Blaufelden Der Blick in die Unendlichkeit

Durch zwei Linsen auf einem Stativ können die Kinder die Kirchturmuhr ganz genau betrachten. Allerdings scheint diese auf dem Kopf zu stehen. Reinhard Müller erklärt, warum das so ist.
Durch zwei Linsen auf einem Stativ können die Kinder die Kirchturmuhr ganz genau betrachten. Allerdings scheint diese auf dem Kopf zu stehen. Reinhard Müller erklärt, warum das so ist. © Foto: Tobias Haase
Blaufelden / Tobias Haase 07.09.2018
Gemeinsam mit Reinhard Müller aus Blaufelden lernen Kinder die Welt der Optik und des Sehens kennen.

Das menschliche Auge leistet Tag für Tag Unglaubliches. Für uns Menschen ist es meist selbstverständlich, jeden Tag die Augen aufzuschlagen und zu sehen. Erst, wenn die Sehkraft eingeschränkt wird oder ganz entschwindet, wird die Bedeutung sichtbar.

„Optik zum Anfassen“ – hinter diesem Titel steckt das Angebot des Kinderferienprogramms der Gemeinde Blaufelden. Mit Reinhard Müller, Inhaber von Optik Müller, konnten sechs Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren gut eineinhalb Stunden lang experimentieren und lernen.

Direkt zu Beginn stand ein großes Augenmodell auf dem Tisch. Die Kinder sollten die einzelnen Bestandteile benennen, was erstaunlich gut klappte. „Es ist schon faszinierend, dass wir mit zwei solchen Geräten ausgestattet sind“, sagte Müller. Er zeigte den Kindern diverse Linsen: von der Augenlinse bis hin zur Sammellinse. Und er erklärte zum Beispiel, wie das Licht gebrochen wird. Um die Funktionsweise besser zu verstehen, standen den Kindern Plus- und Minusgläser zur Verfügung, die sie vor ihren Augen hin und her bewegten.

Prism is a Dancer

Müller spannte den Bogen von Galileo Galilei bis hin zu Johannes Kepler. Mithilfe einer selbst gebauten Konstruktion erklärte er, wie Ferngläser und Teleskope funktionieren. Nacheinander durften alle Kinder einen Blick auf die weit entfernte Kirchturmuhr werfen, die durch das improvisierte Fernglas ganz nah erschien. Doch: Das Bild stand auf dem Kopf. „Für jedes Problem gibt es auch eine Lösung. Der Herr Kepler hatte auch eine Idee“, sagte Müller und teilte Prismen aus. Beim Experimentieren rief ein Junge erstaunt: „Ich seh den Herrn Müller ja zweimal. Vollüberwachung!“

Die Kinder verwendeten die Prismen unter anderem zur Spektroskopie und freuten sich über die Regenbogenfarben, die sie an die Decke projizierten. „Das wird mein neues Spielzeug“, sagte eines der Kinder. Auch mithilfe spezieller Dias konnten die Farben des Lichtes sichtbar gemacht werden. Was nach einem komplizierten Ausflug in die Physik klingt, wurde durch praktische Experimente vermittelt. So konnten die Teilnehmer selbst erkennen, dass das Licht einer Neonröhre ein anderes Spektrum als das Sonnenlicht aufweist.

Als Nächstes stand eine Lochkamera im Fokus der jungen Forscher. Mit einem Tuch über dem Kopf und einem Karton in der Hand, konnten die Kinder ihre Umgebung auf einem Butterbrotpapier betrachten, ermöglicht durch ein einen Millimeter großes Loch im Karton.

Neben verschiedenen Experimenten zum blinden Fleck, Kontaktlinsen sowie 3-D-Brillen und dem damit verbundenen Stereoeffekt war auch die Polarisation des Lichtes ein wichtiges Thema.

„Habt ihr schon mal in die Unendlichkeit geschaut?“, fragte Müller. Wenige Kinder konnten sich etwas darunter vorstellen. Zwei Spiegel, so positioniert, dass sie sich endlos spiegeln, wurden auf dem Tisch platziert. Mit großer Neugierde schauten die Kinder hinein.

Abschließend teilte Müller Arbeitsblätter aus und ging mit den jungen Forschern das Gelernte noch einmal durch. Das Feedback fiel durchweg positiv aus. „Viele Sachen habt ihr erforscht, das müsst ihr euch merken“, sagte der Diplom-Ingenieur am Ende des Programms. „Ich will, dass die Kinder ein Verständnis für das Sehen und die Optik bekommen, weil wir jeden Tag damit konfrontiert werden. Egal ob in Form von optischen Täuschungen oder in der Werbung.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel