Fichtenau Die große Familie hält sie jung

Sind heute 50 Jahre verheiratet: Erika und Fritz Meiser
Sind heute 50 Jahre verheiratet: Erika und Fritz Meiser © Foto: privat
Fichtenau / Ralf E. Stegmayer 20.07.2018
Am Freitag sind Fritz (71) und Erika Meiser (70) aus Fichtenau-Neustädtlein 50 Jahre verheiratet.

Einfach“ machten es sich die Meisers ja nie. 50 gemeinsame Jahre, das ist eine lange Zeit, und doch ist sie wie im Flug vergangen. Aber der Reihe nach. 1967 lernten sich die beiden im kleinen Dorf Larrieden im idyllischen Wörnitzgrund kennen. Von dort kommt Erika. „Kennenlernen heißt in diesem Fall, dass wir dort beim Kirchweihtanz im Gasthaus Köhnlein den ersten Augenkontakt hatten“, sagt Fritz Meiser. Er spielte damals mit seinem „Meiser Trio“ (mit Bruder Karl Meiser und Otto Zell) zum Tanz auf. Kurze Zeit später – bei anderer, aber gleicher Gelegenheit – hat es dann gefunkt: in Weidelbach im Keitelsaal. Dann ging es „Schlag auf Schlag“, sagt Fritz Meiser: „Nachdem wir uns verliebt hatten, verlobten wir uns und am 20. Juli 1968 wurde geheiratet.“ Und kurz darauf kam auch der erste Sohn Thomas auf die Welt. „Das alles passierte innerhalb eines guten Jahres“, erinnert sich Erika Meiser.

Überhaupt denken beide gerne an die alten Zeiten zurück. Obwohl es von da an mit sehr viel Arbeit und ganz wenig Freizeit in Neustädtlein losging. Klein fingen sie an: Sie arbeiteten im Betrieb von Vater Fritz Meiser und Mutter Friederike, den sie 1974 übernahmen. Es gab eine kleine Landwirtschaft, einen Kolonialwarenladen und das Gasthaus „Zur Rose“ (seit 1880). „Hier hat mein Urgroßvater am 15. Oktober 1905 die erste Tanzveranstaltung organisiert“, so Meiser.

Harte Arbeit, wenig Freizeit

Jedenfalls mussten die beiden damals fest mit anpacken. „Unsere Kühe wurden mit der Hand gemolken“, schmunzelt Meiser. „Ich weiß auch noch, wie sie hießen: Rote, Heddel, Gelbe und Lotte. Ein Wohnzimmer hatten wir keines, unser Leben spielte sich viel in der kleinen Wirtschaft bei den Gästen ab.“ Im Laden gab es für die Einheimischen alles, was man zum Leben brauchte. „Nur Öffnungszeiten gab es nicht, es ging bis spät in die Nacht hinein, da ja ein Wirtshaus dabei war“, sagt Meiser.

Er selbst erlernte von 1962 bis 1965 in Crailsheim das Metzgerhandwerk, das er danach für Hausschlachtungen und Eigenbedarf ausübte. „Der Wochenlohn lag bei zehn Mark. Wenn ich Musik machte, verdiente ich an einem Abend so viel.“ Erika Meiser lernte in Dinkelsbühl Kauffrau.

1968 wurde an die „Rose“ der erste Saal angebaut, heute noch als „Rosensaal“ bekannt. „Mein Vater wollte an sich einen neuen Stall bauen, die Futterläden waren schon gemauert. Aber dann hat er doch auf mich gehört.“ Dass das die richtige Entscheidung war, hat sich in den Jahren danach oft bewiesen: Nach Neustädtlein kamen Top-Bands wie die Flippers, die Skippies, der Fernando Express, Ricky King und viele mehr. Und wer 1971 auch noch „kam“, war Armin Meiser, Erikas und Fritz‘ zweiter Sohn.

1980 begann für Fritz Meiser seine Ära als Gemeinderat in Fichtenau, dem er 24 Jahre lang angehörte. Im gleichen Jahr kam ein weiterer Meilenstein für die Gastronomenfamilie dazu: Mit einem großen Saalanbau entstand die schon legendäre „Tanzmetropole Neustädtlein“ – mit damals einzigartigen Wasserspielen, diversen Bars oder dem „Tiroler Keller“. Auch hier gaben und geben sich namhafte Künstler und Bands wie Wolfgang Petry, die Paldauer, das Nockalm Quintett, Andrea Berg, Vanessa Mai, Helene Fischer oder die Amigos die Klinke in die Hand. „Es gab auch mehrere Fernsehsendungen, die im Tanzlokal aufgezeichnet wurden, einmal sogar eine Doku über die Entstehung der Tanzmetropole“, weiß Meiser.

Akkordeon spielen für die Gäste

2003 dann die bis dato größte Investition der Firmengeschichte: Die Söhne Thomas und Armin Meiser – beide übrigens weithin bekannt für ihre Band, die „Musictramps“ - eröffneten das Vital-Hotel Meiser in Neustädtlein, das 2013 durch einen großen Anbau zum Vier-Sterne-Superior-Hotel mit großem Wellnessbereich wurde. Dort unterhält Fritz Meiser immer noch gerne die Gäste mit seinem Akkordeon.

Auch in Dinkelsbühl sind die Meisers aktiv. Vor zehn Jahren eröffneten sie dort „Meiser’s Café Restaurant Lounge“. Gekauft hatten Erika und Fritz die Immobilie bereits vor 30 Jahren, bevor sie sich entschlossen, die Gastronomie in Eigenregie zu betreiben. Die Konsequenz aus all diesen Aktivitäten: Mittlerweile ist das Familienunternehmen der größte Arbeitgeber der Gemeinde Fichtenau und auch der größte gastronomische Ausbildungsbetrieb weit und breit. Allein zwölf neue Azubis starten im September ihre Lehre bei Meisers.

Und das nächste Millionenprojekt läuft bereits. Mitte Mai war Spatenstich für ein weiteres Vier-Sterne-Hotel in Dinkelsbühl. 150 Zimmer und Suiten sowie elf Veranstaltungsräume stehen ab Mitte nächsten Jahres für Touristen, Geschäftsreisende oder Tagungsgäste parat.

Erika und Fritz Meiser freuen sich natürlich über ihre Erfolge, vor allem aber über ihre „große Familie“, wie Erika sagt: „Zwei wunderbare Söhne, unsere Schwiegertöchter Susan und Stefanie sowie fünf Enkelkinder – was will man mehr.“ Was die beiden ganz besonders freut: Zwei der Enkel steigen bald in der sechsten Generation ins Unternehmen ein. Und was ist das Erfolgsrezept der vitalen Jubilare? „Wir bleiben nicht stehen, arbeiten immer noch gerne mit, stehen unseren Kindern jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und lieben den Kontakt zu unseren Gästen“, sagt Fritz Meiser. Und seine Erika nickt zustimmend.

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