Nachwuchs  Das Bühlertal gewinnt nicht immer

Langenburg / Birgit Trinkle 14.07.2018

Zusammenarbeiten, schnell und effektiv, das vor allem trainieren Jugendfeuerwehren. Sogar im Zeltlager, zu dem sich alle einmal im Jahr treffen, um gemeinsam Spaß zu haben. Bei der Lagerolympiade in Langenburg ist heuer an elf Stationen auch mal gutes Reaktionsvermögen gefragt, etwa wenn beim „Erbsenschlagen“ über eine schiefe Ebene kullernde kleine Kügelchen mit dem Hammer erwischt werden müssen. Vor allem aber geht es darum, im Team zu arbeiten: Hand in Hand  werden Verkehrspylonen genutzt, um Wasser in die alte Kübelspritze zu füllen; so entstehen dann überaus nützliche Wasserbomben. Die besten Leistungen bringen die Braunsbacher, die wirklich alles geben – fast macht es den Eindruck, als hätten die Katastrophentage 2016 ein neues Bewusstsein dafür geschaffen, wofür die Feuerwehr einsteht und warum sich der Einsatz lohnt. Den zweiten Platz erkämpfen sich die Michelfelder, den dritten die Schrozberger.

Wer freut sich wann?

So vieles ist neu, so vieles ist anders in diesem Jahr. Um bei der Lagerolympiade zu bleiben: Eigentlich war ja zu erwarten, dass Bühlerzell und Bühlertann das Ganze wieder unter sich austragen. Garantiert waren im Bühlertal auch dieses Mal wieder Spottlieder vorbereitet worden, um den Unterlegenen im Traditions-Duell ein bisschen zur ärgern. Gibt natürlich keiner zu, und als beide Mannschaften völlig unerwartet unter „ferner liefen“ rangieren, geben sie sich betont gelassen: Wen juckt das schon. Das nimmt ihnen halt nur niemand ab. Alle anderen freuen sich diebisch, dass zur Abwechslung andere Namen zuletzt verlesen werden und ganz andere Gesichter über den Pokalen leuchten.

Zur Olympiade in diesem Zeltlager muss man wissen, dass das Jubelverhalten bei der Preisverleihung, bei der immer  mit dem letzten Platz begonnen wird, recht ungewöhnlich ist. Von den drei Erstplatzierten mal abgesehen, klatschen bei der Nennung einer Jugendfeuerwehr immer die noch ungenannten größten Konkurrenten am lautesten. Das sind meistens die aus der Nachbarschaft. Und es ist nicht wirklich ein anerkennender Applaus, mehr so ein „Jawoll, wir sind besser!“ Die drei Erstplatzierten stehen jetzt also bei der Siegerehrung strahlend da und schütteln Hände. Und Bühlerzeller und Bühlertanner lächeln: Die nächste Olympiade kommt bestimmt.

Eine Premiere gibt’s auch in der Küche. Christian Ott schaut ganz versonnen seine Hände an: „Das ist das erste Mal, dass ich vom Mehlschwitzenrühren keinen Muskelkater in den Unterarmen kriegen werd.“ Und zwei Stunden lang den Teig für die Grießschnitten rühren und kneten war ebenfalls ein Sonntagsspaziergang im Vergleich zu früheren Aktionen. Das kommt nicht von ungefähr.

Seit Jahren übernimmt das Küchenteam der Sulzdorfer Feuerwehr mit der Feldküche die Versorgung der Kinder: Die Jugendfeuerwehr im Landkreis hat nun ganz tief in ihre Kasse gegriffen und den Sulzdorfern ein Profi-Rührgerät spendiert, das sich gleich beim ersten Einsatz bezahlt gemacht hat. Nicht nur dass die 540 Grießschnitten eine Küchenleistung sondergleichen waren: Noch beeindruckender ist, dass beim Gang durchs Lager nicht eine einzige Klage zu hören ist. Über 350 Kinder und Jugendliche sowie ihre Betreuer essen Geschnetzeltes oder gefüllte Paprika und niemand meckert – oder meckert zumindest so leise, dass es nicht zu hören ist. Tenor in der kleinen Zeltstadt ist nämlich: „Das Essen ist echt klasse“; dagegen anzugoscheln macht nicht eben beliebt.

