Neben Pat Metheny und Bill Frisell zählt John Scofield sicherlich zu den wichtigsten Jazz­gitarristen unserer Zeit. Insofern war sein Auftritt in Gschwend – noch dazu solo – schon etwas Außergewöhnliches. Stücke von seinen neuesten CDs waren ebenfalls nicht zu hören. Man konnte sich also wie in einem kleinen, exquisiten Club mit einem besonderen Programm fühlen. Und Scofield machte zunächst auch einen leicht entrückten Eindruck.

Vier Stücke brauchte er zum Auftauen gegenüber seinem Publikum. Leicht swingend und schön federnd eröffnete er mit Paul McCartneys „I Will“. Jimmy Van Heusens „It Could Happen To You“ mit leicht lateinamerikanischem Flow mag auch als sprachliche Annäherung gedient haben, indem Scofield an einer Stelle den Text dazu sprach.

Über Miles Davis‘ „Solar“ führte das Set zum nächsten Van-Heusen-Song: „Polka Dots And Moonbeams“. Nach und nach entwickelte sich ein Drive, in dem kleines Bluesgitarrenjaulen ebenso Platz fand wie schnelle Jazzfigurationen, um in eine barocke Formel über einem lang gehaltenen Orgelpunkt im Bass zu münden.

Mit „Angel of Death“ nach Hank Williams war John Scofield dann ganz da, bei seinen unglaublich stillen Zuhörern. Dem „Todesengel“, mit dem er noch ein wenig seine Wortspiele trieb, gestand er dann das Enfalten eines großartigen Grooves zu. Am Ende entschwand alles im Elektro-Off.

Der „Todesengel“ werde nun für eine längere Zeit alle Anwesenden unbehelligt lassen, weil es im Bilderhaus so nett sei, bemerkte Scofield, der sich sodann Elizabeth Cottens „Freight Train“ zuwandte. Mit dem Zug nahm Scofield seine Zuhörer auf eine ausschweifende Reise über die Gitarrensaiten und in den Chorus über einem rückwärts laufenden Loop mit – nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

Hommage an Charles Mingus

Danach erzählte er seinem Publikum die Geschichte, wie er den genialen Jazzmusiker und Kontrabassisten Charles Mingus treffen wollte. Das Treffen kam zwar nicht so richtig zustande, dennoch zeigte sich Scofield im Bilderhaus als Mingus-Verehrer. Dort setzte er sich mit gleich zwei Stücken von dessen „Mingus Ah Um“-Album von 1959 auseinander: „Goodbye Pork Pie Hat“ und „Self-Portrait In Three Colors“ – feinsinnig empfunden, sanft gespielt und den Blues nie außer Acht lassend.

Ein wenig politisch wurde John Scofield dann mit dem „Junko Partner“, einem Gefängnis-Song mit noch mehr Blues, dem er allen ungerechtfertigt einsitzenden Gefangenen in den USA widmete. Nach Harry Warrens „There Will Never Be Another You“, ein wenig im Swing-Stil vorgetragen, wandte sich Scofield dann zwei eigenen, eher ruhigeren Stücken zu: „Hangover“ und „Honest I Do“. Da gab es im Chorus ein Ausschwingen der Saiten über einem Loop-Ostinato oder auch Gegenüberstellungen von hoher und tiefer Lage.

Nach Schwärmereien für seine Gastgeber und die „Hillbillies up here“ ließ Scofield Melodieschwelgen zu „Danny Boy“ und Buddy Hollys „Not Fade Away“ als leichten Jazzrock folgen, um bei den Zugaben bei Lead Belly anzukommen. „House of the Rising Sun“ und der Folksong „John Harry“ trafen dort nach „Old Man River“-Andeutungen aufeinander – und auf ein restlos begeistertes Publikum.