Crailsheim Der Jagst auf den Grund gehen

Langenburg / Luca Schmidt 05.09.2018
In Langenburg untersuchen Jugendliche  mit dem örtlichen Angelsportverein die Jagst. Erforscht werden nicht nur Flora und Fauna, sondern auch Breite und Temperatur des Flusses.

Was lebt in der Jagst, wie breit und warm ist der Fluss und warum können Wasserläufer eigentlich auf dem Wasser laufen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren beim Kinderferienprogramm in Langenburg. Angeleitet wurden sie dabei vom örtlichen Angelsportverein (ASV).

Einen ganzen Aufgabenkatalog gab es für die Teilnehmer, die in zwei Gruppen die Jagst am Grillplatz zwischen Bächlingen und Oberregenbach untersuchten. So mussten sie zum Beispiel die Breite, Tiefe, Temperatur und Fließgeschwindigkeit des Flusses messen.

Zum Messen der Temperatur wurde ein Thermometer an einer Schnur in den Fluss geworfen, Ergebnis: 16 Grad Celsius. „Baden geht heute nur für Hartgesottene“, sagte Hartmut Leuze, Schriftführer beim ASV. Allerdings würde das den Fischen nichts ausmachen, im Gegenteil: „Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff“, erklärte Leuze.

Deutlich schwieriger war es, die restlichen Werte zu messen. Für die Bestimmung der Breite sollte ein Stein an einer Schnur über den Fluss geworfen werden – das war aber ganz schön weit, wie die Teilnehmer feststellen mussten. Noch komplizierter: Tiefe und Fließgeschwindigkeit bestimmen – hier machten das Wetter und die Jagst den Forschern einen Strich durch die Rechnung.

16 Grad Wassertemperatur

Bei schlechtem Wetter und 16 Grad Celsius Wassertemperatur war es den Teilnehmern nicht zuzumuten, ins Wasser abzutauchen. Bei der Fließgeschwindigkeit sollte ein Korken an einer fünf Meter langen Schnur ins Wasser geworfen werden.

Gestoppt werden sollte die Zeit, die es braucht, bis die Schnur sich komplett ausgebreitet hat – also der Korken fünf Meter Strecke hinter sich gebracht hatte. Allerdings hatte der Korken dieses Prinzip nicht ganz verstanden, denn statt im Strom zu schwimmen, bewegte er sich im Kreis.

Ein weiteres Experiment: eine Nadel auf dem Wasser schwimmen zu lassen. Gar nicht so einfach, trotz Anleitung. Als die Nadel dann schwamm, gab es für die Teilnehmer die Erklärung: „Die Nadel schwimmt aufgrund der Wasserspannung“, sagte Hartmut Leuze. Wegen der könnten Wasserläufer auch über das Wasser laufen.

„Das wusste ich noch nicht“

Gut gefallen hat es dem neunjährigen Moritz Zobel. „Das mit dem Wasserläufer-Experiment war neu für mich, das wusste ich noch nicht“, sagte er. Dabei hat er, zumindest was das Angeln betrifft, bereits Vorkenntnisse. „Ich war schon mal beim Angeln dabei. Da haben wir einen Aal gefangen“, erzählte der Neunjährige.

„Wir haben den Kindern heute das kleine Einmaleins des Gewässerwartes gezeigt“, sagte Leuze. Denn der Angelsportverein sei nicht nur zum Angeln da. „Wir kümmern uns auch um die Artenpflege und den Gewässerschutz.“ Allerdings sei der Artenreichtum nach der Jagstkatastrophe vor drei Jahren noch nicht allzu groß.

Früher 30, heute zehn Arten

„30 verschiedene Fischarten haben hier vor der Katastrophe gelebt, jetzt sind es zehn“, sagte Achim Thoma, Vorsitzender des ASV Langenburg. Aber die Zeit werde es richten. „Es dauert wahrscheinlich 10 bis 15 Jahre, bis sich der Fluss davon erholt hat“, sagte Thoma. Momentan kaufe der ASV Fische und setze sie dann in der Jagst aus.

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