Tempelhof / URS "Ich komme aus der Stadt", sagt Martina Jacobson, und: "Ich habe keine Wurzeln in der Landwirtschaft."

Umso mehr beobachtet die Projektmanagerin, die im Vorstand der Gemeinschaft Schloss Tempelhof sitzt, dass viele Helfer, die sich bei ihnen von überall her bewerben und die sie längst nicht alle nehmen können, in der Landwirtschaft arbeiten wollen. "Manche suchen das über die Ernährung, oft geht es tiefer. Sie wollen mit dem Boden in Berührung kommen", so Jacobson.

Edeka-Geschäftsführer Gerhard Daiber kann sich vorstellen, woher das kommt. Er macht in seinen Niederlassungen folgende Erfahrung: "Die Menschen haben nichts mehr mit der Lebensmittelproduktion zu tun. Sie kennen die Arbeitsschritte nicht mehr." Heike Kalchthaler hat in den 22 Jahren, in denen sie wöchentlich auf dem Markt stand, festgestellt, dass die Kinder keinen Bezug zum Essen mehr hätten. Sie bemängelt fehlende Kochkurse an vielen Schulen, wobei die Waldorfschulen rühmliche Ausnahmen seien. Kreßbergs Bürgermeister Robert Fischer meint, das Problem seien eher die Eltern als die Kinder, was viele in der Runde bestätigen. Und deshalb gibt es an der Schule am Kreßberg, Fischer zählt auf: Umwelt-AG, Schulgarten und Schulobstgarten mit Imker.

"Die Kinder sind nicht das Problem", sagt auch Helmut Bleher. Der Geschäftsführer des Bauernverbandes Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems erläutert, dass der Verband in den vergangenen vier Jahren 80 Betriebe im Rahmen des landesweiten Netzwerkes Lernort Bauernhof zertifiziert habe. "Die Nachfrage boomt" betont Bleher. "Aber der Fonds reicht nicht." Thomas Urban macht eine freie Demeter-Ausbildung als Landwirt auf dem Tempelhof. Auch er findet die landwirtschaftliche Bildung von Kindern wichtig: "Es muss nach dem Pusteblumenprinzip gehen." Staatsrätin Gisela Erler ist optimistisch. "Die Kinder werden immer gebildeter", findet sie. "Es gibt viele Chancen, schließlich handelt es sich um einen säkularen Trend."