Verbandsdirektor Klaus Mandel trug die Abstimmungsniederlage mit Fassung. Die 72 Mitglieder der Verbandsversammlung lehnten es ab, einem Vorschlag aus der Verwaltung des Regionalverbands Heilbronn-Franken zu folgen: Bei nur einer Handvoll Nein-Stimmen votierten die "Abgeordneten" bei ihrer Sitzung in Neckarsulm-Dahenfeld dafür, dass die an der A 6 geplanten Windmühlen in puncto "regionaler Grünzug" in den Genuss einer Ausnahme kommen könnten.

Insgesamt sollen im Windpark Kirchberg acht Anlagen den Wind in Strom verwandeln. Vier Standorte liegen aber in diesem "Grünzug" (siehe Info). Gegen ein Windrad im Geißholz (WEA 3) gab es keine Einwände, und ein weiteres Rad weiter nördlich (WEA 2) hätten die Planer nach einer Lagekorrektur ebenfalls akzeptiert.

Unbedingt rotorenfrei wollten die Planer des Regionalverbandes aber das Gebiet östlich des Autobahnzubringers halten, wo künftig zwei Windräder stehen sollen (WEA 5 und 6 - siehe Karte). Das regionale Parlament folgte dieser Beschlussempfehlung allerdings nicht. Schon die Debatte im Gremium zeigte, woher der Wind in dieser Frage weht. Für die CDU-Fraktion verwies der Haller Landrat Gerhard Bauer darauf, dass es "nicht nachvollziehbar" sei, warum auf dem Areal keine Windräder gebündelt werden sollten. Zudem seien die bereits an der A 6 stehenden Windräder nicht berücksichtigt worden, als es um die Ausweisung des "Grünzuges" ging.

Claudia Kern-Kalinke von den Grünen hatte ebenfalls keine Probleme mit diesem Teilgebiet des Windparks: "Selbst das Umweltzentrum in Hall hält Windräder hier für denkbar und sinnvoll - ein Erholungsraum und ein Biotop für die Natur ist diese frei geräumte Flur an der A 6 gewiss nicht." Zur gleichen Einschätzung gelangte auch Volker Lenz (Freie). Er sagte, im Interesse des Dorfes Ruppertshofen an der Umzingelungskritik des Regionalverbandes festzuhalten - diese Anlage stand allerdings gar nicht zur Debatte. Harald Friese (SPD) kündigte an, dass seine Fraktion gegen eine Ausnahme stimmen werde. Bei der Abstimmung hielt sich dann aber die große Mehrheit nicht daran.

Das letzte Wort hat jetzt das Regierungspräsidium in Stuttgart. Gerhard Borchers, Geschäftsführer der Firma "Windpark Kirchberg GmbH & Co. KG", geht davon aus, dass das Projekt "wie vorgesehen realisiert werden kann und die Genehmigung im zeitigen Frühjahr vorliegt".

Wie Planer einen "regionalen Grünzug" definieren

Die Planer des Regionalverbandes verstehen unter einem "regionalen Grünzug" nicht etwa eine üppige Wald- und Heckenlandschaft, sondern "Vorranggebiete", die "zur Erhaltung gesunder Lebens- und Umweltbedingungen und zur Gliederung der Siedlungsstruktur. . .insbesondere im Bereich der Entwicklungsachsen, der stärker verdichteten Räume und in Gebieten mit starken Nutzungskonflikten. . .als Teile eines leistungsfähigen regionalen Freiraumverbundes festgelegt" und "von Siedlungstätigkeit und anderen funktionswidrigen Nutzungen freizuhalten" sind. Aus dem Fachchinesischen übersetzt und auf Kirchberg bezogen: Zwischen der A 6, dem Gewerbegebiet nahebei und der Stadt sollte es eine Pufferzone ohne irgendwelche Bebauung geben. haz

SWP