Langenburg Hohenloher revolutionierten englische Esskultur

Michael Hornung (rechts), dessen Vorfahren aus Hohebach, Blaufelden und Kocherstetten stammen, wirft einen Blick in das Bächlinger Kirchenbuch; links Andreas Volk.
Michael Hornung (rechts), dessen Vorfahren aus Hohebach, Blaufelden und Kocherstetten stammen, wirft einen Blick in das Bächlinger Kirchenbuch; links Andreas Volk. © Foto: Erwin Zoll
Langenburg / Erwin Zoll 11.08.2018
Auf den Spuren ihrer Vorfahren sind Besucher aus England und Irland in Hohenlohe unterwegs. Sie sind allesamt Nachfahren von Metzgern.

The 3rd Great German Pork Butcher Descendants’ Reunion, also „Drittes großes Treffen der Nachkommen deutscher Schweinemetzger“, hat Karl-Heinz Wüstner aus Ilshofen den Besuch aus dem Vereinigten Königreich überschrieben. Der Heimatforscher aus Ilshofen beschäftigt sich schon seit Jahren mit den Auswanderern aus Hohenlohe, die vor allem im 19. Jahrhundert in England als Metzger zu Wohlstand und Ansehen gekommen sind. Die meisten von ihnen stammen aus einem Umkreis von 30 Kilometern um Künzelsau.

Die Hohenloher, zum Teil gelernte Metzger, zum Teil Bauernsöhne, Knechte oder Handwerksburschen, stießen auf der Insel in eine Marktlücke und revolutionierten die Esskultur. Denn in der industrialisierten Wirtschaft Englands, die den Frauen kaum Zeit zum Kochen ließ, gab es nicht nur eine Nachfrage nach deutscher Wurst, sondern auch nach fertig zubereiteten Gerichten. Take away food, Essen zum Mitnehmen, machten die deutschen Metzger in England populär.

Zum dritten Mal hat Wüstner jetzt Nachfahren dieser Metzger um sich versammelt, um ihnen das Land ihrer Ahnen zu zeigen. Seit dem vergangenen Montag logiert die 32-köpfige Gruppe in Rothenburg, von wo aus sie die Gegend zwischen Jagst und Tauber erkundet. Unter anderem steuerten die Besucher, darunter zwei Teilnehmer aus Australien, das Stadtarchiv in Langenburg an. Dort erläuterte ihnen der Archivar Andreas Volk unter anderem, wie ein Kirchenbuch als Quelle für die Familienforschung genutzt werden kann. Als Beispiel diente ihm dabei das Bächlinger Kirchenbuch mit den Eintragungen aus dem Jahr 1855, in dem ein Johann Philipp Carle verzeichnet ist, ein Vorfahr von John David und Jonathan Carr, zweier Reiseteilnehmer.

Peter Beever, ein weiterer Teilnehmer, stieß in einem Stammbaum, den Karl-Heinz Wüstner erläuterte, auf mehrere Vorfahren, darunter auf den 1853 in Niederstetten geborenen und 1913 im englischen Golcar gestorbenen Georg Friedrich, der zu einem nicht bekannten Zeitpunkt ausgewandert ist.

„Fascinating“, faszinierend, findet Peter Beever die Beschäftigung mit seinen Vorfahren. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählte der 60-jährige pensionierte Stadtplaner, dass er bis 2017 nichts über seine Hohenloher Vorfahren gewusst hatte. Mit der Hilfe von Karl-Heinz Wüstner habe er aber inzwischen Informationen zu seiner Familie gefunden, die bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreichen.

Kochbuch zusammengestellt

Ein Ergebnis deutsch-englischer Zusammenarbeit ist auch ein Hohenloher Kochbuch. Karl-Heinz Wüstner und die Engländerin Carol M. Woodhouse haben darin Rezepte zusammengetragen, die die Auswanderer nach England mitgebracht hatten. Die Rezepte waren zum Teil bis zu 150 Jahre lang aufbewahrt worden.

Am letzten Tag ihres Besuches fahren die englischen Gäste heute nach Bad Mergentheim.

Karl-Heinz Wüstner hat das Kochbuch vorrätig

Das Kochbuch „Tastes of Hohenlohe – So schmeckt Hohenlohe“, herausgegeben von der Anglo German Familiy History Society, ist bei Karl-Heinz Wüstner (Hartmannweg 6, 74532 Ilshofen, E-Mail khwuestner@googlemail.com) erhältlich. erz

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