Kirchberg Der Sturm hat sich gelegt

Kirchberg / Ute Schäfer 10.09.2018
Mit Gottesdienst, Festakt und einem duftenden Hefeteig-Schlüssel weihen die Kirchberger am Sonntag sehr erleichtert ihr neues Feuerwehrhaus ein.

Die Sonne strahlte vom Himmel und fast kann man den sprichwörtlichen Sturm noch hören, der derzeit hinter Kirchberg verschwindet. Er hatte in den vergangenen Jahren über dem Gelände zu Füßen der Altstadt getobt. Der Grund: Das neue Feuerwehrgerätehaus ganz allgemein und der Standort speziell waren höchst umstritten. Jahrelang gab es Bürgerinitiativen, Demonstrationen, Flugblattaktionen und nicht zuletzt ein Justizverfahren bis hoch zum Verwaltungsgericht Mannheim.

„Doch als der Bau dann losging, lief alles glatt“, sagte der Kirchberger Bürgermeister Stefan Ohr. Auch ihm war die Erleichterung darüber anzumerken, dass nun die Diskussion in der Stadt leiser geworden ist, wie eine ganze Reihe von Kirchbergern am Sonntag bestätigten.

Allerdings: Was die Feuerwehrleute in den vergangenen Jahren an Anfeindungen zu erdulden hatten, war „grenzwertig“, so der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Alfred Fetzer. „Feuerwehrdienst ist freiwillig, Angriffe schaden dem Ehrenamt.“ Doch nun sei der Blick nach vorne geboten. Er gratuliere den Kirchbergern zum neuen „Feuerwehrhaus“, das mehr sei als nur ein Gerätemagazin. Hier sollten die Feuerwehrleute Kameradschaft leben und erleben. Die sei der Grundpfeiler eines jeden Einsatzes.

Um die Einheit zu betonen, feierten die Kirchberger Kirchengemeinden zur Einweihung einen ökumenischen Gottesdienst. Dabei gab es gleich auch eine Premiere, nämlich einen gemeinsamen Auftritt der Posaunenchöre Kirchberg, Lendsiedel und Gaggstatt. Pfarrer Hansjörg Wittlinger predigte über einen Sturm im See Genezareth. Pfarrer Alfred Holbein und Pater Leonhard Lemchukwu führten durch die Liturgie in der großen Fahrzeughalle, von der aus in Zukunft alle Kirchberger Wehren aus dem Hauptort und aus den drei Teilorten ausrücken werden.

Grußworte hielten auch Bauleiter Manfred Löw aus Ilshofen und Architekt Jan Hofacker aus Kirchberg, der betonte, dass das Gebäude nur im Dialog mit der „Postkartenkulisse“ der Altstadt habe entstehen können: Statt Dachziegeln Dachbegrünung, statt Putz die Holzfassade, statt Kupferblechen mattgrau lackierte Blenden: „Die reflektieren nicht. Das Gebäude tritt so in den Hintergrund.“

Nach Gottesdienst, Festakt und Schlüsselübergabe mit dem symbolischen Schlüssel-Hefezopf führte Kommandant Alexander Müller durch das großzügige Gebäude und erklärte, dass es nun „schwarze“ und „weiße“ Bereiche gebe. Dass also ein Teil nicht mit den dreckigen Einsatzkleidern betreten werden dürfe. „So mancher Kamerad muss sich da noch ein bisschen daran gewöhnen“, sagte Kommandant Müller augenzwinkernd.

Und wenn‘s jetzt in Kirchberg brennt, wie es in den vergangenen Jahren immer wieder vorkam? „Natürlich sind wir auf Einsätze vorbereitet, auch wenn wir hier ein großes Fest feiern“, sagte Müller.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel