Niederstetten / Klaus T Mende  Uhr
Die Unabhängige Erzeugergemeinschaft registriert bessere Erlöse für die Mitglieder. Die Zahl der Betriebe geht zurück. Der Export nach China hilft.

Die Preise für Schweinefleisch sind deutlich nach oben gegangen. Das freut die Produzenten. Über die Rahmenbedingungen seitens der Politik aber schütteln viele nur den Kopf – und einige resignieren. Das ist bei der Hauptversammlung der Unabhängigen Erzeugergemeinschaft Hohenlohe-Franken deutlich geworden. Vorsitzender Matthias Frieß redete im Rechenschaftsbericht Klartext und sprach „von einem sehr schwierigen Jahr 2018“. Er nannte Dürre sowie den sehr schwachen Schweinemarkt, gekennzeichnet von einem seit Jahren sinkenden Inlandsverbrauch. Das zehre an den Nerven und an der Substanz.

Pauschale Schuldzuweisungen

Viel frustrierender empfindet Frieß die pauschalen öffentlichen Schuldzuweisungen an die Landwirtschaft. Ob Feinstaub, Insektensterben oder vieles mehr – für alles solle der Berufsstand verantwortlich sein. „Solch eine Hetze ist unerträglich und wirkt bei den Betrieben wie ein Brandbeschleuniger im Feuer. Es zeichnet sich ein sehr deutlicher Rückgang der Sauenhalter ab“, so Frieß.

Aktuell habe sich die Lage verbessert. Aufgrund der Afrikanischen Schweinepest sei es in China zu einem Rückgang der Produktion von etwa 25 Prozent gekommen. Dies habe hierzulande zu einem Preisanstieg von 30 Cent je Kilogramm geführt – in Verbindung mit dem Umstand, dass das Angebot an Schlachtschweinen in Deutschland unterdurchschnittlich sei. Auch die Versorgung mit Ferkeln sei am Markt schon länger knapp, „was sich im freundlichen Preisverlauf deutlich widerspiegelt“.

Wie ein Damoklesschwert

Allerdings beginne nun die „heiße Phase“ bei mehreren Themen, die wie ein Damoklesschwert über einer gesamten Branche lägen. Ab 1. Juli beginne der Einstieg in den Ausstieg des routinemäßigen Schwanzkupierens bei Ferkeln. „Wir sollten sehr realistisch mit dem Thema umgehen“, appellierte Frieß an seine Kollegen. „Die Anforderungen der EU kommen, wir sollten uns keinen Illusionen hingeben.“

Zum 1. Januar 2021 werde die Ferkelkastration definitiv unter Narkose stattfinden, ließ der UEG-Frontmann wissen. Die von den Landwirten favorisierte örtliche Betäubung werde bis dahin sicher keine Zulassung erhalten.

„Wenn die Verordnung bei den Kastenständen so in Kraft tritt, wird nach der Übergangsfrist die Sauenhaltung in Deutschland im Wesentlichen beendet sein“, zitierte Matthias Frieß die Befürchtungen eines Branchenkenners. Wer nach der Übergangsfrist noch Sauen halten wolle, müsse große Teile der Ställe umbauen und habe dann deutlich weniger Tiere. Oder er müsse die Bereiche Deckzentrum und Abferkeln neu bauen, um den rückläufigen Sauenbestand zu halten. Wenn diese Verordnung so in Kraft trete, werde es „regionale Ferkelerzeugung in Deutschland mittelfristig nirgendwo mehr nennenswert geben.“ Die Landwirtschaft verweigere sich nicht einem Mehr an Tierwohl, „für die Betriebe ist es wirtschaftlich einfach nicht mehr machbar“. Matthias Frieß lobte die Zusammenarbeit mit Edeka-Südwestfleisch, die den Gutfleischzuschlag um zwei Cent erhöht habe, das tue Mästern und Erzeugern gut.

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 Geschäftszahlen der UEG aus dem Jahr 2018

Die Verkaufsumsätze haben sich im Vergleich zu 2017 um netto 17,493 Millionen Euro reduziert. Die Zahl der vermarkteten Tiere ist um 22 342 (minus 2,5 Prozent) nach unten gegangen; lediglich bei den Schafen gab es ein Plus. Von den 228 855 Mastschweinen sind 80,1 Prozent im Schlachthof Crailsheim verarbeitet worden. Beim Ferkelverkauf spielen Bayern und Baden-Württemberg weiterhin die Hauptrolle. Rund 47 Prozent der Ferkel wurden im Ländle veräußert. Die Stückzahlen für Schlachtschweine in Deutschland gehen zurück, so Geschäftsführer Herbert Klein. 2018 betrug deren Zahl 56,7 Millionen, ein Minus von rund drei Prozent. Der Pro-Kopf-Verzehr beim Fleisch gehe hierzulande nach unten, darunter hätten Ferkelerzeuger und Mäster zu leiden. Die Schweineproduktion in der EU sei rückläufig, außer in Spanien und Dänemark. Deutschland habe weltweit mit die höchsten Produktionskosten beim Schweinefleisch. Der deutsche Markt profitiere vom Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest speziell in China, was die Preise habe deutlich steigen lassen. ktm