Frankenhardt/Gardasee Road-Trip: die Entdeckung der Langsamkeit

Frankenhardt/Gardasee / Johannes Ihle 05.09.2018
Volker Sperr und Hans-Gerd Wagner aus Oberspeltach tuckern mit Bulldog und selbstgebautem Anhänger an den Gardasee. Dabei sorgt ihr Gefährt für großes Aufsehen – auch die Polizei schaut genau hin.

Ein wenig verrückt klang die Idee von Volker Sperr und Hans-Gerd Wagner aus Oberspeltach schon: Zu ihrem 50. Geburtstag, den beide in diesem Jahr feiern, schenkten sie sich eine Reise mit einem Oldtimer-Bulldog und einem selbst gebauten Anhänger – von der Gemeinde Frankenhardt bis zum Gardasee. Jetzt sind sie wieder da. Und, wie war’s? „Es lief eigentlich alles ohne Probleme“, fasst Sperr zusammen. Sieben Tage waren für den Roadtrip eingeplant. Am Ende lief alles so gut, dass sie zwischendurch zwei Tage Pause einlegten.

„Ich habe jetzt viele Dinge zum ersten Mal gesehen, obwohl ich seit 15 Jahren an den Gardasee fahre“, sagt Sperr. Denn die beiden und ihr Gefährt waren gemütlich unterwegs, die Spitzengeschwindigkeit lag bei 27 Kilometern pro Stunde, die Autobahn war bei der Reise tabu – die Entdeckung der Langsamkeit.

„Wir mussten, um Fotos zu machen, nicht anhalten. Das war praktisch“, sagt Wagner und lacht. Vor allem die Fahrt über den Brenner sei faszinierend gewesen. „Wir sind ganz früh los, da lag der Nebel noch in der Bergwelt“, erzählt Wagner. „Nach und nach kam die Sonne raus. Diese Bilder bleiben im Kopf.“

Täglich bis zu 150 Kilometer

Auch die Begegnungen mit den Menschen bleiben in Erinnerung. Bereits in Dinkelsbühl bekamen sie ein Angebot für den Anhänger. „Eine Frau hat uns ihre Visitenkarte mitgegeben“, sagt Sperr. Über Augsburg ging es am ersten Tag an den Starnberger See. Übernachtet haben Sperr und Wagner stets im Hotel. „Im Anhänger schlafen war nur der Notplan“, sagt Wagner. Zwischen 120 und 150 Kilometer legten sie täglich zurück.

Am zweiten Tag ging es über Innsbruck bis kurz vor den Brenner. „Durch Innsbruck in der Rushhour, das war super“, sagt Sperr. „Alle haben gewinkt, gelacht und waren freundlich. Uns konnte man ja leicht überholen, weil wir so langsam unterwegs waren.“

Weiter ging es an Tag drei über den Brenner nach Südtirol, wo sie einen Tag Pause einlegten. Zufällig wurden sie Teil einer Hochzeitsgesellschaft. „Dort standen Bulldogs, dann haben wir uns einfach dazugestellt“, sagt Wagner. Die Gäste seien zunächst irritiert gewesen, doch am Ende waren alle von dem Projekt begeistert.

Nach der Pause ging es für Wagner und Sperr weiter in Richtung Gardasee. Und dabei erlebten sie einen der Höhepunkte ihrer Reise. Ein Sprinter von marokkanischen Marktleuten blieb liegen. Da die beiden für jeden Notfall mit dem passenden Werkzeug ausgestattet waren, konnten sie zunächst weiterhelfen. „Aber dann mussten wir mit ihnen knapp vier Stunden auf den ADAC warten“, sagt Wagner. Sie packten ihre Stühle und den Sonnenschirm aus und machten es sich auf der Dachterrasse ihres Anhängers mit kalten Getränken gemütlich.

Die Frauen kommen nach

„Dort hatten wir eigentlich am meisten Spaß“, sagt Sperr. Viele, die vorbeifuhren, hielten an, darunter auch ein italienischer Vespa-Club. „Viele haben gefragt, ob sie Bilder machen und reinschauen dürfen“, sagt Sperr.

Nach der Weiterfahrt war der Spaß schnell vorbei – die Polizei rückte an und kontrollierte die beiden. „In Italien darf nur einer vorne auf dem Bulldog sitzen“, sagt Wagner. Mit Engelszungen erklärten sie den Beamten ihr Vorhaben und durften schließlich zu ihrem letzten Zwischenhalt in Arco am nördlichen Ende des Gardasees weiterfahren. Dort bekamen sie zum wiederholten Mal auf ihrer Reise Besuch von Bekannten, die ebenfalls im Urlaub waren und von der skurillen Idee erfuhren.

An Tag sieben machten sich die beiden auf die letzte Etappe ihrer Reise nach Bardolino – um 12.30 Uhr stand Mittagessen mit ihren Frauen an, die mit den Autos nachkamen. „An der Promenade entlang zu fahren, war eines der schönsten Erlebnisse“, sagt Wagner. Vier Tage blieben sie in Bardolino und genossen „la dolce vita“ (das süße Leben) in Italien, ehe es mit den Autos zurückging.

Mehr als 700 Kilometer fuhren Wagner und Sperr in sieben Tagen. Die Fahrt auf dem Bulldog sei nicht anstrengend gewesen. Alle 20 bis 30 Kilometer tauschten sie die Plätze. „Wir hatten nie das Gefühl, dass es schneller gehen sollte“, sagt Sperr.

Für den 60. Geburtstag gibt es bereits Ideen, aber keine konkreten Pläne. Aber bis dahin ist ja noch Zeit.

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