BTW Die drei Tageszeitungen im Landkreis fühlen den Bundestagskandidaten auf den Zahn

Ilshofen / JÜRGEN STEGMAIER 14.09.2013
Geradezu rücksichtsvoll gehen die sieben heimischen Bundestagskandidaten miteinander um, die am Donnerstagabend auf dem Podium sitzen. Bei den Hauptthemen zeigen sie sich weitgehend sattelfest.

Wann ist Haller Wochenmarkt? Wieviel kostet das Pfund Biotomaten aus der Region, wieviel eine Bio-Salatgurke? Das wissen viele Menschen nicht so genau - die Bundestagskandidaten auch nicht. Doch zur Unterhaltung tragen ihre Antworten allemal bei, zumal Haller-Tagblatt-Chefredakteur Dr. Marcus Haas süffisant kommentiert.

In den politischen Bereichen zeigen sich die Kandidaten diskussionssicher. Dr. Marcus Haas, Andreas Harthan und Klaus Michael Oßwald, die Redaktionsleiter von Haller Tagblatt, Hohenloher Tagblatt und Rundschau Gaildorf, gelingt es, durch unterhaltende Elemente deutlich zu machen, welche Persönlichkeiten hinter den zunächst einmal anonymen Bewerbern stehen.

Nicht das letzte Krankenhaus in der Region?

Und sie spüren Sprengstoff auf. "Mit Gaildorf haben wir vielleicht nicht das letzte Krankenhaus in der Region verloren", sagt der CDU-Abgeordnete von Stetten. Welche Klinik meint er? Kurzes Zucken im Auditorium. Doch diese Vorlage nimmt kein Mitbewerber auf, nicht einmal das Publikum bei der Fragerunde.

Ihre politische Marschrichtung verlassen die Bewerber an diesem Abend so gut wie nicht. Sie bewegen sich im Rahmen der Wahlprogramme ihrer Parteien. Auf den Zahn gefühlt wird ihnen zu fünf Themen, die regional von Bedeutung sind: A-6-Ausbau, Energiewende, Windkraft, Mindestlohn und Gesundheitsversorgung.

Geradezu brav tragen die Bewerber ihre Ansichten und Argumente vor. Seitenhiebe gegen die benachbarte oder gegenüberliegende politische Seite ersparen sie sich. Der Christdemokrat Christian von Stetten lässt den Linken Florian Vollert gewähren; der Grüne Harald Ebner verträgt sich mit dem Liberalen Stephen Brauer. Das einzig Aggressive an der Sozialdemokratin Annette Sawade ist der Blazer in knallroter Farbe.

Christian von Stetten (CDU) steht für einen sechsspurigen Ausbau der A6 zwischen den Kreuzen Weinsberg und Feuchtwangen, finanziert durch öffentlich-private Partnerschaft. "Alles andere ist Flickschusterei", sagt der Christdemokrat. Hinsichtlich des Strompreises machte von Stetten keine Hoffnung: Dieser werde weiter steigen. "Wir müssen den Bürgern die Wahrheit sagen", so der Freiherr. Den Bau neuer Windkraftanlagen ohne einen Konsens bei den Bürgern zu finden, halte er für unverantwortlich. Er habe erkannt, dass vielen Menschen eine wohnortnahe Krankenhausversorgung sehr wichtig ist.

Zurückhaltende Vorgehensweise?

Auch die Sozialdemokratin Annette Sawade spricht sich für einen sechsspurigen A-6-Ausbau aus, allerdings regt sie eine zurückhaltende Vorgehensweise an: Erstens Planung fertigstellen, zweitens Wirtschaftlichkeit prüfen, drittens genau darüber nachdenken. Annette Sawade ruft nach einem "vernünftigen Konzept", um durch erneuerbare Energien erzeugten Strom weiterzuleiten und zu speichern - dadurch ließe sich der Preis in den Griff bekommen. Die "wahnsinnig schwere Arbeit" in Pflegeberufen gehöre besser bezahlt, so die Sozialdemokratin. Über eine Bürgerversicherung könne mehr Geld in die Gesundheitsversorgung fließen.

Harald Ebner will die Seitenstreifen der A 6 breiter ausbauen lassen und lediglich die Steigungen mit einer echten dritten Spur in jede Richtung versehen. Ebner ist der Meinung, dass sich durch die Energiewende auf Dauer Geld sparen ließe. Aber ohne Windkraftanlagen gehe es in Baden-Württemberg nicht. Weg aus der Zwei-Klassen-Medizin, forderte Ebner. Zu finanzieren sei dies über eine Bürgerversicherung.

Stephen Brauer (FDP) vermutet, dass der Ausbau der A 6 der Region einen vergleichbaren Schub gebe wie 1979 die Fertigstellung der Autobahn. Erneuerbare Energien hält der Liberale für überfördert. Er empfindet es als unerträglich, für die Ableitung von Strom, wenn zu viel im Netz ist, zu bezahlen. Löhne sollten zwischen den Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern oder direkt ausgehandelt werden.

Florian Vollert (Linke) will Geld eher in die Schiene als in die Straße stecken. Er plädiert dafür, die Energieversorgung in die öffentliche Hand zu geben, um Auswüchse zu verhindern. Um das Gesundheitssystem über Wasser zu halten, bedürfe es einer gesetzlichen Kasse, in die alle einzahlen.

Alexander Brandt (Piraten) ist für einen privat finanzierten sechsspurigen A-6-Ausbau. "Aber das muss man erst mal durchrechnen." Für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sei Geld da, "zumindest theoretisch", meint der Pirat.

Deutlich erkennbar bei Peter Gansky (ÖDP) ist der Wille, es nicht allen recht machen zu müssen. So stellt er den A-6-Ausbau infrage. "Warum sollen wir uns Gedanken darüber machen, wie andere von A nach B kommen?", fragt er. Sein Ansatz: Heimische Waren kaufen, dann müssten nicht so viele Güter transportiert werden, es wären dann weniger Lastwagen unterwegs.

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