Bühlertann/Fronrot / Gottfried Mahling Der Gemeinderat hat entschieden: Im Ortsteil Fronrot und in der Bühlertanner Hauptstraße gibt es kein TEmpolimit rund um die Uhr.

Die Lärmbelastung in der Bühlertanner Hauptstraße und in der Fronroter Ortsdurchfahrt ist so hoch, dass Anwohner gesundheitliche Schäden davontragen könnten. Zu diesem Ergebnis kommt der Bühlertanner Lärmaktionsplan, der von einem Öhringer Ingenieurbüro erstellt und im November 2018 vom Gemeinderat verabschiedet worden war.

An der Ortsdurchfahrt von Bühlertann und dem Teilort Fronrot ist der Verkehrslärm besonders im Berufsverkehr immens. Eine Untersuchung hat die Belastung in Zahlen gefasst und empfiehlt Tempo 30.

Auf Grundlage des Lärmaktionsplans hätten die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h sowohl tags als auch nachts bei der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises so beantragen können. Bürgermeister Michael Dambacher hatte eine entsprechende Beschlussvorlage vorbereitet.

Geimeinderat sagt: Verkehr würde zäher fließen

Doch dann argumentierten mehrere Gemeinderäte dagegen. Konrad Stöcker führte eine aktuelle Verkehrszählung der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) ins Feld, nach der derzeit weniger als 8200 Fahrzeuge pro Tag auf der L 1060 durch Bühlertann fahren. Da der kritische Grenzwert nun nicht mehr erreicht werde, müsse man das Thema Temporeduzierung „noch einmal neu denken“, so Stöcker. „Viele Gemeinden machen es nur nachts. Das sollten wir auch.“ Schon heute fließe der Verkehr schleppend durch Bühlertann – mit Tempo 30 dauere es noch länger.

Im Ostalbkreis gebe es zahlreiche Ortschaften, die Tempo 30 nur für LKW vorschreiben, argumentierte Thomas Hirn für eine weitere Alternative. Er verstehe das Interesse viele Anwohner an einer generellen Geschwindigkeitsreduzierung, doch die „Nachtlösung“ sei besser, „weil die Strecke durch Bühlertann für Autofahrer schon sehr lang ist“, ergänzte Rolf Schwarz.

Der Michelfelder Gemeinderat sagt „Ja“ zu 24 Stunden Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt, der Rosengartener sagt „Nein“. In den Gremien wird kontrovers diskutiert.

„Wir sollten Tempo 30 für Tag und Nacht beantragen“, konterte Günther Walzhauer, denn beim Lärmaktionsplan seien „gesundheitsschädliche Werte herausgekommen“. Schreibe man Tempo 30 vor, würden viele unverbesserliche Raser wenigstens nur mit 50 statt mit 70 km/h durch Bühlertann fahren, ergänzte Hansjörg Schneider. „Wir sollten es durchziehen“, plädierte auch Petra Achatz für eine Geschwindigkeitsreduzierung rund um die Uhr.

Landkreis hat letztes Wort

Dambacher erinnerte sich an seine Anfangszeit als Bühlertanner Bürgermeister, als er in einem Hotelzimmer an der Hauptstraße wohnte: „Das war schon sehr laut.“ Bei der folgenden Abstimmung votiert der Bürgermeister dann auch für Tempo 30 rund um die Uhr. Sechs Gemeinderäte schließen sich ihm an, doch sieben stimmen dagegen. Mit dem Patt von sieben zu sieben Stimmen ist der Antrag der Verwaltung abgelehnt. Direkt im Anschluss folgt die Abstimmung über Tempo 30 in der Zeit von 22 bis 6 Uhr. Eine knappe Mehrheit spricht sich dafür aus.

Ob der Antrag der Gemeinde Bühlertann tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet nun die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Schwäbisch Hall in Absprache mit dem Regierungspräsidium Stuttgart.

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Gemeinde kauft Radarmessgerät

Einstimmig votierten die Bühlertanner Gemeinderäte für die Anschaffung eines Seitenradarmessgerätes. Damit kann die Gemeinde neben eigenen Verkehrszählungen auch Geschwindigkeitsmessungen durchführen. Entgegen der bereits vorhandenen Geschwindigkeitsanzeigentafel soll das Seitenradarmessgerät verlässliche Zahlen liefern, die bei der Straßenverkehrsbehörde in Antragsfällen auch anerkannt werden.

Bei der Erstellung des Lärmaktionsplans wurden an 39 Wohngebäuden Grenzwerte von 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts erreicht oder überschritten. Damit sind die insgesamt 99 Bewohner dieser Gebäude von Lärmpegeln betroffen, die im Allgemeinen als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. In Bühlertann handelt es sich um 74 Einwohner und in Fronrot um 25 Einwohner. An fünf Gebäuden mit 14 Einwohnern erreichten oder überschreiten die Lärmpegel tagsüber sogar 73 Dezibel und nachts 63 Dezibel.

Weitere Gemeinden im Landkreis Schwäbisch Hall stimmten vor kurzem über Geschwindigkeitsreduzierungen in ihren Ortsdurchfahrten ab. Michelfeld und Untermünkheim beantragten Tempo 30 rund um die Uhr, Rosengarten nur nachts. Im Hauptort von Rot am See gilt Tempo 30 bereits seit Februar ganztägig.