Schrozberg Pfadfinder: der Große schützt den Kleinen

Die Pfadfinder des Stammes „Santiago“ Schrozberg sind im Jubiläumsjahr 2018 seit 20 Jahren in der örtlichen Jugendarbeit tätig. In den ersten Tagen des Augusts waren sie zehn Tage lang mit mehr als 1600 weiteren Pfadfindern im Zeltlager.
Die Pfadfinder des Stammes „Santiago“ Schrozberg sind im Jubiläumsjahr 2018 seit 20 Jahren in der örtlichen Jugendarbeit tätig. In den ersten Tagen des Augusts waren sie zehn Tage lang mit mehr als 1600 weiteren Pfadfindern im Zeltlager. © Foto: Pfadfinder Schrozberg
Schrozberg / Johannes Ihle 30.08.2018
Die Pfandfindergruppe „Santiago“ aus Schrozberg gibt es seit 20 Jahren. Woche für Woche bieten die Leiter den Kindern und Jugendlichen ein buntes Programm. Höhepunkt: Zeltlager im Sommer.

Sie laufen durch den Wald, tragen rund um die Uhr eine Uniform und verkaufen Kekse an der Haustür. Diese Klischees haben viele Menschen im Kopf, wenn sie an Pfadfinder denken. „Ganz so schlimm ist es nicht“, sagt Benedikt Wenzel vom Schrozberger Stamm „Santiago“ und lacht.

Seit 20 Jahren gibt es die Schrozberger Pfadfindergruppe. „Damals gab es außer dem Sport- und dem Musikverein wenig Jugendarbeit bei uns auf dem Land“, sagt der 32-jährige Wenzel, der von Anfang an dabei ist. „Ein paar Erwachsene haben sich zusammengefunden und festgestellt, dass sie früher alle bei den Pfadfindern waren.“ Und so gründeten sie 1998 den Stamm „Santiago“. Waren es anfangs noch 40 Mitglieder, hält der Stamm seit zehn Jahren seine Mitgliederzahl bei rund 80.

Pfadfinderstämme sind in aller Regel in vier Altersgruppen unterteilt. Da gibt es die Wölflinge (sieben bis zehn Jahre) und die Jungpfadfinder (10 bis 13 Jahre) sowie die Pfadfinder (13 bis 16 Jahre) und die Rover (16 bis 21 Jahre). Wer mit 21 Jahren immer noch Lust hat auf Pfadfindersein, kann sich als Leiter in die Gruppe einfügen.

Einmal in der Woche treffen sich die einzelnen Altersgruppen. Während es bei den Jüngsten in der Runde viel um das Entdecken des alltäglichen Umfelds geht, beschäftigen sich die 10- bis 16-Jährigen mit Abenteuern und der eigenen Entwicklung. Die Gruppe der Großen denkt viel an die Zukunft und das Leben mit anderen Menschen und Kulturen.

„Es geht bei uns um die Persönlichkeitsentwicklung“, sagt Wenzel. „Wir wollen den Kindern Werte vermitteln wie Teamarbeit, der Größere schützt den Kleineren oder die Umwelt schützen. Erlebnispädagogik würde man das heute nennen“, sagt Wenzel und lacht. „Man lernt, viel Selbstvertrauen aufzubauen und wächst über sich hinaus.“

Doch nicht nur in ihren altersspezifischen Gruppen sind die „Pfadis“ unterwegs. Das Jahr über gibt es verschiedene Wochenendveranstaltungen wie Spielwochenenden in Jugendherbergen, Wanderungen oder Kanufahrten, an denen alle Gruppen teilnehmen. Der Höhepunkt im Jahr ist aber stets das große Zeltlager, an dem zahlreiche Stämme aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart zusammenkommen.

40 Hohenloher in Oberbayern

In diesem Jahr fanden Ende Juli rund 1600 Pfadfinder für zehn Tage den Weg auf den Jugendzeltplatz in Königsdorf bei Bad Tölz – darunter 40 aus Schrozberg. Unter dem Motto „Einfach Pfadfinden“ stellten sich sowohl die Kinder als auch die Leiter die Frage: „Was bedeutet Pfadfinden 2018 für mich persönlich?“.

In den ersten drei Tagen spielte die digitale Welt eine große Rolle. Beispielsweise traten Teams beim Geocaching gegeneinander an: Die einen suchten den Schatz mit einem GPS-Gerät, die anderen mit Karte und Kompass. In einem anderen Projekt schrieben die Teilnehmer ein Theaterstück – und nahmen anschließend ein Video für Youtube auf. Nach den Projekttagen trafen sich die Kinder und Jugendlichen zu altersgerechtem Programm in ihren Stufen.

Das Besondere an einem Zeltlager der Pfadfinder ist, dass befreundete Organisationen aus der ganzen Welt am Lager teilnehmen. Gruppen aus Jordanien, Nordirland, Luxemburg und Südafrika zelteten gemeinsam mit den Pfadfindern aus Deutschland.

Die südafrikanischen Pfadfinder aus der Provinz Mpumalanga nahe des Kruger Nationalparks waren bei den Hohenlohern untergebracht. Auf solch großen Ausflügen ist stets ihre Kluft dabei – die Pfadfinder-Uniform. „Aber die tragen wir nur, wenn wir unterwegs sind“, klärt Wenzel auf. Zu ihren wöchentlichen Treffen dürfe man kommen wie man möchte.

Verkauf für guten Zweck

„Soziales Engagement ist uns wichtig“, sagt Benedikt Wenzel. Daher verkaufen die Pfadfinder seit Jahren fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Nudeln oder Schokolade auf dem Schrozberger Bauernmarkt, der immer am ersten Samstag im Monat im
Fashion Outlet stattfindet. „Der Erlös kommt zunächst einmal den Erzeugern der Rohwaren auf der ganzen Welt zugute“, sagt Wenzel. Doch auch für die eigene Jugendarbeit springe der eine oder andere Euro heraus.

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