Kirchberg Kino „Klappe“: der Stoff für einen Spielfilm

So überzeugt man Juroren: Silvia Zott und Heiner Doormann zeigen einige der Dokumentationen, in denen sie das Programm der „Klappe“ und ihre Veranstaltungen festgehalten haben. Mit solchen Heften bewerben sich sie regelmäßig und mit Erfolg um Preise.
So überzeugt man Juroren: Silvia Zott und Heiner Doormann zeigen einige der Dokumentationen, in denen sie das Programm der „Klappe“ und ihre Veranstaltungen festgehalten haben. Mit solchen Heften bewerben sich sie regelmäßig und mit Erfolg um Preise. © Foto: Erwin Zoll
Kirchberg / Erwin Zoll 30.08.2018
Seit 20 Jahren gibt es in Kirchberg eine Einrichtung, die ihresgleichen sucht: Das Kino „Klappe“ bringt Filmkunst auf das flache Land. Allerdings ist die Zukunft des kleinen Lichtspielhauses ungewiss.

Ein kleines Kino in der tiefsten Provinz trotzt hartnäckig der Multiplex-Konkurrenz in den umliegenden Städten und bietet dabei ein preisgekröntes Programm an – das ist eigentlich Stoff für einen Film. In Kirchberg aber ist das keine Fiktion, sondern Realität, und zwar seit 20 Jahren. Das Kino „Klappe“ feiert jetzt Jubiläum.

1997 hatte Heiner Dormann (65), Diplom-Betriebswirt und bis dahin Wirt des Cafés „Alte Post“ in Kirchberg, den ehemaligen Coop-Markt in der Unteren Gasse gekauft, um darin ein Kino samt Kneipe einzurichten. Der Kinobetreiber Heinz Dunz, der früher in Kirchberg Filme gezeigt hatte und häufig in der „Alten Post“ zu Gast war, hatte Dormann und dessen Partnerin Silvia Zott (54), eine hauswirtschaftliche Betriebsleiterin, zu dem Abenteuer angeregt.

Im Mai 1998 nahm die „Klappe“ den Betrieb auf. Der erste Betreiber war Silvia Zotts Bruder Wolfgang, der sich maßgeblich am Umbau des Gebäudes beteiligt hatte. Nach zwei Jahren dann übernahmen Heiner Dormann und Silvia Zott den Betrieb.

Unterstützt von ehrenamtlichen Helfern, die bei der Programmauswahl, an der Kasse oder bei der Technik mitwirken, haben Dormann und Zott eine cineastische Erfolgsgeschichte geschrieben. Das Konzept, eine Gaststätte mit einem Kino zu kombinieren, ist aufgegangen. Mehr noch: Bei der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG), einer Einrichtung des Landes und des Südwestrundfunks, ist die „Klappe“ Dauergast. Schon 17-mal hat die MFG das Kino für sein Programm mit einem Preis ausgezeichnet, unter anderen 2005 mit dem mit 12 000 Euro dotierten Preis für das beste Programm im Land. Auch der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien ist die „Klappe“ aufgefallen – Ergebnis: 16 Preise.

„Die Preise ermöglichen es uns, auch Filme zu zeigen, von denen wir wissen, dass sie keinen großen Umsatz bringen“, sagt Heiner Dormann. Dagegen bedauert er es, dass das Kino von der Stadt Kirchberg keine Förderung erhält. Die Medien- und Filmgesellschaft und die Filmförderungsanstalt FFA haben die Kirchberger Kinobetreiber unterstützt, als sie ihr Kino 2013 auf digitale Technik umgestellt haben. Fast 100 000 Euro hat die „Klappe“ dabei investiert, 60 Prozent waren durch Zuschüsse oder verbilligte Darlehen gedeckt.

Immer wieder sind Regisseure in der „Klappe“ zu Gast, um ihre Filme vorzustellen und mit den Besuchern zu diskutieren. Darunter waren auch Wiltrud Baier und Sigrun Köhler, die Macher des Dokumentarfilms „Schotter wie Heu“ über Gammesfeld und seine Raiffeisenbank. „Schotter wie Heu“ war der erfolgreichste Film, den die „Klappe“ jemals gezeigt hat. Über ein Jahr lang war der Streifen immer wieder im Programm, zwei Drittel der Vorstellungen waren ausverkauft.

Unklar ist allerdings, wie es mit der „Klappe“ weitergeht, denn Heiner Dormann will sich aus dem Geschäft zurückziehen, und Silvia Zott kann das Kino nicht alleine betreiben. „Das Kino macht mir nach wie vor großen Spaß, aber der Kneipenbetrieb wird mir zu anstrengend“, sagt Dormann. Er und Zott suchen deshalb Nachfolger und bieten die „Klappe“ zum Kauf an. Wer also Spaß am Kino und Interesse an einem gut eingeführten Betrieb hat: Bitte melden!

Das Programm zum Jubiläum der „Klappe“

Mit einem Klassiker der Filmgeschichte beginnt die „Klappe“ ihr Jubiläumsprogramm. Am Sonntag, 2. September, gibt es um 11 Uhr eine Matinee mit „Casablanca“ – dazu Sekt und Butterbrezeln. Eine Bierprobe erwartet die Besucher am Donnerstag, 6. September, um 19 Uhr. „Schotter wie Heu“ zeigt die „Klappe“ am Freitag, 7. September, um 20.30 Uhr in Anwesenheit der Regisseurinnen Wiltrud Baier und Sigrun Köhler sowie des Bankrebellen Fritz Vogt. Musik von „Jazzomat“ und die Maroni-Cocktailbar sind am Samstag, ab 19 Uhr beim Gassenfest vor dem Kino geboten; bereits ab 16 Uhr gibt es Kaffee, Kuchen und Popcorn. Freien Eintritt haben Kinder am Sonntag, 6. September, um 15 Uhr, wenn die „Klappe“ „Gans im Glück“ zeigt. erz

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