Die Gegenwart Gottes bewusst machen

Katholiken tragen an Fronleichnamen in einer Monstranz die geweihte Hostie durch die Straßen - ein Zeichen für die Gegenwart Gottes. Foto: Matthias Rietschel
Katholiken tragen an Fronleichnamen in einer Monstranz die geweihte Hostie durch die Straßen - ein Zeichen für die Gegenwart Gottes. Foto: Matthias Rietschel
SWP 18.06.2014
Gedanken zum Fronleichnamsfest von Pfarrer Karl Enderle, Schwäbisch Hall

Die Monstranz, mit der wir am Fronleichnamsfest die geweihte Hostie durch die Straßen tragen, ist ein "Zeigegerät". Wir können zeigen: Jesus, der Retter ist da. Das ist die "einfache" Antwort der katholischen Kirche auf die vielen Probleme in der Welt.

Zu einfach? Nun, was haben wir selbst denn schon in der Hand? Jesus, "dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde" (Mt 28,18), er hat alles in der Hand. Ihm können wir unsere persönliche Lebenssituation in die Hand geben. Ihm können wir unsere lieben Angehörigen und Freunde anempfehlen. Ihm können wir die ganze Welt anvertrauen.

Katholische Christen glauben, dass in der konsekrierten Hostie Christus in seiner vollen Leibhaftigkeit gegenwärtig ist. Eigentlich sollte auch das Evangeliar vorausgetragen werden als Zeichen der vollen Gegenwart Christi in seinem Wort. Damit würde auch dem evangelischen Anliegen Rechnung getragen. Wort und Sakrament zeigen die Präsenz Christi in unserer Welt an.

Oft geht es mir so, dass mir schnelle Antworten auf typische Fragen an mich als Pfarrer fehlen. Auf viele Probleme kann ich nicht so schnell eine Lösung anbieten. Aber ich kann auf die Gegenwart Gottes hinweisen, die uns durch Christus geschenkt ist. Auf dieses göttliche Gegenüber hinweisen zu können, finde ich trostvoll und hilfreich. Nichts weiß ich weiter zu antworten, als diese Gewissheit zu geben: Gott ist da. Auch die gefühlte Gottferne ist darin "aufgehoben". Das Fronleichnamsfest ist die Antwort der katholischen Kirche auf die Vermisstenanzeige auf Gott hin. Im Hochhalten und Durchtragen dieser Tradition wird uns die volle und ganze Gegenwart Gottes bewusst gemacht: Gott hört nicht ab, aber er erhört. Gott filmt uns nicht, sondern er schaut uns an. Und er schickt Menschen, die zuhören und Ansehen geben. Gott gibt in den Menschen sich selbst. Angefangen hat dies im Gottmenschen Jesus von Nazareth. In ihm hat sich Gott ein für alle Ma(h)l mit der Menschheit vermählt. Die Feier des letzten Abendmahles mit der anschließenden "Ausstellung" des Leibes Christi in der Monstranz erinnert wirksam an die leibhaftige Gegenwart Christi.

Und schließlich folgt der Leib Christi dem Leib Christi. Die mitfeiernden Christen bilden den Leib Christi und wir werden zu seiner Präsenz, wenn wir folgerichtig die Gestalt Christi in den Armen und Bedürftigen erkennen. Dazu gehört zum Beispiel die derzeit zunehmende Zahl der Kriegsflüchtlinge.

Eigentlich sollte unsere Prozession bis in die Mitte der Krisen- und Kriegsgebiete führen, um dort den leidenden Christus zu erkennen. "Liebt eure Feinde; tut Gutes denen, die euch hassen" (Lk 6,27). Diese liebevolle Gegenwart vermag die Welt zu verändern und zu wandeln in den Leib Christi.

Christus anzeigen in der Tat, das ist die Auswirkung des Fronleichnamsfestes. Die Kraft dazu schöpfen wir aus seiner Gegenwart in der Versammlung der Gemeinde vor Ort, im Hören auf das Wort Gottes und in der Feier der Eucharistie. Die Anzeiger der Gegenwart Christi und damit seiner Liebe als Lebensmitteilung Gottes sind alle Christen und Menschen guten Willens.