Die Welt der Musik, auf Russisch erklärt

Konzert im Philosophenkeller (von links): Olga Kleshchenko, Alexey Dedyurin, Ewgenij Tarasenko und Alexey Kleshchenko. Foto: Ralf Snurawa
Konzert im Philosophenkeller (von links): Olga Kleshchenko, Alexey Dedyurin, Ewgenij Tarasenko und Alexey Kleshchenko. Foto: Ralf Snurawa
RALF SNURAWA 10.04.2012

Mit Balalaika, Domra und Bajan verbindet man meist nur russische Folklore. Auch das Ensemble "Exprompt" war im Philosophenkeller zum Auftakt des Ostermontagsmarkts durchaus in dieser musikalischen Richtung zu Hause - aber erst im zweiten Teil des Konzerts.

Da wurde "Das Mädchen Nadja" mit treibendem Puls wiedergegeben. Oder das Quartett spürte der "russischen Seele" nach, wie Balalaika-Spieler Alexey Kleshchenko in seiner Moderation anmerkte, mit dem aus Moskau stammenden und bei Handwerkern und Arbeitern in St. Petersburg um 1900 sehr beliebten Lied "Der blaue Ballon". Bajan-Spieler Alexey Dedyurin umgarnte das Melodieschwelgen mit feinen virtuosen Knopfläufen.

Aber es konnte auch anders klingen, etwa, wenn Django Reinhardts mit kurzen Chorussen versehener "Minor Swing" mit einem Lied der Roma aus Russland konfrontiert wurde, das Olga Kleshchenko auf der Domra höchst virtuos zum Klingen brachte. Und so traf auch Pietro Frosinis "wunderbares Akkordeon" auf eine karelische Polka mit wunderbarer Doppelmelodik oder Astor Piazzollas klanglich geschärft gespieltes "Escualo" auf eine russische Zirkusarena-Komposition.

Diesem unterhaltsamen Teil war ein klassischer vorausgegangen. Zum Eröffnungsstück des Konzerts, einer Tarantella von Walerij Gawrilin, konnten die vier Musiker bereits ihr fein abgestimmtes Zusammenspiel unter Beweis stellen. Diesen Tanz konfrontierten sie mit drei Sätzen aus Alfred Schnittkes an Barockmusik orientierter "Suite im alten Stil". Entschieden im Ton, aber gewitzt erklang das "Ballett". Ein wenig melancholisch und zart im Ausdruck ließ sich danach das Menuett hören.

Wiederum drei Sätze, diesmal aus einer Suite von Albin Repnikow, folgten und brachten einen ähnlichen Ablauf: ein tatsächlich auch so gespielter "feuriger Tanz" mit scharfen Akzentsetzungen, ein bis auf die Tschastuschka im Mittelteil in der Schwebe befindlicher Dialog und ein Scherzo mit hervorragenden Unisono-Passagen in Balalaika und Domra.

Auszüge aus Piazzollas "The Rough Dancer and the Cyclical Night" waren der erste Höhepunkt des Konzerts. Denn kaum jemand hätte sich zuvor vorstellen können, dass argentinischer Tango auf russischen Folkloreinstrumenten so originär klingen könnte. Aufgeheizt-erregte Stimmung wurde mit der "Milonga Picaresque" ausgebreitet.

Unglaublich empfunden und ausdrucksstark folgte die "Milonga for Three". Den "Bailongo", zu dem Ewgenij Tarasenko seine Kontrabass-Balalaika als Perkussionsinstrument nutzte, bestimmte ein aggressives Spiel, das in die sehnsuchtsvolle Melodie von "Leonoras Love Theme" mündete.