Gerabronn Der mit dem Gong tanzt Besonderes Erlebnis mit Dieter Kuntze

HARTMUT VOLK 13.09.2013
Dieter Kuntze ist ein außergewöhnlicher Mensch und Musiker. Mit seinen Glockenspielen und Gongs verschafft der gebürtige Berliner seinen Zuhörern ein ganz besonderes Hörerlebnis.

Der Start ins Leben war nicht einfach für Kuntze. Schon mit zwei Jahren kam er ins Kinderheim, dann landete er über Umwege als Achtjähriger bei den sozialtherapeutischen Gemeinschaften in Weckelweiler. Doch als ehrgeiziger junger Mann strebte er in die Selbstständigkeit, wurde bald nur noch ambulant betreut und absolvierte bei einem Kfz-Betrieb in Gaggstatt eine Automechaniker-Lehre. Heute lebt der 59-Jährige eigenständig im ehemaligen Glockenhaus in Gerabronn, wo er sich mit großer Hingabe seiner Leidenschaft, dem Musikmachen mit Metallgongs und Glockenspielen, widmet.

Den Impuls für die Arbeit mit den ungewöhnlichen Instrumenten, die bis auf wenige Ausnahme in der Glockenwerkstatt von Weckelweiler entstanden sind, erhielt Dieter Kuntze von seinem Lehrer Joachim Darmer, der 1986 das Glockenhaus begründete. "Er war eine besonders wesentliche Persönlichkeit für mich", erzählt Kuntze von seinem früheren Vermieter, über den er den Weg zur Anthroposophie gefunden habe. Sie wurde für ihn eine wichtige Lebenshilfe: "So habe ich gelernt, nicht gleich einzuknicken oder aufzugeben", sagt Kuntze.

Gerne nahm Kuntze an den sogenannten Glockenkreisen Darmers teil, musikalisch-therapeutischen Gesprächsrunden, die ihm die Welt der Musik eröffneten und ihn für das Spiel mit den Bronzegongs und Glockenspielen begeisterten. "Es ging hauptsächlich darum, Musik zu machen ohne Noten, ganz aus dem freien Moment heraus", erzählt er. Die einfache Anschlagtechnik hat er, ausgelöst durch einen ungeschickten Zufall, weiterentwickelt: "Aus Versehen rutschte ich mit dem Klöppel an der Glocke entlang aus, stutzte, als ich den besonderen Klang hörte und dachte: Da kann man doch was draus machen", erzählt der kreative Musiker, den eine fast kindliche Neugier und Freude am Ausprobieren von Neuem auszeichnet.

Virtuos entlockt er heute mit seiner Glysanto-Technik den Bronzeröhren vibrierende Töne, die mit den sphärischen Klangwolken seiner großen Messing- und Bronzegongs den Raum füllen. Die Klangfülle schafft eine meditative Atmosphäre, die Kuntze mit seiner Stimme unterstreicht, und kann sich bis ins Ekstatische steigern, wenn der Musiker mit tänzerischer Anmut zwischen seinen Instrumenten hin und her springt.

Vor sieben Jahren gründete Dieter Kuntze mit zwei Freunden das Ensemble "Campanula", das ist der lateinische Name für die Glockenblume. Heute ist von der Ursprungsbesetzung Johannes Haßbecker übrig geblieben, der Kuntze auf der Flöte begleitet. Bei der langen Kunstnacht morgen im Kirchberger Schloss werden die beiden Musiker ihre Arbeit mit dem freien Spiel der Töne vorstellen.

Info Das "Campanula"-Konzert beginnt morgen um 20.30 Uhr im Rokokosaal des Kirchberger Schlosses.