Veinau Die stolzen Bauern von Veinau

TOBIAS WÜRTH 25.07.2013
Es gibt derzeit nur 124 Veinauer - die haben aber viele Freunde. Denn 250 Besucher kommen, um am Sonntagvormittag in der Festscheune des Gasthofs Rössle das 725-Jahr- Jubiläum zu feiern.

Daniel Stihler überbrachte den Veinauern Kunde von ihrer Vergangenheit. Bei manchen Fakten runzelten einige Bürger die Stirn. So waren die Bewohner über Jahrhunderte Leibeigene. "Aber die Veinauer haben sich energisch zur Wehr gesetzt, wenn der Haller Rat ihnen neue Lasten auflegte", erläuterte der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs. Ein Veinauer im Publikum hob nach diesem Satz den Daumen nach oben. Gastwirt Ernst Kunz senior lächelte ihm zustimmend zu.

Ältester Veinauer höft sich Geschichte des Ortes an

Zwar standen die Veinauer unter fremder Herrschaft, ihren Eigensinn und ihren Stolz haben sie bis heute nicht verloren. Der Männerchor aus Tüngental sang aus voller Brust das Lied "Mein Dorf", Hobby-Geschichtsbegeisterter und Landmaschinensammler Ernst Kunz vom Rössle freute sich, dass so viele kamen. "Ich hatte die Idee für die Feier und auch ein kleines Archiv über den Ort angelegt", verriet der 66-Jährige. Unter den Gästen in der Festscheune war auch der älteste Veinauer: Fritz Schöller mit seinen 92 Jahren. Sein Vater war einst verbeamteter Straßenwart im Ort. Es galt den Handelsweg von Freiburg bis Prag in Schuss zu halten. Heute hat diese Aufgabe - wenn man so will - die Autobahnmeisterei übernommen.

Im Vortrag und in einer 15-seitigen Schrift hatte Stihler die Geschichte zusammengefasst. Der Archivar räumte mit Mythen auf, die über den Ort kursieren. Grund für die Feier war eine Urkunde, die auf den 6. Januar 1288 datiert ist. Dort traf "Gertrud von Vinowe", Witwe des Heinrich von Michelfeld, testamentarische Verfügungen über Besitzungen bei Zottishofen und Ilshofen. Warum sich aber das "Niederadelsgeschlecht" nach Veinau benannt hat, sei nicht nachvollziehbar, sagte Stihler. Es gebe keine Belege für Besitzungen im Ort und auch die Existenz einer Burg ist nicht nachgewiesen. Selbst ein häufig von Heimatforschern angenommene Verbindung von Veinaus mit den Ruinen von Bielriet seien nicht beweisbar, erläuterte Stihler.

Für die weitere Entwicklung des "typischen Straßendorfs" im Mittelalter und Neuzeit hatte Stihler aber belegbare Fakten und skurrile Geschichten im Gepäck: "Das Leben eines Vagabunden führte der aus Veinau stammende Dieb und Straßenräuber Andreas Hofmann, der 1739 in Lendsiedel enthauptet wurde. Zu den ihm angekreideten Verbrechen gehörte der Diebstahl einer Ziege und eines Bocks beim Pfarrer auf der Stöckenburg."

Falsche Fährte: Burg Bielriet