Beim Blick aus dem Fenster mag man es eigentlich kaum glauben: Gestern war der „Tag des deutschen Apfels“. Dieser Aktionstag ist noch recht jung, es gibt ihn seit 2010. Damit wird das beliebteste Obst der Deutschen gewürdigt. Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, nimmt den Tag zum Anlass, alle Verbraucher einzuladen, „sich die heimischen Äpfel schmecken zu lassen. Mit dem Kauf von Äpfeln aus der Region entscheiden sich Verbraucher zugleich für ein Stück Heimat, für ausgezeichnete Qualität und dafür, Landwirte aus der Region zu unterstützen.“

Wer im Landkreis Schwäbisch Hall an Äpfel denkt, der kommt an der Gemeinde Kreßberg natürlich nicht vorbei, zum touristischen Konzept gehört das Streuobsterlebnis. Deren Bürgermeister Robert Fischer schwärmt von landschaftsprägenden Streuobstwiesen mit Apfel- und mit Birnenbäumen. Fischer hat aber nicht nur die Landschaft im Kopf, sondern auch „die leckeren Früchte“, zu Weihnachten bekam er eine Kiste heimische Äpfel von seinem Bruder geschenkt.

Kreßberg ist – die Stadt Crailsheim übrigens auch – Mitglied der Fränkischen Moststraße. Ein unermüdlicher Antreiber in Sachen Streuobstwiesen und sortenreine Apfelsäfte ist Reinhold Kett aus Leukershausen. Dort stehen im Gewann Birnenberg allein 200 Apfelbäume, zwei oder drei davon gehören zur Sorte Öhringer Blutstreifling – und damit wären wir wieder beim Thema.

Der Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg (LOGL) hat diese alte Sorte zur „Streuobstsorte des Jahres 2019“ gekürt. Der wohlschmeckende, feste und saftige Apfel sei lange als vielseitiger Wirtschaftsapfel angebaut worden und ein würdiger Vertreter der Streuobstsorten, teilt der Verband auf seiner Homepage mit. Am besten schmeckt er zwischen Januar und April, er ist ein typischer Winterapfel. Für Kett ist es deshalb auch nicht verwunderlich, dass der 11. Januar zum „Tag des deutschen Apfels“ geworden ist. Es ginge schließlich auch im Winter um Vitamine und Gesundheit und darum, deutlich zu machen, dass ein Apfel „lange Zeit haltbar“ ist.

Rolf Heinzelmann hat für den LOGL Wissenswertes über das Gewächs mit der botanischen Bezeichnung „Malus ‚Öhringer Blutstreifling‘“ zusammengetragen. Der Apfel mit dunkelroten Streifen, die ihm den Namen geben, wenig Säure und einem saftig-süßen Biss ist ein Zufallssämling. Gefunden wurde er wohl um 1860 im Raum Öhringen (Hohenlohekreis). Der Mutterbaum stand noch 1929 in Unterohrn.

Der Öhringer Blutstreifling, auch Roter Blutstreifling genannt, ist recht anspruchslos an Boden und Klima, heißt es. Was die Sorte allerdings beeinträchtigt, ist die vom Standort abhängige Schorfanfälligkeit. Die tut zwar der Qualität und dem Geschmack keinen Abbruch, aber der Optik.

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Crailsheim

Erst kommt Elstar, dann Jonagold


2000 Apfelsorten wachsen in Deutschland. Baden-Württemberg ist bundesweit das Obstland Nummer eins. Dabei sind Äpfel die mit Abstand wichtigste Obstart, sie werden auf zwei Dritteln der Baumobstfläche von rund 18 300 Hektar angebaut. Vor allem die Bodenseeregion ist für den Anbau von Tafeläpfeln (7100 Hektar) bekannt. Weitere Schwerpunkte sind das Rheintal, das Neckartal und Hohenlohe. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland liegt bei rund 17 Kilo. Zu den Hauptapfelsorten in Baden-Württemberg zählen Elstar (20 Prozent), Jonagold (13 Prozent), Gala (12 Prozent) und Braeburn (10). js