Schwäbisch Hall Das sagt die Ärztin: Von Nägelkauen und Drogenmissbrauch

Dr. Elisabeth Koerber-Kröll, Allgemeinmedizinerin in Hall und Vorsitzende der Kreisärzteschaft. Foto: Arslan
Dr. Elisabeth Koerber-Kröll, Allgemeinmedizinerin in Hall und Vorsitzende der Kreisärzteschaft. Foto: Arslan
Schwäbisch Hall / LUCIB 16.01.2013
Körperlicher Ausgleich sei wichtig um Stress abzubauen, sagt Dr. Elisabeth Koerber-Kröll. Sie rät Schülern, sich ein bis zwei Nachmittage frei zu halten.

Die Biologie hat den Menschen mit einer natürlichen komplexen Reaktionsfähigkeit, seit Hans Selye 1930 auch Stressreaktion genannt, ausgestattet, um bei Gefahr mit einer Höchstform an Leistungsfähigkeit reagieren zu können. "Das war in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit vor allem wichtig zum Kampf oder zur Flucht", erläutert Dr. Elisabeth Koerber-Kröll aus Hall. Dementsprechend reagiert der Körper auch heute noch, als müsste er sich auf Kampf oder Flucht vorbereiten. Konkret heißt das: Blutdruck, Puls und Atemfrequenz steigen, die Muskeln werden besser durchblutet und spannen sich an, die Nebenniere schüttet die Stresshormone Cortisol und Adrenalin aus, der Blutzuckerspiegel steigt, der Geist ist plötzlich hellwach und fokussiert.

Der Schüler habe heute meist andere Faktoren, die zum Auslösen von Stressreaktionen führen: lange Schultage, viele Prüfungen hintereinander, ein hohes Lernpensum, aber auch ungelöste Konflikte mit Freunden oder Eltern, Unzufriedenheit mit sich selbst, Neid und Mobbing. "Die Stressreaktion unseres Körpers fällt dabei genauso aus, nur fehlt uns das natürliche Ventil der körperlichen Bewegung in Flucht oder Kampf", so Koerber-Kröll. Deshalb sei körperlicher Ausgleich wichtig, um Stress abzubauen.

Man könne das rechte Maß an Anforderung (Stress) auch gut mit der Saite eines Streichinstrumentes vergleichen: Die Saite klingt weder gut wenn sie zu sehr angespannt ist, noch wenn sie zu lasch ist.

Die Folgen von ständiger Überforderung ohne Ausgleich sind Erschöpfung, ständige Müdigkeit und Freudlosigkeit. "Dazu kommen dann die körperlichen Symptome wie Kopf- und Bauchweh, Schlafstörungen, Neigung zu Erkältungskrankheiten, chronische Rückenschmerzen durch verspannte Muskulatur und vielleicht Nägelkauen oder Zähneknirschen oder gar Drogenmissbrauch", erläutert die Medizinerin mit 30 Jahren Berufserfahrung, davon 24 als Ärztin in Hall.

Was also rät Koerber-Kröll zur Stress-Vorbeugung? Sich erlauben, glücklich zu sein und sich Zeit für Entspannung zu nehmen. "Ein bis zwei unverplante Nachmittage zum Treffen mit Freunden, Shoppen, Tanzen, Spazierengehen."