Frankenhardt Die „Kioskmädels“ von Gründelhardt

Dutzende Helfer kümmern sich um Kiosk, Badebetrieb und Finanzierung, darunter die Freibadfreunde Annerose Glock, Helga Lechler, Inge Hörger und Renate Schumann (von links).
Dutzende Helfer kümmern sich um Kiosk, Badebetrieb und Finanzierung, darunter die Freibadfreunde Annerose Glock, Helga Lechler, Inge Hörger und Renate Schumann (von links). © Foto: Larissa Wörn
Frankenhardt / Larissa Wörn 23.08.2018
Ohne das freiwillige Engagement zahlreicher Helfer wäre der Betrieb des Gründelhardter Freibads nicht möglich. Für das Wohl der Besucher opfern sie Jahr für Jahr ihre Freizeit im Sommer.

Mittwochabend, 27 Grad Celsius. Dass Renate Schumann und ihre Freundinnen im Freibad in Gründelhardt bei Kaffee und Pläuschchen zusammensitzen und die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen können, ist eine Seltenheit. Normalerweise arbeitet mindestens eine der Damen im Kiosk des Bades. Sie alle sind Mitglieder der „Freibadfreunde Frankenhardt“, die sich gemeinsam mit dem zugehörigen Förderverein um den Betrieb des Freibads kümmern.

Renate Schumann ist zweite Vorsitzende der Freibadfreunde und dritte Vorsitzende des Fördervereins. Die 60-Jährige ist von Anfang an, also seit nunmehr 15 Jahren, dabei. Ihr Haus steht direkt neben dem Freibad: „Es ist wie ein Privatbad mit Schlüsselgewalt“, sagt sie mit einem lauten Lachen.

Hitze als Fluch und Segen

Wenn Schumann und ihre „Kioskmädels“, wie sie ihre Freundinnen Helga Lechler, Inge Hörger und Annerose Glock nennt, nicht an der Fritteuse stehen oder Kunden abkassieren, dann sind sie trotzdem vor Ort. „Einfach nur, um uns zu treffen“, erklärt Lechler. Doch das Team des Kiosks besteht nicht nur aus diesen vier Damen. Dutzende weitere freiwillige Helfer kümmern sich sowohl um den Kiosk als auch um den gesamten Badebetrieb und die Finanzierung.

Genau das sei es, was das Gründelhardter Freibad so besonders mache: eine hohe Anzahl an Stammgästen und eine gesellige, familiäre Atmosphäre. „Wir haben zwar nur ein Becken, dafür aber umso mehr Herzlichkeit“, sagt Schumann. Deshalb lohne sich der hohe Einsatz an Zeit, Geld und Energie auch für jede einzelne der Damen. „Früher gab es in Frankenhardt drei Freibäder. Nach und nach wurden alle geschlossen. Auch das Gründelhardter“, erinnert sich Hörger.

Der Gemeinderat hatte wegen hoher anfallender Renovierungskosten die Schließung beschlossen. Doch das ließen sich die Gründelhardter nicht gefallen. Prompt schlossen sie sich zusammen und konnten nur zwei Jahre später das Freibad dank unzähliger ehrenamtlicher Helfer wieder öffnen.  „Wir machen das für die Gemeinde. Das Bad ist Anziehungspunkt und sommerliche Hauptattraktion für Gründelhardt und alle Nachbarorte“, so Schumann.

Das sei den Damen auch das „Opfern von bisher 14 Sommern“ wert, wie es Glock beschreibt. Auch wenn einige von ihnen noch arbeiten, finden sie die Zeit für das Freibad. Der schönste Moment sei für Schumann, wenn sie frische Pommes an ihre Kunden ausgeben kann. „Die strahlenden Kinderaugen und die sichtbare Vorfreude auf Fritten – das erfüllt und motiviert mich irgendwie.“

„Natürlich gibt es auch stressige Zeiten, da ist man innerlich am rotieren“, erzählt Hörger. So gab es vor allem diesen Sommer schon Tage, an denen sechs statt der normalerweise zwei eingeteilten Personen im Kiosk arbeiteten. So gesehen, ist die Hitzewelle Segen und Fluch zugleich: Es kommen zwar mehr Gäste und die Badesaison dauert deutlich länger als sonst, allerdings gibt es dann auch mehr zu tun. „Mein Garten würde sich über einen Tag Regen freuen“, sagt eine der ­Frauen. „Aber wir würden uns darüber auch riesig freuen“, ergänzt Lechler lachend. Jeder Tag, an dem das Freibad nicht ge­öffnet hat, müsse zur Erholung genutzt werden. „Aber selbst nach einem stressigen Tag ist beim Feierabendbier mit meinen Mädels wieder alles gut“, so Schumann.

Für den Kioskbetrieb gibt es einen Schichtplan, in den sich alle Helfer in eine der täglich zwei Schichten eintragen können. Die vier Damen tragen sich dort meist gar nicht ein. „Wir übernehmen dann übrig gebliebene Schichten oder helfen spontan aus, wenn mal Not am Mann ist“, sagt Schumann.

In einer Kioskschicht gibt es so einiges zu tun: Vor Öffnung putzen, Fritteusenfett tauschen, Bestände auffüllen, Speisen zubereiten und Getränke verkaufen. Aber die Kioskmädels sind sich einig: Solange sie noch können, nehmen sie die Arbeit gerne auf sich. „Ich war als Kind schon hier baden, dann kam ich mit meinen eigenen Kindern her und jetzt sogar mit meinen Enkeln“, erklärt Hörger. Das soll so weitergehen.

Rettungsschwimmer und Helfer gesucht

Um den Badebetrieb aufrechterhalten zu können, suchen die Freibadfreunde Frankenhardt jederzeit händeringend nach Rettungsschwimmern und Helfern, die im Kiosk und bei der Pflege der Freibadanlagen mit anpacken. Informationen gibt es direkt bei den Freibadfreunden unter Telefon 07959/924777 oder unter www.freibad-frankenhardt.de. law

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel