Sommerserie: Autobahn 6 Der Verkehr wird vom Rinnsal zum tosenden Strom

Ottmar Kroll leitet die Verkehrspolizeidirektion mit Sitz in Kirchberg, die auch für die A 6 und die A 7 in der Region zuständig ist.
Ottmar Kroll leitet die Verkehrspolizeidirektion mit Sitz in Kirchberg, die auch für die A 6 und die A 7 in der Region zuständig ist. © Foto: Harald Zigan
Landkreis Hall / Harald Zigan 15.08.2018
Täglich wälzt sich über die A 6 in Hohenlohe eine endlose Blechkarawane aus 60 000 Autos und 14 000 Lastwagen. Für die Polizei bringt das viel Arbeit mit sich.

Ältere Semester können sich noch gut daran erinnern: Bis zum Lückenschluss der Autobahn 6 zwischen Heilbronn und Nürnberg im Dezember 1979 lag die Endstation im Osten nahe Aurach in Mittelfranken und im Westen bei Kupferzell.

Wer also auf dem Weinsberger Kreuz das Getöse der A 81 verließ und auf die A 6 in Richtung Hohenlohe abbog, war vor allem nachts oft mutterseelenallein, aber völlig entspannt auf der Asphaltpiste unterwegs. Der Verkehrsstrom glich seinerzeit noch einem Rinnsal.

Mit diesen idyllischen Zuständen war es aber schnell vorbei: Schon im Jahr 1980 verzeichneten die amtlichen Verkehrszähler 20.000 Autos und 4300 Laster, die binnen 24 Stunden das Hohenloher Land auf der A 6 kreuzten. Mit der Eröffnung des letzten Teilstücks der Autobahn 7 zwischen Fichtenau und Heidenheim und dem neuen Autobahnkreuz bei Feuchtwangen folgte ab Dezember 1987 der nächste größere Schub: Jetzt drängten sich täglich schon 28.000 Autos und 6100 Lkw auf der A 6.

Regelrecht explodiert ist das Verkehrsaufkommen nach dem Mauerfall im Jahr 1989 und der Öffnung der bis dahin abgeschotteten Länder des „Ostblocks“. Die A 6 mauserte sich zur wichtigsten Ost-West-Verkehrsachse, und die Blechkarawane setzte sich zu Beginn der neunziger Jahre aus nunmehr 53.000 Autos und 9000 Lastern zusammen.

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Derzeit rauschen rund 60.000 Autos und 14.000 Lkw täglich über die A 6 – Tendenz: stark steigend. Das Ende der Fahnenstange ist nämlich noch längst nicht erreicht: Für die nächsten zehn Jahre sagen Experten eine weitere Steigerung des Verkehrsaufkommens auf bis zu 80.000 Pkw und über 11.000 Lastwagen voraus, die auch mit einem dreispurigen Ausbau der A 6 wohl nur schwer in den Griff zu bekommen ist.

Mit dem Zuwachs des Verkehrs klettern auch die Unfallzahlen in die Höhe. Schon 16 Stunden nach der Eröffnung der A 6 in Hohenlohe krachten bei dichtem Schneetreiben vier Autos in die Leitplanken. Die aktuellen Zahlen kennt Ottmar Kroll (63). Der Kriminaldirektor steht seit 1975 im Dienst der Polizei, avancierte 2003 zum Chef der Kriminalpolizei bei der damaligen Polizeidirektion in Schwäbisch Hall. Seit 2012 leitet Ottmar Kroll die bei der Polizeireform neu gebildete Verkehrspolizeidirektion Schwäbisch Hall mit Sitz direkt an der Autobahn bei Kirchberg.

Seine Dienststelle ist auch für die A 6 im Streckenabschnitt zwischen Kupferzell und der bayerischen Landesgrenze sowie für die A 7 zwischen den Anschlussstellen Fichtenau/Dinkelsbühl und Oberkochen zuständig.

Tagtäglich haben es Ottmar Kroll und seine 112 Kolleginnen und Kollegen auf einer Strecke von insgesamt rund 75 Kilometern mit der Schattenseite der Autobahn zu tun, die in der Hauptsache nicht aus maroden Fahrzeugen, manipulierten Tachoscheiben. Drogenkurieren, Dieseldieben und Planenschlitzern besteht: Rein rechnerisch vergeht kein Tag ohne Unfall auf der A 6. Zu rund 50 Prozent sind Lastwagen beteiligt.

135 Tote, 14.700 Unfälle

Bis heute verloren auf der A 6 in Hohenlohe 135 Menschen ihr Leben, in der Statistik der Polizei sind seit 1979 rund 14.700 Unfälle mit 4160 Verletzten verzeichnet.

Wenn es in der Macht von Ottmar Kroll stünde, dann würde er nicht nur sofort ein unfallsenkendes Tempolimit von 130 Stundenkilometern einführen: „Unsinnige Transporte würde ich sofort verbieten – Waren werden ohne Not über Hunderte von Kilometern von A nach B geliefert, es müsste viel mehr nach dem Regionalprinzip gewirtschaftet werden.“

Beim schlimmsten Unfall, der sich bisher auf der Asphaltpiste in Hohenlohe abgespielt hat, gab es noch keine psychosozialen Berater in den Reihen der Polizei, die ihren Kollegen dabei helfen, grauenhafte Bilder zu verarbeiten: Bei einem Massenunfall auf der Kochertalbrücke starben am 10. Januar 1990 im dichten Nebel sieben Menschen.

Selbst für hartgesottene Beamte nicht leicht zu verkraften war auch ein Unfall im November 2012 unweit von Öhringen: Ein 43 Jahre alter Mann und seine drei Kinder im Alter von 7, 11 und 13 Jahren verbrannten in einem Auto, als ein Lkw durch die Mittelleitplanke brach.

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