Stuttgart Der neue Enquête-Chef Helmut Rüeck möchte Pflege-Erfahrung nicht missen

Der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Rüeck ist der Vorsitzende der neuen Pflege-Enquete des Landes Baden-Württemberg. Das Thema Pflege liegt ihm sehr am Herzen. Archivfoto: Karsten Dyba
Der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Rüeck ist der Vorsitzende der neuen Pflege-Enquete des Landes Baden-Württemberg. Das Thema Pflege liegt ihm sehr am Herzen. Archivfoto: Karsten Dyba
Stuttgart / JULIA GIERTZ 03.05.2014
Das Thema Pflege rückt immer mehr in den Fokus. Auch der Landtag will sich der komplexen Thematik annehmen. Handfeste Erfahrungen bringt Helmut Rüeck, der Vorsitzende der neuen Pflege-Enquête, mit.

Schon als Zehnjähriger radelte Helmut Walter Rüeck zum Metzger und Bäcker, um die alte Nachbarin mitzuversorgen. "Da hab ich mich dann über 20 Pfennig gefreut", erzählt der 52-jährige CDU-Abgeordnete, der die Enquetekommission des Landtags zum Thema "Pflege in Baden-Württemberg zukunftsorientiert und generationengerecht" leitet.

Nachbarschaftshilfe spielt noch heute eine große Rolle auf dem Land, weiß der Crailsheimer. Sonst wäre es nicht möglich, dass zwei Drittel aller Pflegebedürftigen noch zu Hause versorgt werden. Auch Rüeck hat Erfahrungen mit häuslicher Pflege. 17 Jahre lang pflegte der gelernte Maschinenschlosser gemeinsam mit Vater und Schwester die an Alzheimer erkrankte Mutter.

Es ist fünf nach zwölf

Dass eine schwierige Aufgabe vor ihm liegt, weiß der Parlamentarier aus dem Wahlkreis Schwäbisch Hall. "Eine bezahlbare, qualifizierte, menschliche und personell gut ausgestattete Pflege ist eine Quadratur des Kreises", meint Rüeck, auf den die Idee der Pflege-Enquete zurückgeht. Denn vieles sei aus dem Lot: überbordende Bürokratie, Nachwuchsmangel bei den Pflegekräften, Finanzierungsprobleme für Patienten und Pflegekassen. Auch die Generationengerechtigkeit müsse im Blick bleiben. "Es ist fünf vor zwölf, wenn nicht fünf nach zwölf", resümiert er.

Rüeck ist klar, dass häusliche Pflege mit zunehmender Mobilität der Menschen wenig Zukunft hat. "Ich habe mich jetzt schon für eine Heimpflege entschieden. Ich möchte niemanden zur Last fallen." Er selbst klagt allerdings nicht über die langjährige Pflege seiner Mutter, die im späten Stadium ihrer Krankheit mehrmals pro Nacht umgebettet werden musste. "Es ist schon eine Belastung, aber es kann einem auch viel geben. Ich möchte die Erfahrung nicht missen."

Anfangs habe die Mutter noch ihre Dankbarkeit ausdrücken können. "Später spürte man einen Reflex, wenn sie einem die Hand drückte." Bedauerlich fand Rüeck, dass er seine sozialen Kontakte nicht so pflegen konnte, wie er wollte. "Man braucht schon einen verständnisvollen Freundeskreis, wenn man etwa an einer Geburtstagsfeier nur auf Abruf teilnimmt."

Nach dem Tod der Mutter im Jahr 2003 erlebte der Vater einen körperlichen Zusammenbruch. In der Woche kümmerte sich die Schwester um ihn, am Wochenende und ihm Urlaub Rüeck. Nach dem Tod des Vaters 2008 konnte sich der Hüne mit Brille wieder eigenen Hobbys widmen, der Beschäftigung mit dem zweiten Kaiserreich (1871 bis 1918), mit Reisen und dem Hund.

Von der Enquête, die am 27. Juni mit ihrer Arbeit beginnt, erwartet er Impulse und Anstöße für die Landesregierung. Ende Januar 2016 sollen die Empfehlungen des Gremiums im Landtag diskutiert und verabschiedet werden. Rüecks großer Wunsch ist, dass die 15 Mitglieder der Kommission gut kooperieren. "Pflege braucht eine ganz, ganz breite Mehrheit."
 



Helmut Walter Rüeck (geboren am 21. März 1962 in Crailsheim-Altenmünster) ist CDU-Politiker und Mitglied des Landtags Baden-Württemberg (Wahlkreis 22 Schwäbisch Hall). Seine Politische Ämter sind unter anderem: Mitglied des Landtagspräsidiums; Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes der CDU-Landtagsfraktion; seit April 2006 Schatzmeister der CDU-Landtagsfraktion; Mitglied im Kreistag und Crailsheimer Gemeinderat.
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