Drei Stellvertreter hat Kreisbrandmeister (KBM) Werner Vogel, immerhin muss an jedem Tag, in jeder Nacht des Jahres jemand bereitstehen, wenn es zu richtig großen Unglücken und Schadensfällen kommt – und auch ein KBM braucht Freizeit, hat Urlaub oder wird krank. Als Matthias Trumpp in Gerabronn von Peter Hanselmann das Amt des Gerabronner Stadtbrandmeisters übernahm, war keinesfalls ausgemacht, dass er ihm auch als Vogels Stellvertreter nachfolgen würde. Das ist zum einen eine mit gehöriger Verantwortung verbundene Vertrauensstellung, zum anderen ein weiteres zeitraubendes Ehrenamt für ein ohnehin schwer eingespanntes Mitglied der Feuerwehr.

Matthias Trumpp, im Hauptberuf Bankkaufmann, hat denn auch nicht gleich zugesagt, als Werner Vogel und der Erste Landesbeamte Michael Knaus ihm den Posten angetragen haben. Er müsse das zuerst mit Ehefrau Nicole besprechen, sagte er. Matthias Trumpp war sich von Anfang an der Verantwortung und des eingeforderten Engagements bewusst.

Leidenschaft Feuerwehr

Trotzdem hat er Ja gesagt, wie er sich bislang noch keinem Ruf verweigert hat. Ein Schulfreund hat ihn mit 17 Jahren zur Jugendfeuerwehr gebracht, nach wenigen Monaten dann zu den Aktiven, wo der heute 45-Jährige seit 16 Jahren Führungsaufgaben übernimmt. Angefangen hat er als stellvertretender Abteilungskommandant der Abteilung Gerabronn, zuletzt wurde er 2017 als Kommandant der Gesamtfeuerwehr Gerabronn gewählt. Er hat einen Lehrgang zum Verbandsführer ebenso absolviert wie den zum Ausbilder für Absturzsicherung und „Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen“. Ab 2012 war er Mitglied der Führungsgruppe Nord, und das hat ihn sicherlich ebenfalls auf die KBM-Aufgaben vorbereitet. Diese Führungsgruppe besteht aus Einsatzkräften der Feuerwehren Blaufelden, Gerabronn, Rot am See, Schrozberg und Wallhausen; sie hat die Aufgabe, „bei größeren Einsätzen Entscheidungen für den Einsatzleiter vorzubereiten, ihm den Rücken freizuhalten und ihn zu entlasten“.

Mehr Zeit und Kraft

Als Beispiel nennt Trumpp die ständig mehr Zeit und Kraft kostende Dokumentationspflicht, das Zeichnen von Lagekarten für nachrückende Einsatzkräfte oder eben Aufgaben, wie den zuständigen Stromanbieter unterschreiben zu lassen, dass in einem bestimmten Gebäude der Strom abgeschaltet ist – an mündliche Zusagen kann sich später gegebenenfalls niemand mehr erinnern.

Vor allem lernen die Mitglieder dieser Einsatzgruppe, wie große Einsätze geleitet werden, ohne den unmittelbaren Druck des direkt zuständigen Kommandanten aushalten zu müssen. Auch Trumpp hat sich immer wieder als Mitglied der Führungsgruppe bei Großbränden bewährt, etwa auf dem Aussiedlerhof Pfingsthöfe bei Raboldshausen oder zuletzt in Böhmweiler. Selbst die Einsatzleitung hatte er unter anderem bei zwei größeren Bränden im November und Dezember 2017 in Gerabronn.

Erster Einsatz

Alle drei Stellvertreter Vogels kommen aus dem Altkreis Crailsheim, ein vierter aus dem Haller Raum soll noch bestellt werden. Derzeit teilen sich Crailsheims Stadtbrandmeister Armin Klingenbeck, Marc Möbus aus Schrozberg und Matthias Trumpp aus Gerabronn die Wochenenden und Vogels Urlaubstage unter sich auf; im Schnitt sechs bis sieben Wochenenden pro Halbjahr fallen an. Trumpps erster Bereitschaftsdienst beginnt am Freitag, 18. Januar, um 12 Uhr und endet am Montag, 21. Januar, um 7 Uhr. Wann immer der Kreisbrandmeister gebraucht wird, wird in diesem Zeitraum Matthias Trumpp benachrichtigt; in der Regel handelt es sich um große Brände, schwere Unfälle – an denen zum Beispiel ein Flugzeug beteiligt ist – oder einen Gefahrguttransport. Ob der KBM verständigt wird, entscheidet die Leitstelle in Hall anhand einer Einsatzstichwortliste.

Sollte an diesem dritten Wochenende im Januar etwas Schlimmes passieren, wird Trumpp in erster Linie beratend und unterstützend eingreifen und Spezialisten dazurufen, Fachkräfte des Strom- oder Gasanbieters, Statiker oder Bautechniker, einen spezialisierten Gefahrgutzug, einen Fachberater Chemie oder das Umweltamt. Einsatzleiter ist der Kommandant; nur ganz selten übernimmt der KBM oder einer seiner Stellvertreter die Leitung, zuletzt ist das in Braunsbach geschehen. Das braucht niemand.

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