300 Gramm mehr oder weniger können viel ausmachen. Dank neuer Inkontinenzunterlagen, die nur noch die Hälfte wiegen, kann das Diakoniewerk in der Wäscherei jährlich einen fünfstelligen Betrag sparen. Gehoben hat dieses Potenzial das Projekt "Diak mit Zukunft", das im Herbst 2011 "aufgrund wirtschaftlich unbefriedigender Ergebnisse" gestartet ist, führt der Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Lenke aus. Schließlich gilt es, das 230-Millionen-Euro-Neubauvorhaben zu stemmen.

"4 C Group" heißen die unter anderem auf das Gesundheitswesen spezialisierten Unternehmensberater aus München, die die Haller engagiert haben. "Insbesondere für die Krankenhäuser gilt es, die Weichen für die Zukunft zu stellen und ihre Organisation wettbewerbsfähig zu machen", heißt es auf der Website des Unternehmens.

"Prozesse so aufstellen, dass gute Arbeit nah am Menschen geleistet werden kann", drückt es Lenke, der Kirchenmann aus. Nach dieser Maxime habe man zunächst nach Einsparmöglichkeiten in der Verwaltung gesucht. Das Ergebnis: Hier werden frei werdende Stellen nicht mehr besetzt, die 1,5-Personen-Abteilung Fundraising (auf Deutsch: Spendensammeln) wurde aufgelöst, die Betroffenen wurden in anderen Abteilungen untergebracht.

Für die Beschäftigten heißen die Veränderungen auch "Leistungsverdichtung". Und so sind nicht alle Mitarbeiter begeistert, räumt Lenke ein. Aber er ist sich sicher: "Information ist der Schlüssel zum Verstehen." Der Diak-Chef bringt die Frage auf den Punkt: "Darf ein diakonisches Unternehmen Gewinn machen? Meine Haltung: Es muss Gewinn machen, um in die Zukunft investieren zu können."

1,3 Millionen pro Jahr werden im medizinischen Sachkostenbedarf bei Nadeln, Spritzen und ähnlichem eingespart. Dank der "Benchmarks" der Unternehmensberater - sie wissen auf gut Deutsch, was anderswo gezahlt wird - sei "Luft zum Nachverhandeln" gewesen, sagt Lenke, der Kaufmann. Der muss auch die Rechnungen im Blick haben. Verstrichen bisher zwischen Entlassung eines Patienten und der Abrechnung zwölf Tage, sind das jetzt sieben. Das bringt dem Diakoniewerk über Zinsvorteile rund eine Million Euro Liquiditätsgewinn.

"Jeder Stein wird umgedreht", hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Ehrhard Steffen im Herbst angekündigt. Nach dem Motto "Kleinvieh macht auch Mist" (Lenke) werden alle Bereiche auf den Prüfstand gestellt: "Muss wirklich jede E-Mail ausgedruckt werden? Braucht man alle Statistiken in Farbe?"

3 Millionen Euro gilt es im laufenden Betrieb einzusparen. Ein operatives Ergebnis von 1,3 Millionen für 2012 ist das Ziel, so Lenke: "Die wollen und müssen wir haben." Wenn Ende Juli, Anfang August die Fördergespräche mit dem Land beginnen, müssen die Haller ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Die Zeit drängt: 2013 soll mit der Kinderklinik der erste Bauabschnitt beginnen, der 2017 beendet sein soll. Bauabschnitt zwei soll gleich im Anschluss folgen.