Schrozberg / Birgit Trinkle

Wie kann es sein, dass ein Stückchen Stoff mehr über Gartengeschichte erzählt als ganze Abhandlungen? Indem es für den Alltag der Menschen steht. Die uralte Kittelschärz, mit der sich einst eine zugige Dachbodenritze abdichten ließ, wurde viele Jahre lang getragen und immer und immer wieder fein säuberlich gestopft, an einer Knopflochstelle sogar das Flickwerk ausgebessert. Geschätzt sieben, acht Stunden Arbeit wurden in ein Kleidungsstück investiert, das gerade mal für Haus- und Gartenarbeit taugte. Heute gibt’s im Billigmarkt nigelnagelneue Kittelschürzen für 1,99 Euro, Bruchteil eines Stundenlohns. Daran, mühsam zu flicken und Löcher zu stopfen, ist zumindest bei Alltagskleidung nicht zu denken, weil Zeit so kostbar geworden ist. Das hat auch die Gärten verändert, mehr als alles andere.

Zeit ist ein wichtiger Faktor

Längst schon geht es nicht mehr darum, möglichst effizient viel Obst und Gemüse für die Eigenversorgung anzubauen, um in kargen Zeiten keine Not leiden zu müssen. Heute sollen Gärten möglichst ohne Gift und Kunstdünger gesundes Gemüse liefern, vor allem aber sind sie Wohlfühlräume geworden, die nicht viel Zeit kosten dürfen.

Dem trägt Brunhilde Bross-
Burkhardt in ihrem jüngsten Buch Rechnung: „Viel Garten – wenig Zeit. Mehr Freude am Garten durch kluge Planung“.

In Bartenstein geboren und aufgewachsen, hat sie hoch über dem Ettetal von den Eltern die Liebe zu den Gärten und das Gärtnern selbst gelernt. Später studierte sie in Kiel und Stuttgart-­Hohenheim und erarbeitete sich an der Humboldt-Universität zu Berlin ihren Doktortitel. Die Agrarwissenschaftlerin und Garten-­Expertin engagiert sich seit ihrer Jugend für ökologischen Land- und Gartenbau, arbeitete intensiv mit der wohl wichtigsten deutschen Biogartenpionierin Gertrud Franck zusammen, widmete sich unterschiedlichsten Böden ebenso wie den sogenannten Un-Kräutern. Mittlerweile hat sie über 40 Buchtitel, insbesondere zu Botanik, Garten, Kulturpflanzenvielfalt, Agrargeschichte und Gartenkunstgeschichte, veröffentlicht. Wenn eine wie sie darüber schreibt, wie ein Garten angelegt wird, der auch bei chronischem Zeitmangel Freude macht, geht es ganz sicher nicht um eine Kieswüste.

Grüne, blühende Gärten

In der Tat: Aus ihrer jahrzehntelangen Praxisarbeit heraus hat die 1956 geborene promovierte Garten-­Fachfrau Informationen, Tipps und Ideen für Obstgärten, Ziergärten und Rasenflächen zusammengestellt, für Terrassen- und Balkonnutzung. Sie wendet sich an Berufstätige und natürlich an all diejenigen, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen müssen. Aber auch ältere Menschen, denen die körperliche Arbeit zunehmend schwerfällt, oder Einsteiger, die ganz am Anfang ihrer Gärtnerlaufbahn stehen, erfahren, wie sie Freude an ihren Gärten haben können, ohne dafür mit allzu großem Zeit- und Arbeitseinsatz zu bezahlen.

Wichtig ist, so Bross-­Burkhardt, vor allem eine frühzeitige Planung des Gartengrundstücks; bereits in diesem Stadium werde über die künftige Pflege entschieden. Dazu kommt die Auswahl der Pflanzen: „Robuste Pflanzen müssen weniger gegossen, gepflegt und beschnitten werden.“ Rosensorten und Rainfarn schauen aus den Buchseiten, Bauernpfingstrose, die orientalische Christrose, Federmohn und Löwenmäulchen. Hier wird eine widerstandsfähige Herbst-­Anemone empfohlen, dort der Waldmeister als Bodendecker unter Nadelbäumen. Unterschiedlichste Gehölze werden vorgestellt und nach ihren Eigenschaften bewertet, ebenso ökonomische und wassersparende Bewässerung. Anleitungen für zeitsparenden Kräuter-, Obst- und Gemüsebau gehen einher mit Tipps zum Anlegen von Pflanzinseln, Stauden- und Rosenrabatten oder zum „Gärtnern in Gefäßen“.

Der größte Zeitfresser

Am meisten Zeit, sagt Bross-Burkhardt, kostet der Kampf gegen das Verwildern, der niemals aufhört. Das Hauptproblem in älteren Gärten und bei großen Flächen besteht nämlich darin, so die mittlerweile in Langenburg lebende Bartensteinerin, immer wieder neu mit dem Aufwuchs der Wildpflanzen, der Rasen- und Wiesenflächen, der Stauden und Gehölze fertigzuwerden: „Am meisten Arbeit machen Unkraut jäten, gegen einjährige Kräuter wie Vogelmiere und Ehrenpreis anhacken und vor allem Wurzel­unkräuter wie Giersch und Acker-Winde heraushacken.“

Übers Jahr gesehen sind Gärtner und Gärtnerin in verunkrauteten Gärten damit tagelang beschäftigt, ebenso damit, Sträucher und Bäume zu schneiden oder Laub zusammenzurechen und all das Grünzeug auch noch zu entsorgen. Gegen die größten Auswüchse ist kein Kraut, aber ein neues Garten-Buch gewachsen.

Info Brunhilde Bross-Burkhardts „Viel Garten – wenig Zeit. Mehr Freude am Garten durch kluge Planung“ ist im Haupt-Verlag erschienen.