Kirchengeschichte Gründelhardter Kirche ist auch eine Familiengeschichte

Gründelhardt / Ute Schäfer 14.11.2017
„Nacht der Kirche“ heißt die Veranstaltung der Gruppe „Generation 50 +/-“ in Gründelhardt. Und Thema ist der Kirchenbau im 18. Jahrhundert selbst.

Dass nicht nur das Gebäude der Laurentiuskirche etwas Besonderes ist, sondern auch deren Geschichte, war Thema eines Vortrags der promovierten Kunsthistorikerin Helga Steiger am Freitagabend in Gründelhardt

Die größte Besonderheit: Genau 101 Jahre lang hießen die Pfarrer in Gründelhardt Spengler. Viermal folgte Vater auf Sohn beziehungsweise Bruder. „Das ist schon ungewöhnlich“, sagte Helga Steiger, und wenn jetzt den Oberaspacher Lesern der Name „Spengler“ bekannt vorkommt, haben sie recht: Der letzte Spengler war nach seiner Gründelhardter Zeit Pfarrer bei ihnen.

Dass so viele Spenglers Theologen geworden sind, mag auch daran gelegen haben, dass für ihre Ausbildung gesorgt war, erklärte Helga Steiger: Der Onkel des ersten Spenglers war Dekan in Crailsheim. Er hinterließ eine Stiftung, die seinen Familienmitgliedern eine theologische Ausbildung ermöglichen sollte.

Wie auch immer: Es gab in Gründelhardt jedenfalls gleich vier Spenglers hintereinander, und während dieser genau 101 Spengler-Jahre veränderte das Dorf sein Gesicht: Es entstanden in dieser Zeit die heutige Kirche, das Pfarrhaus und das Schulhaus – das Schulhaus steht freilich nach einem Granatentreffer im Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Die Spenglers sind bis heute in beziehungsweise an der Gründelhardter Kirche präsent: Die beiden Epitaphe neben dem Eingangsportal, die der Straßenseite der Kirche ihr Gesicht geben, sind den beiden ersten Spenglers gewidmet, erklärte Kunsthistorikerin Steiger bei ihrem ersten Vortrag im Wohnort Gründelhardt.

Sie hatte sich intensiv mit dem Kirchenbau und der Kirchengeschichte auseinandergesetzt, hatte Literatur und Archive durchforstet – was im Fall von Gründelhardt komplizierter ist als in anderen Orten. Dies hat mit einer weiteren Besonderheit zu tun, die die Ortschaft auch mit Oberaspach teilt: Ein Teil des Orts gehörte nach Schwäbisch Hall, ein anderer nach Ansbach, was immer wieder zu Reibungen und aufgeregtem Briefwechsel führte – Helga Steiger könnte hier noch viel erzählen, sagte sie.

Doch sie erzählte lieber vom Gründelhardter Kirchenbau. Der ist allerdings vergleichsweise jung. Denn die Kirche entstand erst von 1719 bis 1724 auf den Mauern einer älteren, kleineren Kirche. Baumeister war Carl Friedrich von Zocha (1683–1749), der eben von seiner Kavalierstour aus Frankreich zurückkam und Versailles kannte. Was die Architektur anbelangte, stand er also an der Spitze der Zeit. Mit seinen frühen Werken – Gründelhardt ist eines davon – legte er den Grundstein für den sogenannten Ansbacher Markgrafenstil. Er war auch der Erfinder der Markgräfler Kanzelwand, die erstmals allerdings ein paar Jahre nach dem Gründelhardter Bau auftauchte, und zwar 1722 in der Kirche in Wald (Gunzenhausen).

Typisch für Zochas Baustil sind die Sandsteingliederungen und die großen Voluten an der Seite zum Pfarrhaus hin. Die kommen den Crailsheimern wahrscheinlich bekannt vor – sie sind ganz ähnlich am Rathausturm zu sehen. Nicht ohne Grund: Denn für den Crailsheimer Turm zeichnete ebenfalls Baumeister Zocha verantwortlich.

Die Jahrestafel in der Laurentiuskirche

1285: erste Nennung eines Pfarrers in Gründelhardt
1512: älteste noch existierende Glocke
1556: erster evangelischer Pfarrer Adrian Nerlin
1710: Amtsantritt erster Spengler-­Pfarrer: Johann Georg Friedrich Spengler (1685–1752)
15. Mai 1719: Grundsteinlegung für die neue Kirche
1753: Ludwig Friedrich Spengler (1726–1759).
1759: Lorenz Friedrich Spengler (1731–1805).
1805: Johann Georg Friedrich Heinrich Spengler (1769–1842), Pfarrer bis 1811, danach Kaplan in Crailsheim und ab 1829 Pfarrer in Oberaspach.