Gerabronn Der Graf und seine Geister

Inez (Hannah Köhnlechner), nun Gräfin Morcerf, versucht den Grafen von Monte Christo (Tassilo Frank) von seinen Racheplänen abzubringen. Foto: Ralf Snurawa
Inez (Hannah Köhnlechner), nun Gräfin Morcerf, versucht den Grafen von Monte Christo (Tassilo Frank) von seinen Racheplänen abzubringen. Foto: Ralf Snurawa
RALF SNURAWA 16.06.2014
Am Ende gibt es stehend gespendeten Beifall für Jan Käfers offene Theater-Version von Alexandre Dumas "Der Graf von Monte Christo". Die Darsteller wussten ihr Publikum vor der Fabrikfassade zu fesseln.

"Villefort im Irrenhaus, Carderousse lebenslang Galeere, Frau Carderousse erschossen, Juwelier Boville erstochen, Albert Morcerf als Soldat vermisst, Danglars ermordet, Fernand Morcerf Selbstmord", so konnten es die Theaterbesucher der Burgschauspiele Leofels noch einmal Schwarz auf Weiß auf der Tafel des Moritatensängers nachvollziehen. Der Graf von Monte Christo hatte gewütet.

Aber am Ende steht er allen Personen, denen er geschadet hatte, noch einmal gegenüber. Ihr Antlitz ist weiß. Sie tragen weiße Handschuhe. Sie waren die Marionetten in den Händen des Grafen. Selbst Abbé Faria oder die von Monte Christo freigekaufte Sklavin Haydée machen ihm Vorwürfe: Er habe den anderen ihre Leben gestohlen.

Jan Käfer verweigert in seiner Theaterfassung des Romans das glückliche Ende. Stattdessen bevorzugt er das Hinterfragen in einer geradezu gespenstisch wirkenden Schlussszene und lässt den Moritatensänger sagen: "Was für ein Leben wars, das du gelebt?"

Steffen Ehrmann führt als dieser Moritatensänger durch das Stück und bietet so dem mit dem Sujet weniger vertrauten Publikum Orientierung. Er fragt nach Sitte und Moral und danach, ob einer wisse, wie man alles besser macht. Er ist gewissermaßen auch das Gewissen des Grafen, indem er davor warnt, an den Ketten menschlicher Marionetten zu spielen. Das gelingt Ehrmann ohne ständig erhobenem Zeigefinger wunderbar.

Mit ihm verfolgt das Publikum das Leben von Edmond Dantès, der später zum Grafen von Monte Christo wird. Tassilo Frank gelingt der Wechsel zwischen dem jugendlich stürmischen wie unerfahrenen Kapitän und Bräutigam hin zum hinterlistigen und nach Rache dürstenden Grafen hervorragend.

Ihm steht - nicht minder überschwänglich zu Beginn als Braut und später als Gräfin Morcerf inständig bittend - Hannah Köhnlechner als Inez zur Seite. Mit Micha Laukemann als intrigantem Fernand Mondego (später Graf von Morcerf), Uli Gsell als verschlagenem Danglars, Walter Kraft als nur vermeintlich aufrichtigem Staatsanwalt Villefort und Peter Ruppe als Wirt Carderousse hat er fünf starke Darsteller als Gegenüber.

Durchaus von verschlagenem Charakter ist Micha Laukemanns Fernand, der ebenfalls Inez als Braut begehrt. Wundervoll verschlagen weiß ihm da Uli Gsell Rat, während Peter Ruppes Carderousse - später auch Ingeborg Neber als dessen Frau - den Rachen nicht voll bekommen kann, wenn es ums Geld und das Morden des Juweliers Boville - durchweg überzeugend von Dieter Kraft gespielt - geht.

Großartig wirkt Gsell gemeinsam mit Rosemarie Frank als Bankiersfrau in der Streitszene. Und Walter Kraft gestaltet den zunehmenden Wahnsinn des Staatsanwalts nach der Konfrontation mit seiner Vergangenheit, in der er Edmond Dantès unschuldig ins Gefängnis Chateau d"If sperren lässt, in packender Weise. Die Verzweiflung der Madame Villefort darüber nimmt man Gudrun Kraft jederzeit ab.

Im Chateau d"If gestaltet auf der karg mit drei Kulissenelementen ausgestatteten Bühne Kurt Frank den Abbé Faria als gütigen Menschen, der Edmond Dantès stets Rat zu geben weiß. Zum ersten Mal auf der Bühne der Burgschauspiele und gleich in Sprechrollen sind Sandra Philipp als Telegrafist und Jonathan Messerschmidt als Albert von Morcerf dabei.

Problemlos gelangen Martin Markert die Wechsel zwischen den verschiedenen Rollen als mitfühlender Gefängniswärter, Diener, Archivar oder Soldat. Als solcher darf er auch gleich beim actionreichen Beginn den Degen schwingen. Das fesselt das später nicht mit Applaus sparende Premierenpublikum ebenso wie die als Überraschung einfahrenden Pferdekutsche.

Aufführungen

Termine Weitere Aufführungen sind am 18., 20., 22., 24., 27. und 28. Juni sowie am 2., 4. und 5. Juli. Die Aufführung dauert etwa zwei Stunden. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr.

Vorverkauf per Telefon bei Erika Schneider, (07952) 5655 und im Rathaus Ilshofen, (07904) 7020.

www.burgschauspiele.de

SWP