Crailsheim „Erlesenes“: die Erlebnisse junger Menschen

Gastgeberin Ursula Gmähle (links), Dr. Claudia Puk und ihr Hund Flöck.
Gastgeberin Ursula Gmähle (links), Dr. Claudia Puk und ihr Hund Flöck. © Foto: Ralf Snurawa
Crailsheim / Ralf Snurawa 18.05.2018
Zum inzwischen 18. „Erlesenes!“-Abend ist bei Ursula Gmähle die Kinderpsychiaterin Dr. Claudia Puk zu Gast.

Fritz Mühlenwegs „In geheimer Mission durch die Wüste Gobi“ hatte jene als ihr Lieblingsbuch in die Eugen-Grimminger-Schule mitgebracht. Fünfmal habe sie diese Geschichte schon gelesen, gestand Claudia Puk im Gespräch mit Ursula Gmähle. Die zeigte sich ebenfalls völlig begeistert von Mühlenwegs Reisegeschichte für Jung und Alt.

Einige der Vorlieben ihres Gasts ließen sich aus diesem Buch heraus erklären: die Lust am Lesen natürlich, was ihre private kleine Bibliothek beweise, aber auch am Reisen nach Taiwan, Thailand, Nepal und China, ihr Studium der chinesischen Sprache und Kultur und natürlich ihr Medizinstudium.

Aus Christian wird Kwi-Schan

Denn Mühlenweg, das erörterten beide Frauen im Gespräch, habe sich die chinesische wie die mongolische Sprache selbst beigebracht. Beide Sprachen spielten in seinem Roman eine wichtige Rolle. Das beginne schon bei den Namen der beiden jungen Hauptfiguren: der Chinese Großer-Tiger und sein Freund Christian. Dessen Namen kann Großer-Tiger nicht aussprechen, weshalb er ihn Kwi-Schan, übersetzt Kompass-Berg, nennt. Christian ist der Sohn eines im Peking der 1920er-Jahre lebenden deutschen Arztes.

Ursula Gmähle bezeichnete den Roman als ausgesprochen authentisch, habe der Autor doch alle Orte in der Mongolei selbst besucht. Dreimal erkundete er die Mongolei, 1927 bis 1928 im Auftrag der deutschen Lufthansa, und damals als Erster mit dem Automobil.

Die Neugier am Autor und dessen Leben, wozu nicht nur das Verfassen von Romanen, sondern auch das Malen und die Bekanntschaft mit Otto Dix gehörten, war bei Ursula Gmähle geweckt. Zusammen mit Claudia Puk werde sie dem Mühlenweg-Museum in Allensbach einen Besuch abstatten.

Vor Mühlenwegs Roman hatte Gmähle fünf weitere, ihrer Meinung nach lesenswerte Bücher vorgestellt: nicht so alt wie „In geheimer Mission durch die Wüste Gobi“, aber auch nicht alle neu veröffentlicht. Dazu zählten die ins Deutsche übersetzten Romane. So ist etwa Johan Bargums „Nachsommer“ schon 1993 erschienen.

Der finnische Autor, der in Finnland vor allem als Verfasser von Hörspielen und Theaterstücken bekannt ist, hatte das Werk in schwedischer Sprache verfasst. Es sei eine traurige Geschichte, so Ursula Gmähle, über die Brüder Carl und Olof. Letzterer fürchtet sich vor seinem überlegenen Bruder. Empfehlenswert sei dieses Buch mit seinen Erinnerungen an die Kindheit.

„Umwerfend“ hingegen fand die Buchhändlerin Matteo Righettos „Das Fell des Bären“. Die im Herbst in den Dolomiten spielende Geschichte zeigt den zwölfjährigen Domenico und seinen trinkenden Vater. Bei der Jagd auf einen Bären finden sie erst zusammen.

Ebenfalls im Original schon früher erschienen ist Ayelet Gundar-Goshens „Lügnerin“. Die 2017 veröffentlichte Übersetzung aus dem Hebräischen erzählt die Geschichte eines Mädchens, das durch eine Lüge auflebt. Ursula Gmähle gefielen besonders die zahlreichen Wendungen der Geschichte: „Es ist eine Verwandlung ohnegleichen.“

Kindliches Gemüt erhalten

Vielleicht habe sich in ihr ein kindliches Gemüt erhalten, meinte die „Erlesenes!“-Moderatorin, aber auch für Kirsten Boies „Ein Sommer in Sommerby“ konnte sie sich erwärmen. Die Geschichte über eine Großmutter und ihre drei Enkel in einem entlegenen Haus auf einer Insel, einem „wunderschönen Wolkenkuckucksheim“, habe sie gefesselt: vor allem, wie sie alle voneinander lernen.

Eröffnet hatte Ursula Gmähle den Abend mit Arno Geigers neu erschienenem Roman „Unter der Drachenwand“ über den 24-jährigen Österreicher Veit Kolbe, das Jahr 1944 am Mondsee und die dort lebenden Menschen. „Das Erlebnis meines Frühjahrs“, meinte Ursula Gmähle.

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