Werbung für Langenburg

„Langenburg hat eine Messlatte gesetzt, die kaum zu reißen ist“, sagen Kreisjugendfeuerwehrwart Thomas Haas, seine Stellvertreterin Alexandra Zieffle und Alexander Bauer, Fachgebietsleiter Veranstaltungen und Zeltlager. Das fängt an beim Lagerplatz direkt bei Freibad und Minigolfanlage, die für die Jung-Feuerwehrler geöffnet werden, und beim Bauhof, der bei der Stromversorgung hilft. Langenburgs Bürgermeister Wolfgang Class wiederum sieht sich in seiner Hoffnung bestätigt, dass nun hunderte junge Leute aus dem gesamten Landkreis Schwäbisch Hall in ihre Gemeinden zurückkehren und vom Langenburger Freibad schwärmen werden.

Noch spät am Abend darf der Nachwuchs schwimmen; bei der Moonlight-­Beachparty gibt’s an der eigens eingerichteten Cocktailbar alkoholfreie Farb- und Geschmacksexplosionen, und Human-Table-Soccer – Riesen-Tischfußball mit Kindern als Spielfiguren –, Klettergerüst und Beachvolleyball tun ein übriges, zu einem Zeltlager beizutragen, wie’s wohl noch keines gab.

Schlaf wird überbewertet

Vertraut sind eigentlich nur die übernächtigten Gesichter der fast 50 jungen Betreuerinnen und Betreuer, die diesem Zeltlager ihr Wochenende geschenkt haben. Vier, sechs, acht Stunden haben sie geschlafen, sagen sie am Sonntagnachmittag – und beziehen sich auf die Zeit seit Freitagfrüh. Matthias „Matze“ Großeibl habe garantiert gar nicht geschlafen, ist  mehrfach zu hören.

Langenburgs Jugendwart widerspricht dem nicht. Sein Ding, seine Heimatstadt, seine Verantwortung. Er nimmt das Gelingen persönlich, und bei so vielen quirligen Teenagern kommt er buchstäblich nicht zur Ruhe. Hier knickt jemand um und braucht ärztliche Hilfe, dort kriegen sich kichernde 13-Jährige gar nicht mehr ein, morgens gegen vier wohlgemerkt, zwischendurch gibt’s technische Probleme. Irgendwas ist ja immer. Dank und Anerkennung will er nicht. Er verschenkt statt dessen Wibele an die Helfer.

Ganz ohne Würdigung geht es freilich nicht: Mit gutem Grund wird Wolfgang Class, der sich mit Ehefrau Carmen persönlich davon überzeugt hat, dass alles gut geht, bei der Abschlussveranstaltung mit der Ehrennadel der Jugendfeuerwehr im Landkreis ausgezeichnet.

Kreativität und ein Dixi-Klo

Als die Wehren gehen, gehen auch sie nicht mit leeren Händen. Eigentlich war am Sonntag  aus bereitgestelltem Holz ein Vogelhaus zu bauen; einem ordentlichen Prozentsatz der 24 Gruppen aber quoll die Kreativität aus allen Poren. Die jungen Baumeister ließen sich ganz anderes einfallen, schraubten ein Miniatur-Dixi-Klo samt winziger Papierrolle zusammen, eine Hau-den-Lukas-Apparatur und ein Modell ihres Feuerwehrhauses. Selbst die Vogelhäuser tragen durchweg eine unverwechselbare Handschrift. „Das kommt ins Gerätehaus“, sagt Christian Schmidt, Gerabronns Jugendwart, der das Ding unterm Arm trägt. Für eine Löschübung? Strafender Blick des gestandenen Feuerwehrmanns: Das hat sein Team gemacht und es ist klasse.

Zum ersten Mal werden Jugendsprecher gewählt

Tobias Walk, der für die Kreisjugendfeuerwehr spricht, freut sich, dass das mit den Wahlen so gut geklappt hat: Nach der Gründung des Jugendforums im Juni durften die Kinder ihre Kreisjugendsprecher wählen. Jeder Teilnehmer erhielt einen Wahlschein und machte sich bei einer Kandidatenvorstellung selbst ein Bild. Überzeugt haben zwei junge Frauen und zwei junge Männer, aus dem Osten und aus dem Westen des Landkreises gleichermaßen: Lea Hintermaier aus Kirchberg, Lara Berger, Rosengarten, Daniel Ansorge aus Gerabronn und Tom Böttcher aus Mainhardt . Sie sind auf zwei Jahre gewählt und die vier ersten Kreisjugendsprecher des Jugendforums. Ab sofort vertreten sie die 29 Jugendfeuerwehren im Kreis, von denen 24 in Langenburg ihre Zelte aufgeschlagen hatten.

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