Tradition Die Hydrophor hat nichts verlernt

Rot am See / Birgit Trinkle 15.09.2018
Zum Fest des Bebenburger Vereins am Rohrturm inszeniert die Feuerwehr ein historisches Löschmanöver

Feuer“: Die Meldung kommt nicht über ein digitales Signal, sie wird vom Büttel  mit der Schelle ausgeläutet. Die Feuerwehrler, die von der Nachricht beim Binokeln überrascht werden, tragen Hosenträger und sehen aus wie von vorgestern. Das sind sie in diesem Moment ja auch.

Nach fast 140 Jahren ist die in mühsamer Kleinarbeit restaurierte Landspritze „Hydrophor“, in die Rot am See einst richtig viel Geld investiert hat, noch immer in der Lage, einen Brand zu löschen. Das zeigte die historische Abteilung der Wehr unter der Leitung von Achim Herrmann zum Tag des offenen Denkmals am ehemaligen Rohrturm, wo der Verein Bebenburger das Marktzoll-Fest feierte (das HT hat berichtet). Zehn Männer und zwei Frauen der Feuerwehr Rot am See – Letztere erklärten, ihre Männer seien auf dem Viehmarkt versumpft und irgendjemand müsse ja löschen – schlüpften in Einsatzkleidung aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und nahmen das Uraltgerät in Betrieb. Die Saugpumpe wurde angeschlossen und mittels Muskelkraft an der Doppelpumpe der nötige Druck aufgebaut, um einen durch einen Zigarrenstumpen ausgelösten Brand zu löschen. Eine der wenigen Konzessionen an die Neuzeit: Die „Hydrophor“ wurde nicht von Pferden, sondern von einem alten Traktor gezogen. Dass Herrmann verkündete, die Damen seien in jedem Fall tauglicher als ihre Männer und könnten wiederkommen, dürfte ebenfalls dem Zeitgeist geschuldet sein.

Unterhaltsames Spektakel

Die Truppe hat das Spektakel  zur Unterhaltung der Gäste recht unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern aufgebaut. Nur einen Ausreißer gab’s. Als der Schlauch platzte und Löschwasser auf die Wiese plätscherte, statt den vermeintlich brennenden, in jedem Fall giftig rauchenden Abort zu löschen, vergaßen die „Schauspieler“, wo sie waren. Die lachenden und grinsenden Gesichter waren urplötzlich hochkonzentriert, jeder Handgriff saß und keine 15 Sekunden später war ein Ersatzschlauch angeschlossen und in Betrieb genommen. Wer sich eben noch gefragt hatte, wie mit an Druck und Reichweite so begrenztem Gerät auch nur daran gedacht werden konnte, große Gebäude oder gar lichterloh brennende Straßenzüge zu löschen, überlegte sich unversehens, dass sich einiges wohl nicht verändert hat: der unbedingte Wille der Wehr, ein Feuer anzugehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel