Der letzte Feind des Menschen ist besiegt

Beim Vorlesen in den Armen eines Erwachsenen vergessen Kinder die Angst.
Beim Vorlesen in den Armen eines Erwachsenen vergessen Kinder die Angst. © Foto: dpa
SWP 08.08.2015
Gedanken zum Sonntag von Markus Hammer, Pfarrer in Hengstfeld und Kreisdiakoniepfarrer.

"Papa, erzählst du mir eine Geschichte?" So fragte mich mein Sohn, als er vor Kurzem nicht einschlafen konnte. Er kam zu mir ins Büro, während ich gerade an meiner Predigt schrieb. Es war in der Nacht vor seinem vierten Geburtstag. Er war also viel zu aufgeregt, um zu schlafen.

Also erzählte ich ihm eine Geschichte nach der anderen. Zuerst das Gleichnis vom verlorenen Schaf. "Papa, ich will noch eine hören." Dann der verlorene Sohn und dann die Geschichte von Zachäus. Als ich so erzählte, musste ich daran denken, wie gut es tut, Geschichten aus der Bibel zu lesen und zu erzählen. Wie gut es tut, über einen Gott zu reden, der uns hinterherläuft, wenn wir einmal verloren sind. Über Jesus zu reden, der zu denen geht, die es am nötigsten brauchen. Von einem Gott zu hören, der uns uneingeschränkt liebt. Und auch über einen Gott zu hören, der uns zeigt, wie wir leben können. Liebet eure Feinde. Achtet aufeinander. Betrügt euch nicht. Helft einander. Seid füreinander da.

Das brauchen wir, gerade in der heutigen Zeit. Denn wir suchen oft nach Orientierung, und wir leiden immer wieder unter Angst. Angst vor Naturkatastrophen. Angst vor Einbrechern. Angst vor fremden Menschen. Angst vor der drohenden Armut. Angst vor Versagen oder einer schlimmen Diagnose.

In der Welt haben wir Angst, so stellt es Jesus fest. Dieser Gedanke bringt mich wieder zurück zu meinem Sohn. Auch er hat in letzter Zeit hin und wieder Angst vor allem Möglichen. Und wenn er in dieser Angst alleine gelassen wird, dann wird sie immer größer. Doch wenn wir als seine Eltern zu ihm kommen und ihn in die Arme nehmen, dann ist die Angst schnell vergessen, und sein Vertrauen überwiegt. Vielleicht haben wir Erwachsenen mit dem Vertrauen ein größeres Problem als unsere Kinder. Weil wir vielleicht denken, dass uns keiner helfen kann. In der Welt haben wir Angst. Doch dann sagt Jesus: Aber seid getrost. Ich habe sie überwunden (Johannes 16, 33). Damit meint Jesus, dass er den letzten Feind des Menschen, den Tod, besiegt hat. Deswegen können wir ihm ganz vertrauen, auch wenn wir Angst haben. Er wird es gut machen. Was auch immer uns bedrückt, unserem Gott können wir immer vertrauen. Und ich bin davon überzeugt, dass unsere Angst durch das Vertrauen zu Jesus besiegt wird. Das habe ich auch meinem Sohn gesagt, als ich ihn ins Bett gebracht habe. Dann sagte er noch: "Gott ist aber ziemlich cool!" Recht hat er, dachte ich. Einen gesegneten Sonntag Ihnen allen!