich gemacht hatten. Auf anderen Schleppertreffen müsse man oft Standgeld bezahlen – und „hier kriegst du noch was“. Die muntere Truppe schätzt besonders das außergewöhnliche Engagement des Ortsvorstehers, der alle Teilnehmer persönlich einlädt, jeden kennt und mit seinem Team zusammen dafür sorgt, dass alle sich auf dem „Bartlmä“ wohl fühlen.

David und Hermann Nörr aus Rothenburg waren gleich mit fünf prächtigen Exemplaren ihrer gut 20 Schlepper umfassenden Sammlung von Massey-Ferguson-Oldtimern vertreten. „Das sind wir dem Karl schuldig“, sagt Vater Hermann Nörr. Beimbach sei „einfach Kult“, ergänzt Sohn David, der in seiner Freizeit den nur in wenigen Exemplaren gebauten Benziner-Traktor MF 35 aus dem Jahr 1959 samt dem original MF-Hitch-Anhänger aufwendig restauriert hat.

Vor 20 Jahren, als das fast 600-jährige Beimbacher Traditionsfest nur noch verhalten vor sich hin dümpelte, hätte keiner zu glauben gewagt, dass der „Bartlmä“ noch einmal eine solche Rennaissance erleben sollte wie in den letzten Jahren, seit Karl Schüler unermüdlich zum Beimbacher Oldtimer-Schlepper-Treffen einlädt.

Der zweite Anziehungspunkt für die Besuchermassen, die von vielen freiwilligen Helfern der Vereine aus Beimbach, Lenkerstetten und Heroldhausen bestens verköstigt und mit Getränken versorgt wurden, sind neben den Oldtimer-Bulldogs die Vorführungen aus dem bäuerlichen Leben von früher. Dem Team um Thomas Schmidt und Henry Tuchenhagen fällt dazu jedes Jahr wieder etwas Neues ein. Nachdem in den letzten Jahren das Dreschen, Heumachen, Pflügen, Mosten und die Kartoffelernte wie zu Großvaters Zeiten demonstriert wurden, hatten sich die Bartlmä-Macher für heuer etwas ganz Besonderes ausgedacht: Am Samstagvormittag stellten sie in bühnenreifen Szenen den Kirchberger „Saimarkt“ nach, wie er früher war. Was die Zuschauer­scharen geboten bekamen, die sich bei der Hitze unter den zu ehemaligen Kirchberger Gaststätten umdeklarierten Pavillons drängten, hatte einen gleichermaßen hohen Informations- wie Unterhaltungswert.

Während Moderator Henry Tuchenhagen aus seinen Kindheitserinnerungen vom Kirchberger „Saimarkt“ plauderte, warteten hinter der Seilabsperrung schon ungeduldig fünf Händler auf den Markt-Anpfiff durch den früheren Kirchberger Bürgermeister Dieter Bartel. Nachdem der pensionierte Amtstierarzt Dr. Hartmut Ströbel aus Langenburg die Ferkel in den Holzkisten und „Sai-Kreewe“ in Augenschein genommen hatte, die Kerstin Gronbach von der „kleinen Schweineschule“ zur Verfügung gestellt hatte, war der Markt eröffnet und eine kurzweilige, mit derben Sprüchen gespickte Feilscherei nahm ihren Lauf.

Dass viele Akteure den 1998 eingestellten Schweinemarkt noch miterlebt hatten, machte die spontan aus dem Stegreif gespielten Szenen so authentisch, und rief bei den Besuchern manche Erinnerung wach. Der 90-jährige Rudolf Kurr aus Rot am See weiß zum Beispiel noch wie heute, wie seine rechte Hand vom unaufhörlichen Einschlagen der Händler geglüht hat.