Michelbach Die Brille ist wichtiger als der Sex

Mark Britton erzählt auf der Bühne, was ein Mann in der Altersstufe zwischen Playstation und Intensivstation vom Leben noch erwartet. Foto: Margitta Schmidt
Mark Britton erzählt auf der Bühne, was ein Mann in der Altersstufe zwischen Playstation und Intensivstation vom Leben noch erwartet. Foto: Margitta Schmidt
Michelbach / MARGITTA SCHMIDT 25.02.2013
Dass englischer Humor auch in Michelbach gut ankommt, beweist Mark Britton mit seinem neuen Programm "Ohne Sex gehts auch (nicht)". Über zwei Stunden bringt er die Gäste zum Lachen.

Oh Schreck, Mann ist 50! Aber was tun, wenn man noch zu jung ist, um alt zu sein? "Wie lebt es sich in den mittleren Jahren zwischen Teenager und Rentner, zwischen Skateboard und Rollator, zwischen Playstation und Intensivstation, zwischen Pickel-Ausbruch und Prostata-Kollaps?", fragt der Entertainer.

Frauen haben Wechseljahre, Männer auch. Nur bezeichnen die ihre zweite Pubertät als Midlife-Crisis. "Während sich Frauen mit Depressionen, Schlaflosigkeit und Hitzewallungen herum plagen, wächst in Männern der Impuls, eine Harley zu kaufen", teilt der Kabarettist auf der Bühne mit.

Die gute Nachricht, die Britton mitbringt, ist: Ein Leben ohne Sex ist möglich - aber keins ohne Brille. Da ist es von Vorteil, dass er mit seiner Frau eine lebendige Ehe mit offenen Gesprächen führt: "Wir reden oft über Facebook darüber." Überhaupt, meint er, wäre die Ehe ohne seine Frau unerträglich. Eine Familie funktioniere dagegen nur als Diktatur: "Mutter ist die Regierung, Vater das Volk, die Kinder die Opposition und der Hund die Presse."

Je nach Alter der Kinder reagierten Eltern sehr unterschiedlich. "Eltern von Kleinkindern feiern jeden Entwicklungsschritt. Eltern pubertierender Kinder verhalten sich wie anonyme Alkoholiker. Aber haben sie schon mal erlebt, dass sie sich freuen, wenn der Sohn zum ersten Mal besoffen nach Hause kommt oder zum ersten Mal seine Freundin geschwängert hat?"

Mark Britton braucht kein Bühnenbild, um mit seinen Sketchen gut anzukommen. Frech und humorvoll hält er dem Publikum den Spiegel hin, spielt die Charaktere aus, schneidet Grimassen, die oft mehr aussagen als viele Worte. Voller Energie wuselt er über die Bühne, tänzelt, stürzt und ist in Windeseile wieder auf den Beinen. Spontan witzig reagiert der Entertainer mit dem englischen Akzent auf Zwischenrufe. Ohne Zugabe lassen ihn die 80 Zuschauer im Gasthaus Löwen dann auch nicht gehen.

Viel Gelächter gibt es, als Britton von den Revierkämpfen mit seinem Sohn berichtet - Silberrücken gegen zukünftiges Alphatier. Irgendwann helfen dem genervten Vater nur noch Holzkohle, Spiritus und Feuerzeug gegen das Ausgebranntsein. Oder ein Besuch in der Erholungsoase Ikea, wo er zwischen aufgeräumten Möbeln in aller Seelenruhe entspannen kann und nicht mal von Verkäufern gestört wird.

Und wie ist das nun mit dem Sex, wenn das Schlafzimmer zur Abstellkammer verkommen ist und das Erotikset von Tchibo nicht den Erwartungen entspricht? Brittons Tipp: "In besagtem Möbelhaus, da gibt"s auch Bettenabteilungen."