region Der Arzt Dr. Werner Vonberg behandelt Patienten seit vielen Jahren homöopathisch

region / ANNA BERGER 06.05.2016
Wunderheilmittel oder Placebo-Effekt? In der Homöopathie werden Substanzen so stark verdünnt, dass nur noch ein Bruchteil davon im Arzneimittel enthalten ist. Hat es dann überhaupt noch eine Wirkung? Viele Schulmediziner bezweifeln es. Der Kirchberger Arzt Dr. Werner Vonberg ist davon jedoch überzeugt.

Wer sich mit Dr. Werner Vonberg verabredet, tut gut daran, Zeit mitzubringen. Denn der Kirchberger Arzt ist sehr gefragt. Nicht wenige nehmen eine lange Anfahrt in Kauf, um sich von Vonberg behandeln zu lassen. Es kommt deshalb schon mal vor, dass man etwas länger warten muss, um in das Sprechzimmer des 53-Jährigen gerufen zu werden - das ist auch beim Besuch der Presse im Kirchberger Praxicum nicht anders. "Das zeigt, wie groß die Nachfrage nach Homöopathie ist", sagt Vonberg. Der Facharzt für Allgemeinmedizin hat eine homöopathische Zusatzausbildung. Zwar behandelt er seine Patienten auch mit konventionellen Mitteln, wenn es nötig ist. Sein Schwerpunkt liegt aber klar auf der alternativen Heilmethode.

In der klassischen Homöopathie werden Wirkstoffe so stark verdünnt, dass nur noch ein Bruchteil davon im Medikament enthalten ist. Je höher die Potenz, desto geringer die Konzentration des Wirkstoffs. So liegt das Verhältnis bei der relativ geringen D6-Potenz bei eins zu einer Million, ein Tropfen auf fünf Eimer Wasser. Kann das überhaupt wirken? "Ja", sagt Vonberg. "Man weiß nur nicht, weshalb."

Suche nach einer Erklärung

Vonberg ist keiner, der das Rampenlicht sucht. "Aber ich habe auch keine Lust, mich wegzuducken." Wegzuducken vor jenen, die Homöopathie als eine Scheinbehandlung abtun und die Erfolge einem Placebo-Effekt zuschieben. "Was mich an der Kritik am meisten ärgert, ist die Unwissenschaftlichkeit", sagt Vonberg. "Wenn ich sehe, dass etwas wirkt, dann suche ich doch nach einer Erklärung."

Die Zahlen geben ihm recht: In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2014 gaben 85 Prozent der Homöopathie-Patienten an, dass ihre Beschwerden nach der Behandlung zurückgegangen seien. "Das kann mit einem Placebo-Effekt nicht erklärt werden", sagt Vonberg. Der wirkt übrigens folgendermaßen: "Je unangenehmer es ist, ein Medikament zu nehmen, desto größer ist der Placebo-Effekt", erklärt Vonberg. Das Lutschen von zuckrig schmeckenden Globuli macht demnach einen deutlich geringeren Eindruck auf den Patienten als eine Spritze.

Das ist nicht das einzige Argument, das für Vonberg gegen einen Placebo-Effekt spricht: "Ich hatte Patienten, da hat es Jahre gedauert, das richtige homöopathische Mittel zu finden. Mit der ersten Einnahme des neuen Medikaments hat sich dann plötzlich was getan", erzählt Vonberg. Ein Placebo-Effekt hätte schon zu Beginn der Behandlung eintreten müssen. Den Gedanken "Nutzt nichts und schadet nichts", findet er gefährlich. Falsch angewandt, könne Homöopathie gesundheitsschädigend sein.

Hilfe zur Selbstheilung

Dem 53-Jährigen geht es nicht darum, die Schulmedizin kleinzureden. "Ich finde konventionelle Medizin nicht schlecht - wenn sie gut gemacht ist." Er würde auch nie einen Herzinfarkt mit homöopathischen Mitteln behandeln, auch wenn das theoretisch gehe. Allerdings feiere die Homöopathie bei chronischen Erkrankungen, bei denen die konventionelle Medizin oft hilflos sei, große Erfolge. Das habe auch etwas mit dem ganzheitlichen Ansatz der Therapie zu tun, sagt Vonberg. Homöopathen versuchen nicht, einzelne Leiden zu bekämpfen. Stattdessen soll die Arznei dem Körper helfen, sich selbst zu heilen.

Schade findet der Arzt, dass viele Schulmediziner die Homöopathie dogmatisch ablehnen. "Viele Schulmediziner machen das, was früher die Kirche getan hat. Sie sagen, es kann nicht sein, also ist es nicht", bemängelt Vonberg. Dabei würden sich die Therapieformen gut ergänzen. "Ich habe schon einige Krebspatienten behandelt, die ihre Diagnose überlebt haben", erzählt Vonberg. Er ist überzeugt, dass man in dem Bereich mit einer schulmedizinisch-homöopathischen Doppelbehandlung viel erreichen kann.

Als Vonberg 2004 mit seiner homöopathischen Zusatzausbildung begann, war er selbst oft überrascht von den Behandlungserfolgen: "Ich habe mich auch gefragt, ob es tatsächlich das homöopathische Mittel war, das zur Besserung geführt hat." Doch es gebe Krankheitsverläufe, die könne man einfach nicht anders interpretieren. So habe er einmal als Notarzt einen zehnjährigen Jungen behandelt, der vor Kopfschmerzen wimmernd auf dem Sofa lag. Die Mutter hatte ihm bereits Schmerzmittel verabreicht - erfolglos. "Ich dachte, wenn ich denen jetzt sage, dass ich ihn homöopathisch behandeln will, lynchen die mich", erzählt Vonberg. Also gab er dem Jungen ein paar Kügelchen Belladonna C 30 und sagte nur "Lutsch das mal." Um auf Zeit zu spielen, las er die Gesundheitskarte ein. Es habe keine Minute gedauert, da sagte der Junge: "Mama, mir geht's wieder gut."
 

Der Begründer der Lehre

Wie viele alternative Heilmethoden ist die Homöopathie keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Begründet wurde sie 1796 von Samuel Hahnemann. Der deutsche Arzt verdünnte die Wirkstoffe zunächst, um die Nebenwirkungen zu minimieren. Später war er überzeugt, dass bei den verdünnten Mitteln eine im Wesen der Arznei verborgene Kraft frei wird.

AB

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