Sulzbach-Laufen Die Dosierung machts

Beim Altar gab es verschiedene Salzsorten zu kosten. Foto: Anita Urban
Beim Altar gab es verschiedene Salzsorten zu kosten. Foto: Anita Urban
ANITA URBAN 01.03.2013
Welche große, vielfältige Wirkung und lebensnotwendige Bedeutung das kleine Körnchen Salz wirklich hat, konnte man in der Kirche im Abendlicht in Sulzbach am Kocher mit allen Sinnen selbst erfahren.

Mit reinen, weißen Halstüchern passend zur Farbe des Salzes gewählt, eröffnete die Tanzgruppe diesen Gottesdienst in der Michaelskirche mit einem liturgischen Tanz. Impulse und Wissenswertes aus der Welt des Salzes berichtete das Abendlicht-Team in einem Vortrag mit Bildern. So ist Salz eine chemische Verbindung, die aus Kationen und Anionen zusammengesetzt und in Wahrheit eines der wertvollsten Mineralien auf der Welt ist. Und welchen Stellenwert das Salz für Orte mit dem Zusatz "Hall" hat, ist aus der Geschichte der Stadt Schwäbisch Hall bekannt. Salz heißt übersetzt eigentlich das "Schmutziggraue". Auch der Ortsname von Sulzbach-Laufen rührt daher. Sulz ist ein mittelalterlicher Begriff für Salzwasser, es ist jedoch nicht ganz schlüssig, ob der Name nun von der "schmutzig grauen" Farbe des Kochers stammt oder etwas mit der Holzflößerei für die Salzsieder nach Schwäbisch Hall zu tun hat. Salz war besonders in der Antike von sehr hohem Wert, neben dem Einsatz als Speisewürze vor allem wegen der Verwendungsmöglichkeit als Konservierungsmittel. Römische Legionäre erhielten einen Teil ihres Lohnes als Salzration ausbezahlt, daher der Begriff "Salär". Das musikalische Salz in diesem Gottesdienst war das Bläserquartett des Musikvereins Laufen mit Stücken wie "Petite Recreation" von André Waignein und "Dona Nobis Pacem" und natürlich Martin Knödler am E-Piano.

Ein wahres Salzerlebnis gab es für die Besucher an zwei Tischen vor dem Altar. Wer Lust hatte, konnte sich ein Butterbrot mit verschiedenen Salzsorten bestreuen oder herzhafte Salzstängele genießen. Brot und Salz ist in dieser Verbindung ein altes Symbol: Gäste werden mit Brot und Salz begrüßt, beim Einzug in einen neue Wohnung wird es symbolisch serviert oder ein Brautpaar bekommt es gereicht. Es bedeutet: Das Lebensnotwenige soll immer bei dir sein, aber auch: Unser Liebesbund soll für immer bewahrt werden. Salzkristalllampen sorgten für heimelige "Kirche im Salzkristalllicht"-Stimmung. Gegenüber gab es Wellness für die Haut mit einem heilenden Salzpeeling.

In seiner Meditation ging Pfarrer Matthias Walch auf die Bergpredigt ein. Jesus sagt: "Du bist das Salz der Erde, in dir ist die Kraft der Liebe, die das Leben erst genießbar macht.". Durch diese Worte können wir selbst das Salz der Erde sein, für uns und unsere Nächsten, genauso wie Salz unsere Speisen schmackhafter und bewahrender macht. Aber zu viel davon ist ungesund. Es kommt auf die richtige Dosierung an. Umarme den Anderen, aber ersticke ihn nicht mit deiner Liebe. Besser wäre, zu sagen: Ich lasse dich los. Du bist ein eigener Mensch.

Gott kann für jeden Einzelnen eine Kraft- und Salzquelle sein. Bei ihm kann man wieder auftanken und mit dem versorgen, was man braucht, um selber wieder Salz der Erde zu sein. Am Ausgang gab es ein kleines Salztütchen als Geschenk und bei den winterlichen Verhältnissen war man froh, dass die Wege dank des Streusalzes frei waren.